Risikomanagement, COSO

Risikomanagement: COSO 2026 fehlt ganzheitliche Erfassung

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 00:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Experten bemängeln unzureichende Risikoaggregation in COSO 2026. Volkswagen senkt Prognose nach schwachem Halbjahr. Ganzheitliche Ansätze gefordert.

Risikomanagement-Standards: Kritik an COSO 2026 und fehlender Risikoaggregation
Abstraktes Modell vernetzter Glaskugeln auf einem Konferenztisch in einem modernen Bürogebäude mit Stadtansicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In den vergangenen Tagen haben Fachmedien eine kritische Bilanz zu den derzeit führenden Frameworks im Risikomanagement gezogen. Trotz praxisnaher Ansätze in Standards wie COSO 2026 fehlt nach Einschätzung von Analysten der notwendige Schritt zu einer umfassenden und ganzheitlichen Erfassung unternehmerischer Unsicherheiten.

Während die methodischen Grundlagen vorhanden seien, mangelt es in der praktischen Anwendung oft an der Verknüpfung von Einzelrisiken zu einem Gesamtbild.

Von der Theorie zur Praxis: Die aktuelle Handreichung

Die Diskussion um die Weiterentwicklung der Standards folgt auf die Veröffentlichung der Handreichung „From Guidance to Action“ durch COSO im Mai 2026. Dieses Dokument sollte den Übergang von theoretischen Leitlinien hin zur praktischen Umsetzung in den Unternehmen erleichtern.

Fachleute betonen zwar, dass diese Ergänzung einen hohen Praxisbezug aufweise, jedoch die tiefergehende Problematik der systemischen Unsicherheit nicht ausreichend adressiere.

Die Kritik richtet sich vor allem gegen eine zu starke Fokussierung auf isolierte Risikofaktoren. Ein rein prozessorientierter Ansatz, wie er in vielen aktuellen Frameworks verfolgt wird, reiche nicht aus, um die komplexen Wechselwirkungen in einem dynamischen Marktumfeld abzubilden. Damit bleibe das Risikomanagement oft hinter seinem Potenzial zurück, als strategisches Steuerungsinstrument zu dienen.

Die Lücke in der Risikoaggregation

Zusätzliche Kritik kommt vom Risikomanagement-Verband RMA. Mitte August wiesen Vertreter des Verbandes darauf hin, dass die fehlende Risikoaggregation eine der zentralen Schwachstellen im COSO-Framework darstelle. Die aktuelle Praxis konzentriere sich häufig auf die Beherrschbarkeit von Einzelrisiken. Diese isolierte Betrachtung könne jedoch trügerisch sein.

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Nach Einschätzung des Verbandes können Einzelrisiken für sich genommen kontrollierbar erscheinen, in ihrer Kombination jedoch eine bestandsgefährdende Dynamik entwickeln.

Ohne eine systematische Aggregation, bei der die Korrelationen zwischen verschiedenen Risikofeldern berücksichtigt werden, bleibe das wahre Gefährdungspotenzial für Unternehmen oft verborgen. Eine moderne Risikoberichterstattung müsse daher über die bloße Auflistung von Einzelgefahren hinausgehen und die kumulativen Effekte in den Fokus rücken.

Operative Herausforderungen am Beispiel der Industrie

Wie wichtig ein robustes Risikomanagement in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld ist, verdeutlichen aktuelle Geschäftszahlen aus der Automobilindustrie. So verzeichnete Volkswagen im ersten Halbjahr 2026 ein operatives Ergebnis von 5,9 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Rückgang von -11,6 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Infolge der volatilen Marktentwicklung sah sich das Unternehmen zudem gezwungen, die Umsatzprognose anzupassen. Diese wurde für das laufende Jahr auf einen Korridor von -3 bis 0 % gesenkt. Solche Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit für Unternehmen, nicht nur operative Risiken im Blick zu behalten, sondern auch makroökonomische und strategische Unsicherheiten frühzeitig in die Planung einzubeziehen.

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Die aktuelle Debatte verdeutlicht, dass die Weiterentwicklung der Frameworks wie COSO dringend erforderlich ist, um der Komplexität moderner Lieferketten und globaler Märkte gerecht zu werden. Die Forderung nach einer ganzheitlichen Erfassung und Aggregation von Risiken wird für Verantwortliche in Compliance und Unternehmensführung in den kommenden Monaten ein zentrales Thema bleiben.

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