Rohstoffsicherheit, Aurubis

Rohstoffsicherheit: Aurubis und Infineon starten Milliarden-Investitionen

03.07.2026 - 19:36:04 | boerse-global.de

Aurubis startet modernste Recyclinganlage, Infineon eröffnet Chipfabrik. Europas Rohstoffziele bleiben trotz Fortschritten ambitioniert.

Aurubis und Infineon: Neue Anlagen stärken Europas Unabhängigkeit
Rohstoffsicherheit - Eine hochmoderne Recyclinganlage, in der flüssiges Metall in Formen gegossen wird, umgeben von komplexen Maschinen und industriellen Rohren. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Botschaft ist klar: Europa will unabhängiger werden.

Aurubis: 190 Millionen für modernstes Recycling

In Hamburg ging am heutigen Freitag die Anlage „Complex Recycling Hamburg“ (CRH) ans Netz. Der Kupferkonzern investierte 190 Millionen Euro in die weltweit neuartige Multimetall-Recyclinganlage. Sie verarbeitet jährlich über 30.000 Tonnen komplexer Recyclingmaterialien.

Das Besondere: Kupfer, Blei, Edelmetalle und Schwefelsäure werden in einem integrierten Prozess gleichzeitig zurückgewonnen. Möglich machen das Konverter, die Chargen von 45 Tonnen bei bis zu 1400 Grad Celsius schmelzen. Die Bauzeit betrug rund zweieinhalb Jahre.

Die Europäische Investitionsbank förderte das Projekt als Teil der EU-Rohstoffstrategie. Produktionsvorstand Tim Kurth sowie Vertreter aus Bundes- und Landespolitik betonten bei der Eröffnung den strategischen Wert für die Rohstoffsicherheit.

Infineon: Europas größter Reinraum in Dresden

Einen Tag zuvor eröffnete Infineon das „Modul 4“ in Dresden – eine Smart Power Fab mit einem Investitionsvolumen von rund 5 Milliarden Euro. Rund 920 Millionen Euro steuerte der EU Chips Act bei. Die Fertigstellung erfolgte drei Monate früher als geplant.

Der Standort beherbergt mit 20.000 Quadratmetern den größten Reinraum Europas. Gefertigt werden 300-mm-Wafer und Leistungshalbleiter. Etwa 1.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Infineon-Chef Jochen Hanebeck verwies auf den globalen Förderwettbewerb. Die EU will ihren Anteil an der weltweiten Chipproduktion bis 2030 auf 20 Prozent steigern.

Rohstoffziele: Europa hinkt hinterher

Doch trotz dieser Erfolge: Die europäischen Rohstoffziele für 2030 sind ambitioniert. Aktuell liegt die Eigenförderung bei rund 8 Prozent – angestrebt sind 10 Prozent. Beim Recycling sind es 12 statt 25 Prozent, bei der Verarbeitung 24 statt 40 Prozent.

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Die Finanzierungslücke beziffern Branchenexperten auf mehrere Milliarden Euro. Die deutsche Industrie reagiert mit neuen Bündnissen.

Industrie plant Einkaufspool für Seltene Erden

Mehrere Verbände – darunter VDA, ZVEI, VDMA, BDLI und BDI – treffen sich am 8. Juli zur Gründung eines staatlich gestützten Rohstoff-Einkaufspools. Ziel ist es, Bedarfe bei kritischen Materialien wie Seltenen Erden zu bündeln. Das Modell orientiert sich an japanischen Strukturen: Als Großkunde haben europäische Abnehmer mehr Gewicht gegenüber Lieferanten.

Steueränderung treibt Rohstoffe ins Ausland

Ein zusätzliches Problem kommt aus dem Bundesfinanzministerium. Ein Erlass vom April 2026 zur Umsatzbesteuerung von Rohstoffen in Zollfreilagern sorgt für Kritik. Marktbeobachter berichten, dass Händler wegen der neuen Mehrwertsteuerregelung signifikante Mengen in die Schweiz verlagert haben. Das gefährdet die Versorgungssicherheit.

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Währenddessen expandieren andere europäische Player weiter. PreZero Portugal übernahm den Wertstoffaufbereiter Tratris und recycelt künftig rund 11.000 Tonnen Industriematerialien pro Jahr. In Spanien plant Gotion High-Tech ab 2027 den bau von Großanlagen für Batterieproduktion und Recycling – mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 5 Milliarden Euro.

de | wirtschaft | 69682011 |