ROUNDUP, Probleme

Diese sieben Probleme belasten die Koalition

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 16:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
BERLIN - Der Neue bekommt keine Schonfrist: Noch bevor er offiziell im Amt ist, erhöht die CDU den Druck auf den designierten Arbeitsminister Alexander Schweitzer.

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BERLIN (dpa-AFX) - Der Neue bekommt keine Schonfrist: Noch bevor er offiziell im Amt ist, erhöht die CDU den Druck auf den designierten Arbeitsminister Alexander Schweitzer. Morgen um 11 Uhr, gleich nach der Kabinettsitzung, mĂŒsse er am Schreibtisch sitzen, verlangt Kanzler Friedrich Merz.

Der versierte SPD-Politiker Schweitzer gibt sich nach einem ersten Vier-Augen-GesprĂ€ch mit dem Kanzler betont gelassen: Er werde zĂŒgig, aber grĂŒndlich arbeiten, sagt er mit Blick auf die geplante Rentenreform. Erst einmal hĂ€tten Union und SPD noch Fragen zu klĂ€ren.

Mit der Rente liegt das wohl grĂ¶ĂŸte Problemfelder der schwarz-roten Koalition in der ZustĂ€ndigkeit des neuen Arbeitsministers. Doch das ist nicht die einzige Herausforderung, die das BĂŒndnis bis Jahresende stemmen muss. Der RĂŒcktritt von Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas mit heftigen VorwĂŒfen an den Koalitionspartner hat gezeigt, wie blank die Nerven im Regierungsteam von Union und SPD tatsĂ€chlich liegen.

Rente

Vor allem der CDU dauert es schon viel zu lange, bis ein Gesetzentwurf zur geplanten Rentenreform vorliegt. Das hatten CDU-Politiker Bas in den letzten Wochen deutlich zu verstehen gegeben - obwohl die 58-JĂ€hrige gerade um ihre Stieftochter trauert. Merz sagt es auf dem Arbeitgebertag des BDA nochmal klar: "Juli, August, September, Oktober, das ist mir schon zu lange." Bis Jahresende mĂŒsse der Entwurf im Kabinett sein, mit den Fraktionen und den BundeslĂ€ndern abgestimmt.

Schweitzer steht damit schon vor Amtsantritt unter Druck. Er will das Problem anpacken, aber auch nichts ĂŒbers Knie brechen. Sobald die Koalition ihre inhaltlichen Differenzen geklĂ€rt habe, werde er schnell etwas vorlegen, sagt er zu.

Doch davon ist man noch weit entfernt. Fest steht: Die im Sommer von Bas als "Gesamtkunstwerk" bezeichneten 33 Empfehlungen der Rentenkommission werden - anders als vom Kanzler und ihr angekĂŒndigt - nicht komplett umgesetzt. Offene Fragen gibt es zum Beispiel Umgang mit Minijobs, vor allem aber zur Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Schweitzer hatte die FrĂŒhrente im August noch Ă€hnlich entschlossen verteidigt wie Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig.

Ebenfalls jetzt Schweitzers Problem ist die im Grundsatz bereits im Koalitionsvertrag angekĂŒndigte Flexibilisierung der Arbeitszeit, das Ende des starren 8-Stunden-Tags. Auch da pochte Merz beim Arbeitgebertag auf schnelles Handeln.

Pflege

Eigentlich sollte das Kabinett schon in der vergangenen Woche eine Kommission zur Pflegereform einberufen. Die soll bis Ende Januar VorschlĂ€ge vorlegen, wie das Pflegesystem fĂŒr die 2030er Jahre gewappnet werden kann. Doch es gab GesprĂ€chsbedarf ĂŒber die Zusammensetzung und auch den genauen Arbeitsauftrag. Die SPD fordert, dass auch Obergrenzen der stark steigenden Eigenanteile fĂŒr die Pflege ein Thema sein sollen, von Unionsseite gab es dazu ablehnende Äußerungen. Morgen könnte die Kommission aber vom Kabinett eingesetzt werden.

ZusĂ€tzlich fĂŒr Handlungsdruck könnte am Nachmittag die SchĂ€tzung fĂŒr die Krankenkassen-Finanzen sorgen. Der offizielle SchĂ€tzerkreis will voraussichtlich seine Prognose fĂŒr dieses und kommendes Jahr vorlegen. Dabei geht es um die spannende Frage: Wie sicher sind stabile KrankenkassenbeitrĂ€ge 2027?

Steuern

Höhere Steuern auf zuckerhaltige GetrĂ€nke sollen die Gesundheit schĂŒtzen, vor allem aber den Bundeshaushalt entlasten. Doch die PlĂ€ne von Finanzminister Lars Klingbeil sorgen fĂŒr Streit. Gerade sprachen sich die Agrar- und Verbraucherschutzminister der Union aus den BundeslĂ€ndern in einem Brief an Kanzler Friedrich Merz dagegen aus. So eine Steuer sei staatliche Lenkung, belaste Landwirte und treibe Preise. Das Kanzleramt hatte die PlĂ€ne Anfang des Monats vorerst gestoppt und Klingbeil vorgeworfen, damit zu weit zu gehen. Noch ist unklar, ob es einen Kompromiss gibt. Auch bei einer Plastiksteuer und der Besteuerung von KryptowĂ€hrungen wie Bitcoin gibt es Differenzen.

Haushalt

Wenn die Einnahmen aus den geplanten Steuererhöhungen fehlen, steht es schlecht um Klingbeils Haushalt. Nach dem Willen der Union sollen dazu auch noch die Senkung der Stromsteuer fĂŒr Privathaushalte, ein höheres Elterngeld und der Ausgleich der inflationsbedingten kalten Progression finanziert werden. Das dĂŒrfte Klingbeils Entwurf fĂŒr den Bundeshaushalt 2027 völlig sprengen - selbst wenn die SteuerschĂ€tzung ihm noch etwas mehr Spielraum gĂ€be.

Derzeit laufen die Beratungen im Haushaltsausschuss, Mitte November soll in der sogenannten Bereinigungssitzung alles festgezurrt, Ende November im Bundestag abgestimmt werden. Doch in der Koalition wird nicht ausgeschlossen, dass der Termin verschoben und eventuell vor Jahresende gar kein Haushalt mehr beschlossen wird.

Die Wahl des MinisterprÀsidenten in Sachsen-Anhalt

Potenzial fĂŒr eine ernste Regierungskrise in Berlin hat auch die im Dezember anstehende Wahl des MinisterprĂ€sidenten von Sachsen-Anhalt. Bekommt der AfD-Politiker Ulrich Siegmund Stimmen aus der CDU? Der neue AfD-LandtagsprĂ€sident Tobias Rausch war vergangene Woche mit vier Stimmen mehr gewĂ€hlt worden, als AfD und BSW zusammen haben. In der SPD glauben viele, dass diese aus der CDU kamen. Die Empörung der Sozialdemokraten gipfelte in einem Protestmarsch der Fraktion und einer Rede von Verteidigungsminister Boris Pistorius, der von einem "einzigartigen Tabubruch" sprach.

Sollte bei der Wahl des MinisterprÀsidenten ein Àhnlicher Verdacht entstehen, könnte das die Koalition in Berlin ins Wanken bringen. Die CDU-Fraktion in Magdeburg will dem nun aus dem Weg gehen und womöglich vor der Abstimmung geschlossen den Saal verlassen.

Die Regierungsbildung in Berlin

Zweites Bundesland mit Sprengpotenzial: In kaum eine andere Regierungsbildung auf Landesebene haben sich Bundespolitiker aller Farben je so prominent eingemischt. Bundeskanzler Merz hat SPD und GrĂŒne inzwischen offen aufgefordert, in Berlin keine Koalition mit der Linken einzugehen. Die GesprĂ€che mĂŒssten sofort beendet werden. Merz sprach von einem weit verbreiteten Antisemitismus in der Linken.

Noch hat sich die SPD nicht entschieden, ob sie in konkrete Koalitionsverhandlungen in Berlin eintritt. Doch Merz warnte bereits mit Blick auf eine gemeinsame Regierung: "Wenn die SPD und die GrĂŒnen die Hand dazu reichen, dann ist das ohne Zweifel auch eine Belastung der Zusammenarbeit hier in Berlin."

Die offenen FĂŒhrungsfragen

Dass die SPD eine offene FĂŒhrungsfrage hat, ist offensichtlich. Nicht nur der Posten von BĂ€rbel Bas in der Doppelspitze soll neu besetzt werden. Klingbeil kĂŒndigte an, die gesamte Parteispitze solle neu gewĂ€hlt werden. Es gilt als wahrscheinlich, dass er selbst nochmal antritt - doch sicher ist es nicht. Wer seinen Hut in den Ring wirft, dĂŒrfte auch das Klima in der Koalition beeinflussen. Abgewunken hat jetzt Pistorius: Er sei als Verteidigungsminister ausgelastet und finde, Klingbeil solle nochmal antreten, sagt er. Mit Manuela Schwesig, der MinisterprĂ€sidentin aus Mecklenburg-Vorpommern, kann Kanzler Merz nicht gut - sie gilt aber als die geeignetste Kandidatin.

In der CDU hat Merz weiter mit einem AutoritĂ€tsverlust zu kĂ€mpfen, der mit seiner verstolperten Personalrochade im Sommer begonnen und mit der Niederlagenserie der CDU bei den Landtagswahlen an Fahrt aufgenommen hat. Die MinisterprĂ€sidenten und Landeschefs haben ihm nur halbherzig den RĂŒcken gestĂ€rkt. Merz steht weiter unter Beobachtung und muss jetzt liefern. Sollte ihm das nicht gelingen, wird die Debatte um einen Kanzlerwechsel zurĂŒckkehren.

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