Mindestens 1.000 Festnahmen nach Protesten in Frankreich
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 08:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer französische Innenminister Laurent Nuñez sprach gestern Abend von fast 1.000 Festnahmen landesweit. Die Zahl werde noch steigen, weil noch Bilanz gezogen werden mĂŒsse. "Zahlreiche PlĂŒnderungen sind verhindert worden", sagte er. Es habe zwar auch wieder SachbeschĂ€digungen und PlĂŒnderungen gegeben. Sie seien aber nicht vergleichbar mit denen der vergangenen Woche.
Die SicherheitskrĂ€fte waren in Alarmbereitschaft, nachdem es am 17. Oktober zu schweren Ausschreitungen am Rande von Demonstrationen gekommen war. 70.000 PolizeikrĂ€fte und Gendarmen sollten nun ĂŒber das Wochenende im Einsatz sein, Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge standen bereit. Ladenbesitzer hatten etwa in Paris Spanplatten vor die Schaufenster montiert, um sie vor BeschĂ€digungen zu schĂŒtzen. In mehreren StĂ€dten gab es Versammlungsverbote fĂŒr bestimmte Zonen sowie Ausgangssperren.
Gestern nahmen nach Angaben des Innenministeriums rund 410.000 Menschen an den landesweiten Protesten teil, davon rund 110.000 in Paris. Der Gewerkschaftsverband CGT meldete laut Medienberichten dagegen rund 800.000 Teilnehmende. Den seit Wochen fĂŒr eine bessere Ausstattung von Schulen demonstrierenden jungen Leuten schlossen sich weitere Gruppen an, um etwa gegen zu hohe Lebenshaltungskosten zu demonstrieren.
Wolken von TrÀnengas in Paris
Innenminister Nuñez sagte, die Demonstrationen seien reibungslos verlaufen. Es hĂ€tten sich aber bei fast jeder Versammlung "Risikogruppen" gebildet, die nach einem recht "klassischen Muster" vorgegangen seien. Sie hĂ€tten sich von den UmzĂŒgen abgesetzt und versucht, Ausschreitungen zu begehen, vor allem durch Angriffe auf SicherheitskrĂ€fte. Schwarz gekleidete, vermummte Personen seien Teil der Gruppen gewesen. Der Minister machte insbesondere die "radikale extreme Linke, die Ultralinke" dafĂŒr verantwortlich.
In Paris verlief der Demonstrationszug, der an den Rand der Stadt verlegt wurde, zunĂ€chst ruhig. Menschen aller Altersgruppen nahmen teil. Am Ende der Demonstration verschĂ€rfte sich die Lage: Bilder zeigten Wolken von TrĂ€nengas und Feuerwerkskörper sowie den Einsatz von Wasserwerfern. In Fernsehaufnahmen waren KnallgerĂ€usche zu hören, eine MĂŒlltonne brannte. Die PolizeiprĂ€fektur von Paris gab auf der Plattform X an, dass Randalierer am Ende des dortigen Demonstrationszuges versucht hĂ€tten, in ein Autohaus einzudringen. Das rasche Eingreifen der OrdnungskrĂ€fte habe dies verhindert.
Verletzte bei heftigen Ausschreitungen
Auch Bilder aus anderen StĂ€dten wie Lyon, Bordeaux und Marseille zeigten TrĂ€nengaswolken und Feuer. Das Innenministerium berichtete von Störungen der öffentlichen Ordnung in mehreren StĂ€dten. In Nantes im Nordwesten Frankreichs seien BeschĂ€digungen und PlĂŒnderungen in einem GeschĂ€ft gemeldet worden, teilte die zustĂ€ndige PrĂ€fektur mit. Die SicherheitskrĂ€fte hĂ€tten sechs Personen festgenommen. Minister Nuñez berichtete von zwei Menschen, die bei heftigen Ausschreitungen in Clermont-Ferrand und in Toulouse im Rahmen von PolizeieinsĂ€tzen schwer verletzt worden seien.
Neue Proteste in der nĂ€chsten Woche angekĂŒndigt
Derweil kĂŒndigte die Gelbwesten-Bewegung bereits neue Demonstrationen fĂŒr kommende Woche an. Am Samstag (31. Oktober) soll es einen "3. Akt" geben, teilten die Organisatoren der vergangenen Veranstaltungen auf ihrer Webseite mit. Sie riefen zu Kundgebungen und Sitzstreiks vor der Nationalversammlung sowie vor sĂ€mtlichen RathĂ€usern Frankreichs auf. Bereits am Freitag soll zudem eine Protestveranstaltung stattfinden, bei der mit KĂŒchenutensilien wie Töpfen und Pfannen LĂ€rm gemacht wird - eine sogenannte Casserolade.
