Russland-Diesel für USA: Trump kündigt Millionen-Tonnen-Deal mit Putin an
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 21:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
US-Präsident Donald Trump hat nach einem Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin Hunderttausende Tonnen Diesel aus Russland für die USA und den Weltmarkt angekündigt.
Mehrere Millionen Tonnen in Aussicht gestellt
Trump teilte auf seiner Plattform Truth Social mit, umgehend sollten mehr als 300.000 Tonnen Diesel bereitgestellt werden. Im Laufe des Novembers solle eine weitere halbe Million Tonnen freigegeben werden, eine Million Tonnen „sofort danach“.
Zusätzlich wolle Russland abhängig vom Zustand seiner Dieselraffinerien innerhalb kurzer Zeit drei Millionen Tonnen liefern. Trump machte zunächst keine näheren Angaben zu den jeweiligen Zeiträumen.
US-Finanzministerium erteilt befristete Genehmigung
Wegen der geltenden Sanktionen gegen Russland stellte das US-Finanzministerium eine temporäre Erlaubnis aus. Sie genehmigt den Verkauf, die Lieferung, das Entladen und den Import von russischem Diesel bis zum 7. April 2027.
In Russland gilt allerdings noch bis Ende Oktober ein Verbot für die Ausfuhr von Diesel. Im vergangenen Jahr produzierte das Land monatlich etwa sieben Millionen Tonnen Diesel; die Kapazitäten haben sich seitdem ungefähr halbiert.
Lieferung deckt US-Verbrauch nur kurz
Die US-Energiebehörde EIA beziffert den durchschnittlichen Verbrauch von Diesel und anderen Destillat-Kraftstoffen in den USA derzeit auf rund 3,77 Millionen Barrel täglich. Das entspricht etwa 500.000 Tonnen. Eine Lieferung von 300.000 Tonnen würde rechnerisch den US-Verbrauch für gut 14 Stunden decken.
Widerspruch zur bisherigen Sanktionspolitik
Trumps Ankündigung sorgt auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil der US-Präsident erst im vergangenen Monat ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz unterzeichnet hatte, das ihm weitreichende Befugnisse für neue Sanktionen gegen Russland gibt.
Das Gesetz zielt unter anderem darauf, russische Öl- und Gasexporte einzudämmen, mit denen Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine finanziert. Die nun angekündigte Dieselregelung weist in die entgegengesetzte Richtung.
Hohe Spritpreise vor den Kongresswahlen
Trump steht in den USA wegen gestiegener Spritpreise unter Druck. Weniger als einen Monat vor den wichtigen Kongresswahlen machten zuletzt auch Republikaner den Iran-Krieg für die hohen Preise verantwortlich.
Trump hatte in den vergangenen Wochen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für eine weltweite Dieselknappheit verantwortlich gemacht und ihn aufgefordert, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Mitte September sagte Trump, Selenskyj müsse aufhören, die Dieselversorgung in Russland lahmzulegen.
Trump erklärte damals, die Engpässe lägen nicht am Nahen Osten, sondern an den Ereignissen in Russland und der Ukraine. In den vergangenen Monaten hatte die Ukraine ihre Angriffe auf Anlagen der russischen Ölindustrie verstärkt; die Folgen sind in Russland spürbar.
Russlands Raffinerien als Engpass
Die angekündigten Mengen stehen im Zusammenhang mit einer angespannten Verarbeitungslage in Russland. Ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien haben in den vergangenen Monaten zeitweise erhebliche Kapazitäten beeinträchtigt; Moskau begrenzte deshalb die Ausfuhr von Benzin und Diesel und rationierte Treibstoff in einzelnen Regionen. Der russische Inlandsbedarf hat damit Vorrang vor zusätzlichen Exporten.
Für die USA wäre eine Lieferung von 300.000 Tonnen kurzfristig relevant, aber kein dauerhafter Ausgleich für den täglichen Verbrauch. Die in Aussicht gestellten späteren Mengen könnten den Markt stärker beeinflussen, hängen jedoch von Raffinerieverfügbarkeit, russischen Exportentscheidungen, Transportwegen und der US-Sanktionsgenehmigung ab. Die zeitlich befristete Erlaubnis schafft dafür einen rechtlichen Rahmen, ersetzt aber keine gesicherte Lieferkette.
Energiepolitik und Ukrainekrieg
Politisch verschiebt der angekündigte Deal die bisherige Sanktionslogik: Washington könnte russischen Diesel vorübergehend zulassen, während zugleich der wirtschaftliche Druck auf Moskau wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine aufrechterhalten wird. Für Trump verbindet sich die außenpolitische Annäherung mit innenpolitischem Preisdruck vor den Kongresswahlen. Für Verbraucher und Unternehmen bleibt entscheidend, ob tatsächlich zusätzliche Mengen den US-Markt erreichen und wie stark sich dadurch Dieselpreise und Versorgungssicherheit verändern.

