Russland-Experten, EU-Sanktionen

Russland-Experten fordern Änderungen an EU-Sanktionen

13.02.2024 - 08:43:25

Russland-Experten fordern ein Umdenken bei den Sanktionen, die von der EuropĂ€ischen Union gegen fĂŒhrende russische GeschĂ€ftsleute verhĂ€ngt wurden.

BrĂŒssel habe die Sanktionierungen nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine "ĂŒberhastet vollzogen, ohne klares VerstĂ€ndnis ihrer langfristigen Wirkungen", sagte der Ökonom und Elitenforscher Andrej Jakowlew dem "Spiegel". Das Sanktionsregime der EU sei ein "besonders ineffektiver und unglĂŒcklicher Mechanismus". Kontosperrungen und Einreiseverbote trĂ€fen viele russische MilliardĂ€re zwar hart.

Gleichzeitig habe die EU es aber versĂ€umt, den Oligarchen mögliche Exit-Optionen aufzuzeigen. Klare Bedingungen, bei deren ErfĂŒllung eine Aufhebung der Sanktionen winke, wĂŒrden helfen, einen Keil zwischen Russlands Wirtschaftselite und den Kreml zu treiben. Bislang hĂ€tten die Sanktionen eher das Gegenteil bewirkt: Weil ihre Investitionen im Westen eingefroren wurden, engagieren sich viele MilliardĂ€re wieder stĂ€rker in Russland. Russland könne wegen seines Status als Atommacht wohl niemals so niedergerungen werden wie etwa Nazideutschland 1945, so Jakowlew. Europa und die USA benötigten deshalb alternative Konzepte fĂŒr einen politischen Wandel in Russland. "Dabei könnten Eliten eine Rolle spielen, die heute noch mit Sanktionen belegt sind", sagte Jakowlew. Auslöser der Debatte ist unter anderem die fortgesetzte Sanktionierung des russischen GeschĂ€ftsmanns Arkadi Wolosch. Wolosch ist GrĂŒnder der russischen Suchmaschine Yandex. Der MilliardĂ€r hatte den Überfall auf die Ukraine im vergangenen Sommer als "barbarisch" verurteilt und arbeitet bereits seit LĂ€ngerem am Verkauf seines Russland-GeschĂ€fts. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete ihn daraufhin als "VerrĂ€ter". Dennoch hat die EU die Sanktionen gegen den Yandex-GrĂŒnder Wolosch verlĂ€ngert. Die EU bewege sich in diesem Fall "auf ganz dĂŒnnem Eis", sagte Gerhard Mangott, Russland-Experte von der UniversitĂ€t Innsbruck. "Es ist nicht nachvollziehbar, was man Wolosch vorwirft." Der schwedische Ökonom und Russland-Experte Anders Aslund sieht das Ă€hnlich: Die BegrĂŒndung der EU-Sanktionen gegen Wolosch sei "dĂŒrftig und dubios". BrĂŒssel stĂŒtzt sich bei den Strafmaßnahmen gegen den Yandex-GrĂŒnder unter anderem auf Aslunds Oligarchen-Buch "Russia`s Crony Capitalism". Wolosch taucht darin allerdings als Positivbeispiel auf. Aslund hat deshalb einen Protestbrief an den EuropĂ€ischen Rat geschickt. Darin fordert er die Aufhebung der Sanktionen gegen Wolosch.

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