ROUNDUP, Russland

Russland attackiert Kiew mit Drohnen und Raketen - Verletzte

04.07.2025 - 06:50:03

Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew mit Dutzenden Kampfdrohnen angegriffen.

Bei dem Angriff wurden mindestens 14 Menschen verletzt, teilten BĂŒrgermeister Vitali Klitschko und die MilitĂ€rverwaltung bei Telegram mit.

"Nach vorlÀufigen Informationen haben wir mehrere BrÀnde im Stadtbezirk Solomjanka", schrieb MilitÀrverwaltungschef Tymur Tkatschenko bei Telegram. Es handele sich bei allen BrÀnden um WohnhÀuser. Auch in anderen Stadtteilen seien durch Drohnen verursachte SchÀden festgestellt worden. Flugabwehrfeuer war stundenlang im Stadtgebiet zu hören.

Der ukrainischen Luftwaffe zufolge setzte das russische MilitĂ€r auch mindestens eine Hyperschallrakete Kinschal (Dolch) ein. In mehreren Wellen wurden zudem ballistische Raketen und Marschflugkörper auf Ziele in Kiew und im Umland abgefeuert. Laut unbestĂ€tigten Angaben war ein Hauptziel der MilitĂ€rflugplatz Wassylkiw sĂŒdlich der Dreimillionenstadt.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als drei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg und drĂ€ngt seine westlichen VerbĂŒndeten immer wieder zu einer StĂ€rkung der Flugabwehr.

Vor dem Hintergrund eines Teilstopps US-amerikanischer Waffenlieferungen forderte der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj unterdessen die EU zur StĂ€rkung ihrer eigenen RĂŒstungsindustrie auf. "Wir mĂŒssen Europas eigene Verteidigungsindustrie aufbauen, damit Russland uns in keinem Bereich ĂŒberlegen sein kann", sagte der Staatschef bei einem Besuch im dĂ€nischen Aarhus. Selenskyj setzt nach eigenen Angaben trotz des vorlĂ€ufigen Lieferstopps weiter auf die UnterstĂŒtzung der USA und sucht das GesprĂ€ch mit US-PrĂ€sident Donald Trump

Opfer in Ukraine und Russland

Im ostukrainischen Gebiet Donezk waren zuvor am Donnerstag mindestens fĂŒnf Menschen durch russische Angriffe getötet worden. Weitere zwölf wurden verletzt, teilte der MilitĂ€rgouverneur des Gebiets, Wadym Filaschkin, bei Telegram mit. Zwei MĂ€nner seien dabei in der frontnahen Stadt Pokrowsk getötet worden, drei weitere in den Dörfern Bilyzke und Illiniwka.

Ebenfalls im Osten der Ukraine wurde im Gebiet Charkiw ein Ehepaar bei einem Drohnenangriff verletzt. Der 56 Jahre alte Mann und seine 51 Jahre alte Frau seien mit dem Auto im Bezirk Kupjansk unterwegs gewesen, als eine Drohne ihr Fahrzeug traf, berichtete die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform unter Berufung auf die regionale Staatsanwaltschaft.

Im sĂŒdrussischen Gebiet Rostow wurde unterdessen eine Seniorin bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. Der Luftangriff sei zwar abgewehrt worden, es sei aber ein Mehrfamilienhaus im Dorf Dolotinka beschĂ€digt worden, teilte Gouverneur Juri Sljusar bei Telegram mit. Die Frau sei von einer eingestĂŒrzten Bodenplatte getötet worden. Die Angaben beider Seiten ließen sich nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen.

Selenskyj: Waffen und Russland-Sanktionen entscheidend

Waffenlieferungen fĂŒr die Ukraine sowie neue scharfe Sanktionen gegen Russland seien entscheidend fĂŒr die Sicherheit Europas, sagte Selenskyj bei einem Abendessen anlĂ€sslich der Übernahme des EU-Ratsvorsitzes durch DĂ€nemark in Aarhus. Die Sanktionen seien so zu gestalten, dass Moskau nichts mehr erhalte, was fĂŒr die Waffenherstellung verwendet werden kann.

Trotz beispielloser Sanktionen setzt Russland seinen Krieg gegen das Nachbarland mit unverĂ€nderter HĂ€rte fort und kontrolliert einschließlich der bereits 2014 annektierten Halbinsel Krim fast ein FĂŒnftel des ukrainischen Staatsgebiets. Mit einem möglichen RĂŒckzug der USA aus der UnterstĂŒtzung der Ukraine droht Kiew der Hauptwaffenlieferant verloren zu gehen.

US-Medien hatten in der Nacht zum Mittwoch von einem amerikanischen Lieferstopp bestimmter Raketen und Munition an die Ukraine berichtet- obwohl diese schon zugesagt waren. Das ukrainischeVerteidigungsministerium teilte daraufhin mit, dass es offiziell nicht ĂŒber eine "Einstellung oder Revision der LieferplĂ€ne fĂŒr die vereinbarte MilitĂ€rhilfe" informiert worden sei. Man habe ein TelefongesprĂ€ch mit den US-Kollegen fĂŒr eine zusĂ€tzliche KlĂ€rung der Details angefragt.

DĂ€nemark: Europa muss US-LĂŒcken bei Ukraine-Hilfen fĂŒllen

Ein möglicher US-Waffenlieferstopp muss aus auch Sicht des neuen EU-Ratsvorsitzenden DĂ€nemark von den europĂ€ischen Staaten aufgefangen werden. NatĂŒrlich wĂ€re es ein großer RĂŒckschlag fĂŒr die Ukraine, Europa und die Nato, wenn die USA sich dazu entschieden, der Ukraine nicht das zu liefern, was sie brauche, sagte die dĂ€nische MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen auf einer Pressekonferenz mit EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen in Aarhus. Man werde sich die in Washington getĂ€tigten Entscheidungen anschauen, und wenn daraus LĂŒcken entstĂŒnden, dann mĂŒssten diese gefĂŒllt werden, sagte Frederiksen. "Wir als EuropĂ€er mĂŒssen liefern, was auf dem Schlachtfeld benötigt wird."

Selenskyj sucht das GesprÀch mit Trump

Der ukrainische Staatschef setzt darauf, zeitnah mit US-PrĂ€sident Trump ĂŒber den Waffenlieferstopp fĂŒr sein Land sprechen zu können. Er hoffe, vielleicht schon am Freitag oder in den kommenden Tagen mit Trump ĂŒber die US-UnterstĂŒtzung reden zu können, sagte Selenskyj in Aarhus. "ZunĂ€chst einmal: Wir setzen auf die Fortsetzung der amerikanischen UnterstĂŒtzung", betonte er. Manches könnten die europĂ€ischen Staaten nicht liefern, etwa Raketen fĂŒr die so wichtigen Patriot-Flugabwehrsysteme.

Putin fordert Diplomatie und beharrt auf seinen Forderungen

Trump sprach unterdessen mit dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin ĂŒber ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs. Nach Angaben aus dem Kreml forderte Putin bei dem Telefonat grundsĂ€tzlich eine diplomatische Lösung von Konflikten. "Er hat die Bereitschaft der russischen Seite zur Fortsetzung des Verhandlungsprozesses (mit der Ukraine) erklĂ€rt", teilte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow nach Abschluss des knapp einstĂŒndigen GesprĂ€chs mit. Moskau werde dabei aber nicht von seinen Zielen zur Beseitigung der Ursache des Konflikts abrĂŒcken.

Russland hatte den Krieg gegen die Ukraine mit der BegrĂŒndung begonnen, dass ein Nato-Beitritt der Ukraine die eigene nationale Sicherheit gefĂ€hrde und dass Moskau die russischsprachige Minderheit im Nachbarland schĂŒtzen mĂŒsse. Zudem stellt Russland inzwischen AnsprĂŒche auf mehrere Gebiete in der Ost- und SĂŒdukraine.

US-PrĂ€sident Trump Ă€ußerte sich auf Nachfrage von Journalisten nur vage zu dem Telefonat mit Putin. Man habe unter anderem ĂŒber den Iran und den Krieg in der Ukraine gesprochen. Er sei "nicht glĂŒcklich", sagte Trump. Es habe keinen Fortschritt gegeben.

@ dpa.de