ROUNDUP, Putin

Putin offen fĂŒr GesprĂ€ch mit Merz - Warnung an Deutschland

19.06.2025 - 06:35:17 | dpa.de

Russlands PrÀsident Wladimir Putin hat sich zu einem GesprÀch mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) bereiterklÀrt - wenn dieser den Kontakt zu ihm suchen sollte.

"Wir sind immer dafĂŒr offen", antwortete Putin in St. Petersburg auf eine Frage der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig warnte der Kremlchef vor einem "sehr schweren Schaden" fĂŒr die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland, falls die Bundesregierung den Marschflugkörper Taurus an die Ukraine liefern sollte.

Wie jedes Jahr beim St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) traf sich Putin mit Vertretern internationaler Nachrichtenagenturen, darunter der dpa. Auch bei dieser Fragerunde - nach Angaben der staatlichen Agentur Tass war es die neunte dieser Art - Ă€ußerte er sich wieder zu einer Vielzahl von Themen. Ein Überblick:

Deutschland I: Erste Äußerung zu Merz

Putin Ă€ußerte sich erstmals öffentlich ĂŒber Merz, seit dieser im Mai zum Kanzler gewĂ€hlt worden ist. Merz hatte seit seinem Amtsantritt bisher keinen Kontakt zu Putin, forderte den Kremlchef aber wiederholt in Reden und auch bei einem Besuch in Kiew zu einer Waffenruhe im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine auf - ohne Erfolg. Dem CDU-Vorsitzenden wird in Moskau vorgehalten, er sei auf Konfrontation mit Russland aus. Die deutsch-russischen Beziehungen sind auf einem Tiefpunkt.

Putin wollte auch nichts von Deutschland als Vermittler im Ukraine-Krieg wissen. Aus russischer Sicht sei die Bundesrepublik nicht neutral. Deutschland stehe auf der Seite der Ukraine, liefere Panzer und sei so an den Kampfhandlungen beteiligt, argumentierte Putin. "Nicht nur in der Ukraine, auch in Kursk - auf russischem Gebiet - war deutsche Technik im Einsatz."

Deutschland II: Warnung vor Taurus-Lieferung an Ukraine

Angesprochen auf den Marschflugkörper Taurus warnte Putin vor einer Kriegsbeteiligung Deutschlands, falls die Bundesregierung den Ukrainern einen Einsatz der Waffe ermöglichen sollte. "Nur deutsche Offiziere können den Taurus lenken. Was heißt das? Dass Soldaten der Bundeswehr mit deutschen Waffen SchlĂ€ge gegen Territorium Russlands fĂŒhren." Allerdings zĂ€hlt der Taurus auch in den Armeen Schwedens und Spaniens zum Arsenal, ohne dass deutsche Soldaten beteiligt wĂ€ren.

Auf den Kriegsverlauf selbst hĂ€tten die Marschflugkörper nach Putins Worten keinen Einfluss, weil die russische Armee auf der gesamten Frontlinie die Initiative habe. "Die russischen Truppen haben strategische Vorteile in allen Richtungen. Unsere StreitkrĂ€fte greifen auf der gesamten Front an." TatsĂ€chlich rĂŒcken die russischen Truppen in der Ostukraine vor, kleine GelĂ€ndegewinne werden aber oft mit hohen Verlusten erkauft.

Ukraine I: Bedingungen fĂŒr Treffen mit Selenskyj

Erneut stellte Putin Bedingungen fĂŒr ein Treffen mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj, die fĂŒr Kiew nicht zu erfĂŒllen sind. "Ich bin bereit, mich mit allen zu treffen - einschließlich Selenskyj", sagte der Kremlchef. Die Frage fĂŒr Russland sei, wer eine Friedensvereinbarung unterschreibe - womit er zu verstehen gab, dass Selenskyj abgesetzt werden mĂŒsse.

Putin zog zum wiederholten Male in Zweifel, dass der ukrainische PrĂ€sident dazu berechtigt sei, ein Friedensabkommen zu unterzeichnen, weil seine fĂŒnfjĂ€hrige Amtszeit 2024 abgelaufen sei. Die ukrainische FĂŒhrung hat klargestellt, dass wegen des Kriegsrechts keine Wahlen abgehalten werden dĂŒrfen und Selenskyj weiter alle Machtbefugnisse hat. Umgekehrt wird Putin vorgeworfen, die politische Opposition im Lande mithilfe seines autoritĂ€ren Machtapparats mundtot gemacht zu haben.

Ukraine II: NÀchste GesprÀchsrunde nach dem 22. Juni

Die in diesem Jahr zweimal in Istanbul unter Vermittlung der tĂŒrkischen Regierung gefĂŒhrten GesprĂ€che sollten nach dem 22. Juni fortgesetzt werden, kĂŒndigte Putin an. In humanitĂ€rem Fragen hĂ€tten die Treffen Ergebnisse gebracht, darunter den Austausch von Gefangenen und toten Soldaten.

Gereizt reagierte der Kremlchef auf die Frage, wie seine FĂŒhrung die israelischen Luftangriffe auf iranische StĂ€dte verurteilen könne, wĂ€hrend Russlands MilitĂ€r selbst viele Menschen bei Luftangriffen auf die Ukraine töte. "Wenn ihre Journalisten gesehen hĂ€tten, wie unsere Raketen angeblich ganze Wohnviertel zerstören, hĂ€tten sie kaum davon erzĂ€hlen können. Sie hĂ€tten es nicht ĂŒberlebt." Russland greife nur militĂ€rische Ziele und RĂŒstungsfabriken an, behauptete Putin.

DemgegenĂŒber stehen die verheerenden SchĂ€den an der zivilen Infrastruktur in der Ukraine und die hohe Zahl getöteter Zivilisten in bald dreieinhalb Kriegsjahren. Erst in der Nacht auf Dienstag wurden wieder mindestens 28 Zivilisten bei einem russischen Luftangriff auf Kiew getötet, darunter allein 23 Bewohner und Bewohnerinnen eines Hochhauses.

Nato: Russland nicht bange vor RĂŒstungswettlauf

Russland ist nach Putins Worten nicht bange vor einem RĂŒstungswettlauf mit der Nato. Moskau vervollkommne seine StreitkrĂ€fte. "Was immer die Nato unternimmt, das schafft natĂŒrlich gewisse Bedrohungen, doch wir stutzen die Bedrohungen zurĂŒck, die entstehen werden."

Die geplante Erhöhung der Verteidigungsausgaben in den Nato-Staaten auf fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sei sinnlos, weil Russland schon fĂŒr seine Sicherheit sorgen werde. Putin nannte es eine LĂŒge, dass Russland sich darauf vorbereite, Nato-Staaten anzugreifen. Nachrichtendienste und Fachpolitiker warnen dagegen immer wieder, dass die EroberungsplĂ€ne des Kremls ĂŒber die Ukraine hinaus reichten und Russland bis 2029 zu einem Angriff auf Nato-Gebiet fĂ€hig sein werde.

Iran: Moskau könnte friedliche Atomkraft-Nutzung sichern

Russland biete sich ferner an, die friedliche Nutzung von Atomkraft durch den Iran zu sichern, sagte Putin. So solle Israel die Furcht vor einer nuklearen Bewaffnung des Erzfeinds genommen werden. Diesen "möglichen Ausweg" habe er Israel und den USA vorgeschlagen, die Entscheidung liege aber bei den Regierungen in Jerusalem und Teheran. Einen Sturz der iranischen FĂŒhrung wegen der israelischen Luftangriffe erwartet Putin nach eigenen Worten nicht. "Die Gesellschaft schart sich doch um die politische FĂŒhrung."

Familie: Putin hat eine Enkelin

Der Kremlchef spricht selten ĂŒber seine Familie. Deshalb war es fĂŒr die russischen Medien eine wichtige Nachricht, dass Putin erstmals eine Enkelin erwĂ€hnte. "Als ich darĂŒber sprach, dass einige mir nahestehende Menschen, Verwandte, Chinesisch lernen, sprach ich von meiner Enkelin, die eine Erzieherin aus Peking hat und mit ihr fließend auf Chinesisch spricht", sagte er. Dass Putin zweifacher Großvater ist, hat er bereits frĂŒher erwĂ€hnt, ohne jedoch Namen, Alter oder Geschlecht der Enkelkinder zu nennen.

Die Fragerunde mit den Nachrichtenagenturen am ersten Tag des Wirtschaftsforums ging diesmal im sanierten Konservatorium von St. Petersburg ĂŒber die BĂŒhne. Russland nutzt das Forum, um sich der Welt zu prĂ€sentieren und der vom Westen angestrebten internationalen Isolation zu trotzen. Bis Samstag werden 20.000 Teilnehmer aus 140 LĂ€ndern erwartet.

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