Satellitenproduktion in Berlin: Planet Labs startet Bau noch in diesem Herbst
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 06:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas US-Unternehmen Planet Labs will von diesem Herbst an mit dem Bau von Satelliten in Deutschland beginnen.
Erster vollwertiger Standort auĂerhalb der USA
Die gesamte Fertigung und Erprobung solle in Berlin stattfinden, sagte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Unternehmens in Deutschland, Martin Polak, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die neue ProduktionsstĂ€tte sei der erste vollwertige Fertigungsstandort von Planet Labs neben San Francisco in den USA.
Der erste in Berlin gebaute Satellit solle vor Ende des Jahres fertig sein. Die Anlage könne auf eine KapazitÀt von bis zu 60 Satelliten pro Jahr ausgebaut werden.
Investition im zweistelligen Millionenbereich
Zum genauen Umfang der Investition machte das Unternehmen keine Angaben. Es hieĂ jedoch, man erwarte, dass ein achtstelliger Betrag ĂŒberschritten werde.
In der Berliner Niederlassung arbeiten nach Unternehmensangaben derzeit knapp 150 Menschen. Diese Zahl solle um weitere 70 BeschÀftigte wachsen.
Satellitendaten auch fĂŒr militĂ€rische Zwecke
Satelliten liefern Daten zum Wetter, zum Klimawandel und zu militÀrischen Anlagen. Teils handelt es sich um kritische Informationen; im Ukraine-Krieg spielen Satellitendaten eine wichtige Rolle.
Die sogenannten Pelican-Satelliten, die in Berlin gebaut werden sollen, liefern laut Planet Labs hochauflösende Bilder fĂŒr die Erdbeobachtung.
Unternehmen verweist auf europÀische Strukturen
Auf Fragen nach einem möglichen Einfluss der US-Regierung und amerikanischer Behörden auf sensible Daten reagierte Planet Labs beschwichtigend. âSeit ĂŒber zehn Jahren betreuen wir ohne Schwierigkeiten Regierungskunden in ganz Europaâ, sagte Polak.
Das Unternehmen wolle AbhĂ€ngigkeiten dort verringern, wo sie fĂŒr europĂ€ische Kunden besonders wichtig seien, und deren operative WiderstandsfĂ€higkeit sowie Kontrolle in Europa stĂ€rken. Dazu gehörten neben der Satellitenfertigung in Berlin der Missionsbetrieb von Deutschland aus, europĂ€ische Bodenstationen und die Speicherung von Daten in europĂ€ischer Cloud-Infrastruktur.
Detailfragen zu einem möglichen Zugriff oder Einfluss von US-Behörden beantwortete Polak nicht.
Satelliten als strategische Infrastruktur
Mit dem Berliner Standort verschiebt Planet Labs einen Teil seiner Wertschöpfung nach Europa. Die geplante Fertigung und Erprobung in Deutschland soll nicht nur ProduktionskapazitĂ€ten schaffen, sondern auch die NĂ€he zu europĂ€ischen Kunden verbessern. Bis zu 60 Satelliten jĂ€hrlich wĂ€ren fĂŒr den Berliner Standort eine erhebliche industrielle GröĂenordnung.
Bedeutung fĂŒr Behörden und Unternehmen
Erdbeobachtungsdaten werden fĂŒr Wetterbeobachtung, Klimaanalyse, Katastrophenschutz, Landwirtschaft und Infrastrukturplanung genutzt. Hochauflösende Bilder können zugleich sicherheitsrelevante Informationen liefern, etwa ĂŒber militĂ€rische Anlagen oder VerĂ€nderungen in Krisengebieten. Damit wĂ€chst die Bedeutung verlĂ€sslicher ZugĂ€nge zu Satelliten, Bodenstationen und Datenplattformen.
EuropÀische Kontrolle bleibt entscheidend
Die Berliner Fertigung ist ein Schritt zu mehr europĂ€ischer PrĂ€senz, beseitigt aber nicht automatisch alle AbhĂ€ngigkeiten. Planet Labs hat seinen Hauptsitz weiterhin in den USA; Fragen zu möglichem Zugriff oder Einfluss amerikanischer Behörden betreffen daher neben dem Produktionsort auch Unternehmensrecht, Missionsbetrieb, Cloud-Infrastruktur und Datenverwaltung. FĂŒr europĂ€ische Regierungs- und Sicherheitskunden wird entscheidend sein, wie klar ZustĂ€ndigkeiten, Speicherorte und Zugriffsrechte vertraglich und technisch geregelt sind.
