Wenn der Supermarktkunde Kasse macht
09.11.2023 - 05:04:02 | dpa.de
Verbraucherinnen und Verbraucher ĂŒbernehmen im Einzelhandel heute schon hĂ€ufig die Arbeit der Kassierer. Produkte scannen, selbststĂ€ndiges Bezahlen - fĂŒr viele Kunden ist das vielerorts lĂ€ngst Alltag. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Handelsforschungsinstituts EHI, die der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt.
Der Analyse zufolge können Kunden deutschlandweit schon in mehr als 5000 GeschĂ€ften entsprechende Angebote nutzen, vor zwei Jahren lag die Zahl noch bei 2310. Die Tendenz ist deutlich steigend. «In zehn Jahren wird etwa jeder dritte Supermarkt ĂŒber Selbstbedienungskassen verfĂŒgen», prognostiziert EHI-Experte Frank Horst. Ein Ăberblick ĂŒber die wichtigsten Ergebnisse der Studie:
Zwei Self-Service-Varianten sind weit verbreitet
Vor allem zwei Systeme haben sich etabliert: Mithilfe von Selbstbedienungskassen, auch Self-Checkout-Kassen genannt, können Kunden ihre EinkĂ€ufe ĂŒber den Scanner ziehen und bezahlen, ganz ohne Personal. Daneben gibt es die Variante des mobilen Self-Scanning.
Nach der Anmeldung können Verbraucher schon wÀhrend ihrer Runde durch den Supermarkt die Produkte scannen - mit speziell ausgestatteten Einkaufswagen, Handscanner oder per App auf dem Smartphone («Scan & Go»). Das spart Zeit, denn das Auspacken und erneute Registrieren der Waren an der Kasse entfÀllt. Self-Checkout ist deutlich weiter verbreitet als Self-Scanning, viele GeschÀfte bieten nur eines der beiden Systeme an, einige auch beide.
Selbstbedienungskassen im Kommen
Vor allem die stationÀren Self-Checkout-Angebote haben laut EHI in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Der Einzelhandel kommt demnach aktuell auf rund 16.000 SB-Kassen (2021: 7240) in insgesamt 4270 GeschÀften (2021: 1687). In SupermÀrkten, wo die Technik besonders hÀufig eingesetzt wird, gibt es 9600 der modernen Kassen, die sich auf 2600 MÀrkte verteilen.
Das sind durchschnittlich 3,7 SB-Kassen pro Filiale. Der Marktanteil liegt damit bei etwa 7,5 Prozent. Am hÀufigsten zu finden sind SB-Kassen bei Rewe und Edeka, wo jeweils mehr als 750 MÀrkte entsprechend ausgestattet sind. Die Technik kommt aber lÀngst nicht nur in SupermÀrkten zum Einsatz, sondern unter anderem auch bei Bauhaus, Rossmann, Decathlon und Ikea.
Barzahlungsangebote nehmen ab
Als die SB-Kassen eingefĂŒhrt wurden, war die Möglichkeit der Barzahlung an den Terminals noch weit verbreitet. Im Jahr 2021 konnten Kunden noch in 76 Prozent der SupermĂ€rkte mit SB-Kassen an diesen ihren Einkauf bar bezahlen, aktuell ist das nur noch in 44 Prozent der Filialen möglich. Immer mehr Unternehmen verzichten bei der Einrichtung neuer Systeme auf den Einsatz von Barzahlungsmodulen. Einige HĂ€ndler setzen weiter darauf, weil dies von Kunden explizit gewĂŒnscht wird.
Das sind die Vor- und Nachteile
Weniger Platzbedarf, kĂŒrzere Wartezeit: Diese VorzĂŒge von SB-Kassen werden von Unternehmen besonders hĂ€ufig genannt. Als die ersten Selbstbedienungskassen vor Jahren eröffnet wurden, gab es auch kritische Reaktionen. Wozu braucht es in Zukunft ĂŒberhaupt noch Kassierer? Heute hat sich die Sicht verĂ€ndert. Wie viele Branchen hat auch der Einzelhandel mit erheblichen Personalproblemen zu kĂ€mpfen. «Unser Bedarf nach Personal fĂŒr unsere MĂ€rkte steigt jĂ€hrlich, wĂ€hrend es immer weniger Bewerbungen auf die Stellen im Verkauf gibt», sagt ein Rewe-Sprecher.
Die SB-Kassen sorgten fĂŒr Entlastung und FlexibilitĂ€t bei der Personalplanung. Frank Horst, der Autor der EHI-Studie, sieht darin «einen Haupttreiber fĂŒr die Verbreitung der Systeme». Die Kundenakzeptanz sei deutlich gestiegen. SB-Kassen haben aber auch einen Nachteil. So steige mit der zunehmenden Verbreitung und Nutzung auch das Diebstahlrisiko, heiĂt es in der EHI-Studie. Die Unternehmen zwinge das zu technischen NachrĂŒstungen im Kassenbereich - wie Ausgangsschleusen, KameraĂŒberwachung und Gewichtskontrollen durch Waagen.
Prognose
Die Zahl der GeschĂ€fte mit Self-Service-Angeboten dĂŒrfte in Zukunft noch deutlich steigen. In vielen Rewe-MĂ€rkten bezahlt nach Angaben des Unternehmens heute bereits jeder Zweite seinen Einkauf an einer Selbstbedienungskasse. Bei Umbauten oder Neueröffnungen von Filialen sind Selbstbedienungskassen lĂ€ngst Standard. Bei den Discountern ist noch mit erheblichem Wachstum zu rechnen.
Aldi SĂŒd hatte bereits Anfang des Jahres angekĂŒndigt, vor allem in groĂen StĂ€dten stĂ€rker auf SB-Kassen setzen zu wollen. Auch Aldi Nord und Lidl testen entsprechende Systeme. Werden konventionelle Kassen in absehbarer Zeit ganz verschwinden? Frank Horst vom EHI erwartet das nicht. Ein Teil der Menschen lehne SB-Kassen immer noch ab und die HĂ€ndler wollten keine Kunden verlieren.
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