Schaeffler streicht 3460 Stellen und schließt vier Werke
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 08:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWSStandorte und Einsparziel im Programm
- Schaeffler plant die Schließung des Werks Dortmund mit 430 Beschäftigten.
- In Morbach arbeiten aktuell 160 Menschen am betroffenen Standort.
- Das Unternehmen erwartet ab 2030 eine jährliche Ergebnisverbesserung von 300 Millionen Euro.
Schaeffler baut in Europa 3460 Stellen ab
Schaeffler will in Europa weitere 3460 Stellen abbauen, davon 2660 in Deutschland, und vier deutsche Standorte schließen. Betroffen sind unter anderem Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach.
Vier deutsche Werke vor dem Aus
In Dortmund sollen 430 Beschäftigte betroffen sein, in Morbach 160. In Berlin will Schaeffler die Aktivitäten mit etwa 270 Beschäftigten einstellen.
Auch der Standort Schwalbach soll aufgegeben werden. Ein Großteil der rund 385 Beschäftigten soll nach Frankfurt wechseln; insgesamt sind dort rund 190 Stellen vom Abbau betroffen.
Weitere Anpassungen in Bayern
Im Werkzeugbau am Standort Höchstadt sollen die Aktivitäten eingestellt werden. Im Sondermaschinenbau in Erlangen und Schweinfurt sind Anpassungen vorgesehen.
Zusätzliche Kapazitäts- und Strukturanpassungen plant Schaeffler unter anderem in Herzogenaurach, Bühl, Höchstadt, Nürnberg und Regensburg. Insgesamt sollen 16 Standorte in Europa betroffen sein.
IG Metall kritisiert erneuten Sparkurs
Die IG Metall und der Konzernbetriebsrat kritisierten das Programm scharf. Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Schaeffler, sagte: „Bei Schaeffler folge inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind“.
Höhn bezeichnete die Maßnahmen als „kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland“. Bereits 2024 und 2025 hatte Schaeffler die Streichung mehrerer tausend Arbeitsplätze beschlossen.
300 Millionen Euro mehr Ergebnis ab 2030
Nach dem Abschluss der im November 2024 angekündigten Strukturmaßnahmen und 1800 Altersteilzeitverträgen Anfang Oktober beschloss der Vorstand ein weiteres Ergebnisverbesserungsprogramm. Damit sollen Überkapazitäten abgebaut, Entwicklungskapazitäten angepasst, Personalkosten gesenkt und die Organisation vereinfacht werden.
Rund 50 Prozent des Stellenabbaus entfallen auf die Produktion, 30 Prozent auf Forschung und Entwicklung und 20 Prozent auf weitere Funktionsbereiche. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld veranschlagt für das Programm Einmalkosten von rund 480 Millionen Euro; ab 2030 soll es das jährliche Ergebnis um 300 Millionen Euro verbessern.
Schaeffler steht mit dem neuen Programm in einer europäischen Autoindustrie, die seit Jahren mit schwacher Nachfrage, hohen Kosten und dem beschleunigten Wandel zur Elektromobilität ringt. Für Zulieferer verändert sich dadurch nicht nur die Zahl der benötigten Arbeitskräfte: Auch Entwicklungsaufgaben, Produktionsnetzwerke und die Auslastung einzelner Werke geraten unter Druck.
Der angekündigte Abbau verteilt sich auf mehrere Tätigkeitsfelder. Dass etwa die Hälfte der Stellen in der Produktion, 30 Prozent in Forschung und Entwicklung und 20 Prozent in weiteren Funktionen entfallen sollen, zeigt, dass Schaeffler nicht nur einzelne Werke anpassen, sondern die gesamte Kosten- und Organisationsstruktur verändern will. Für die betroffenen Regionen bedeutet die Schließung eines Standorts zusätzliche Belastungen für Beschäftigte, Zulieferer und kommunale Wirtschaft.
Folgen für Beschäftigte und Standorte
Besonders konkret ist die Perspektive in Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach. In Schwalbach soll ein Teil der Beschäftigten nach Frankfurt wechseln; zugleich sind dort rund 190 Stellen vom Abbau betroffen. An anderen Standorten stehen Anpassungen in Werkzeugbau und Sondermaschinenbau im Raum.
Das Programm soll ab 2030 jährlich 300 Millionen Euro zum Ergebnis beitragen, verursacht zunächst aber Einmalkosten von rund 480 Millionen Euro. Für die Beschäftigten folgen nun Verhandlungen über Umsetzung, Zeitplan und soziale Abfederung. Der Konflikt zwischen Kostendruck und dem Erhalt industrieller Strukturen dürfte damit in den betroffenen Regionen weiter an Schärfe gewinnen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Autozulieferer Schaeffler streicht fast 3500 Stellen“ (03.11.2026)
Der Beitrag berichtet über den Abbau von fast 3500 Stellen beim Autozulieferer. Damit bestätigt er den Umfang des angekündigten Sparprogramms; weitergehende Details zu den einzelnen deutschen Standorten stehen dort nicht im Mittelpunkt.
Übergreifend besteht damit Einigkeit über die Größenordnung des Stellenabbaus. Der n-tv-Beitrag setzt den Schwerpunkt auf die Gesamtzahl, während die vorliegende Meldung die regionalen Standortfolgen und die Verteilung auf Unternehmensbereiche herausarbeitet.
