Schatten-KI, Büro

Schatten-KI im Büro: 47,8% Beschäftigte nutzen nicht freigegebene Tools

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

44 Prozent der deutschen Führungskräfte befürworten KI bei Personalentscheidungen. Die Expleo-Studie zeigt eine hohe Akzeptanz bei administrativen Aufgaben, aber Zurückhaltung bei strategischen Weichenstellungen.

KI-Akzeptanz in deutschen Führungsetagen: Expleo-Studie zeigt wachsende Zustimmung
Ein professioneller Mitarbeiter arbeitet konzentriert an einem Laptop in einem modernen, lichtdurchfluteten Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Expleo AI Pulse Studie belegt wachsende Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz in der Führungsebene

Die Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz (KI) in deutschen Unternehmen erreicht zunehmend sensible Bereiche der Unternehmensführung. Laut der heute veröffentlichten Expleo AI Pulse Studie befürworten bereits 44 % der deutschen Führungskräfte den Einsatz von KI-Systemen für Personalentscheidungen. Fast ebenso viele, nämlich 43 %, akzeptieren die Technologie für strategische Weichenstellungen innerhalb ihrer Organisationen.

Die im Juli 2026 durchgeführte Befragung unter 800 Führungskräften in Deutschland, Irland, Großbritannien und Frankreich zeigt ein deutliches Gefälle zwischen administrativen und entscheidungsrelevanten Aufgaben.

Während die Zustimmung für KI bei Personal- und Strategieentscheidungen noch unter der 50-Prozent-Marke liegt, herrscht bei unterstützenden Prozessen eine breite Akzeptanz. So befürworten 71 % der Befragten den Einsatz von KI für die Erstellung von Dokumenten und Notizen.

68 % der Führungskräfte akzeptieren die Technologie für die Kalenderverwaltung, während 65 % sie zur Priorisierung von Aufgaben heranziehen würden. Weitere Einsatzgebiete umfassen administrative Maßnahmen (57 %), regelbasierte Entscheidungen (55 %) sowie Finanz- und Budgetvorgänge (44 %).

Das KI-Stimmungsbarometer der Studie weist für Deutschland einen Wert von 65 Punkten aus, womit die Bundesrepublik leicht über dem europäischen Durchschnitt von 64 Punkten liegt. Insgesamt bewerten 69 % der Teilnehmer die Technologie positiv, und 73 % äußerten sich überzeugt von deren Potenzial.

Implementierung im Personalwesen schreitet voran

Parallel zur Expleo-Studie verdeutlichen aktuelle Daten des Branchenverbandes Bitkom den praktischen Einzug von KI in die Personalabteilungen. Eine in den Kalenderwochen 18 bis 25 des Jahres 2026 durchgeführte Umfrage unter 602 Unternehmen ergab, dass bereits 14 % der Betriebe KI für die Erstellung von Arbeitszeugnissen nutzen. Mehr als die Hälfte (52 %) kann sich diesen Schritt künftig vorstellen, was eine Steigerung gegenüber dem Wert von 45 % aus dem Jahr 2024 darstellt.

Weitere Anwendungsfelder im HR-Bereich sind laut Bitkom die betriebliche Weiterbildung (16 %), das Onboarding neuer Mitarbeiter (14 %) sowie die Bearbeitung von Personalanfragen (13 %). Auch bei der Analyse der Arbeitsbelastung (13 %) und der Leistungsbewertung (12 %) wird die Technologie bereits eingesetzt.

Trotz dieser Entwicklung gibt es klare Grenzen: Eine Umfrage von Aidp Lombardia und DGS unter HR-Managern zeigt, dass 83 % den Einsatz von KI im Konfliktmanagement explizit ausschließen.

Strategische Relevanz trifft auf operative Hürden

Eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unter 480 Entscheidern unterstreicht die strategische Bedeutung der Technologie. Demnach bewerten 97 % der Unternehmen KI als relevant – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 56 % im Jahr 2024. Zudem verfügen inzwischen 98 % der Unternehmen über eine KI-Strategie.

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Dennoch zeigt sich eine Lücke bei der Umsetzung: Lediglich 39 % der Unternehmen steuern ihre KI-Aktivitäten aktiv durch das Top-Management, und weniger als 1 % haben die Technologie bereits unternehmensweit etabliert.

Die wirtschaftlichen Erwartungen bleiben dennoch hoch. 71 % der von KPMG befragten Entscheider gaben an, dass ihre KI-Investitionen die Erwartungen bisher übertroffen haben.

In der Praxis berichten Unternehmen wie IKEA bereits von konkreten Erfolgen: Durch die Übernahme von 50 % des Kundensupports durch KI konnten Mitarbeiter zu Innenarchitekten umgeschult werden, was zu einer Umsatzsteigerung von 1,3 Milliarden US-Dollar pro Jahr beigetragen habe.

Risiken durch Schatten-KI und mangelnde Kontrolle

Trotz des Optimismus warnen Experten vor unkontrollierten Entwicklungen. Eine Befragung von ESCRIBA unter Büroangestellten im August 2026 ergab, dass 47,8 % der Beschäftigten nicht freigegebene KI-Tools nutzen. Dabei wurden in 42,7 % der Fälle interne E-Mails und in 15,7 % der Fälle strategische Informationen in diese Systeme eingegeben.

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Zudem verdeutlicht ein Vorfall beim Unternehmen Andon Labs in San Francisco die ethischen Herausforderungen: Dort entließ ein KI-Manager namens Luna einen Mitarbeiter automatisiert nach 17 Verspätungen. Experten fordern angesichts solcher Fälle verstärkt menschliche Aufsicht und klare Kontrollmechanismen, um die Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen sicherzustellen.

Auch die Arbeitnehmervertretungen fordern mehr Mitsprache; laut der Arbeitskammer Saarland bewertet mehr als die Hälfte der Betriebsräte ihre Einbindung in personelle und strategische KI-Entscheidungen derzeit als unzureichend.

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