Schienenfernverkehr: Italo bedroht 16 Bahnhöfe ab 2028
15.06.2026 - 09:24:13 | boerse-global.de
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat vor weitreichenden Einschnitten im deutschen Schienenfernverkehr gewarnt. Grund ist der fĂĽr 2028 geplante Markteintritt des italienischen Anbieters Italo auf zentralen Schnellfahrstrecken.
Laut einer Gewerkschaftsanalyse könnten bundesweit 16 Bahnhöfe ihre Fernverkehrsanbindung verlieren. Betroffen wären unter anderem Aachen und Münster in Nordrhein-Westfalen.
Wettbewerb auf den Top-Strecken
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Italo will ab 2028 auf den hochfrequentierten Achsen München–Frankfurt–Köln–Dortmund sowie München–Berlin–Hamburg fahren. EVG-Chef Burkert spricht von Rosinenpickerei: Der Konkurrent konzentriere sich auf die profitabelsten Strecken und setze die Bahn damit unter Druck, weniger rentable Verbindungen einzustellen.
Die Gewerkschaft befürchtet den Verlust von 16 Standorten. DB-Vorstand Peterson nannte sogar bis zu 120 potenziell betroffene Bahnhöfe. Bahnchefin Palla fordert angepasste politische Rahmenbedingungen. Die Trassenvergabe liegt bei der Bundesnetzagentur, ab 2031 greifen EU-Vorgaben für langfristige Verträge.
Was droht Aachen und MĂĽnster?
In NRW stehen laut Analyse besonders Aachen mit 16 täglichen ICE-Verbindungen und Münster mit 40 IC- und ICE-Halten auf der Kippe. Fachleute sehen die Warnung jedoch differenziert.
Für Aachen seien laut WDR-Experten nur die drei täglichen Direktverbindungen nach Berlin bedroht. Die internationalen Linien nach Paris und Brüssel blieben unberührt. In Münster betreffe die mögliche Streichung vorrangig die Intercity-Verbindung Richtung Norddeich Mole.
Weitere gefährdete Städte: Augsburg, Freiburg, Osnabrück, Saarbrücken sowie Magdeburg, Rostock und Schwerin. Die saarländische Wirtschaftsministerin Berg fordert vom Bund finanzielle Sicherung der Bahnanbindung.
Brand legt Hauptstrecke lahm
Parallel zu den Debatten sorgte ein technischer Defekt für operative Probleme. In Bönen (Kreis Unna) brannte eine Windkraftanlage in rund 95 Metern Höhe. Feuerwehrleute konnten den Brand in der Gondel nicht direkt bekämpfen, Sicherheitsbereiche mussten weiträumig abgesperrt werden.
Die Hauptstrecke zwischen Hamm und Dortmund war stundenlang gesperrt. Verletzte gab es nicht, die Brandursache blieb unklar.
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Ruf nach politischer Steuerung
Die EVG fordert stärkere Subventionierung des Schienenverkehrs. Ohne staatliche Unterstützung für defizitäre Strecken sei die Mobilitätswende gefährdet. Branchenbeobachter verweisen dagegen auf Erfahrungen mit anderen Privatanbietern: Deren Markteintritt habe bisher nicht zu einem flächendeckenden Rückzug der Bahn geführt.
Eine endgültige Klärung wird erst mit den Trassenverhandlungen für das Ende des Jahrzehnts erwartet.
