Kunden, Milliardenschaden

Kunden klauen mehr - Milliardenschaden durch Ladendiebstahl

24.06.2025 - 03:05:38

Schnaps, Rasierklingen, ParfĂŒm: Diese Produkte sind bei Ladendieben begehrt. Die Verluste der HĂ€ndler sind erneut gestiegen - schon im dritten Jahr infolge. Die TĂ€ter kommen oft ungestraft davon.

  • SupermĂ€rkte, Drogerien und andere GeschĂ€fte beklagen pro Jahr einen hohen Schaden durch Diebstahl - von Kunden, BeschĂ€ftigten, Lieferanten und ServicekrĂ€ften. (gestellte Szene) - Foto: Oliver Berg/dpa

    Oliver Berg/dpa

  • An Selbstbedienungskassen wird weit hĂ€ufiger geklaut. (Symbolbild) - Foto: Leonie Asendorpf/dpa

    Leonie Asendorpf/dpa

SupermÀrkte, Drogerien und andere GeschÀfte beklagen pro Jahr einen hohen Schaden durch Diebstahl - von Kunden, BeschÀftigten, Lieferanten und ServicekrÀften. (gestellte Szene) - Foto: Oliver Berg/dpaAn Selbstbedienungskassen wird weit hÀufiger geklaut. (Symbolbild) - Foto: Leonie Asendorpf/dpa

Ladendiebstahl in Deutschland hat einer Studie des Forschungsinstituts EHI zufolge erneut zugenommen. Im Jahr 2024 haben Kunden Waren im Wert von rund 2,95 Milliarden Euro gestohlen. Das waren 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gesamtschaden steigt damit das dritte Mal infolge und erreicht einen Höchststand. Der Anstieg fÀllt jedoch geringer aus als 2023, als ein Plus von 15 Prozent verzeichnet wurde. 

«Es gibt immer mehr Leute, die sich bestimmte Produkte nicht mehr leisten können oder wollen - auch aus Protest gegen die Preise», sagt EHI-Experte und -Studienautor Frank Horst. «Immer hÀufiger klauen auch Senioren und Familien.»

FĂŒr die Studie befragte das EHI 98 Unternehmen mit insgesamt 17.433 GeschĂ€ften zu ihren Inventurdifferenzen. Beteiligt waren alle wichtigen Einzelhandelsbranchen. Die Firmen schĂ€tzen, wie sich die Verluste auf Kunden, Mitarbeiter und andere Verursacher verteilen. 

In Drogerien wird mehr entwendet

Die Verluste im Einzelhandel insgesamt summieren sich auf 4,95 Milliarden Euro – drei Prozent mehr als 2023. Mehr als die HĂ€lfte verursacht die Kundschaft, rund 890 Millionen Euro entfallen auf Mitarbeiter. Der restliche Schaden entsteht durch Lieferanten, ServicekrĂ€fte oder organisatorische Fehler wie falsche Preisauszeichnungen. Rund ein Drittel des Kundendiebstahls ist gewerbsmĂ€ĂŸig organisiert – verĂŒbt von beauftragten EinzeltĂ€tern oder Banden.

Beliebt bei Dieben sind vor allem alkoholische GetrĂ€nke, Markenkleidung, Sneakers, ElektrogerĂ€te sowie Tabakwaren. StĂ€rker betroffen sind Drogerien. «Dort gibt es viele kleine teure Produkte, die gern geklaut werden: ParfĂŒms, Kosmetik, Babynahrung oder Rasierklingen», sagt Horst. 

Einen Grund fĂŒr die starke Zunahme seit 2022 sehen Experten darin, dass verstĂ€rkt Selbstbedienungskassen genutzt werden. Fast die HĂ€lfte der HĂ€ndler, die sie verwenden, berichten ĂŒber mehr Schwund. «An SB-Kassen wird deutlich mehr geklaut», sagt Horst, teils auch unbeabsichtigt durch Bedienfehler.

WÀhrend die Schadenssumme steigt, sinkt laut polizeilicher Kriminalstatistik die Zahl der angezeigten FÀlle. Sie bildet allerdings nur einen kleinen Teil der RealitÀt ab, denn es gibt eine hohe Dunkelziffer. 98 Prozent der FÀlle bleiben laut EHI unentdeckt. Rechnerisch entspricht dies pro Jahr etwa 24,5 Millionen LadendiebstÀhlen durch Kunden im Wert von je 120 Euro. 

Viele Verfahren werden eingestellt

Drei von vier HĂ€ndlern erwarten laut EHI-Umfrage, dass der Kundendiebstahl weiter zunimmt. Personalmangel und lange Öffnungszeiten erschweren die Überwachung, wie Studienautor Horst sagt. Immer seltener werden Taten demnach entdeckt oder angezeigt – auch weil sich der Aufwand oft nicht lohnt. Viele Verfahren werden wegen GeringfĂŒgigkeit eingestellt.

Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Handelsverbandes Deutschland, Stefan Genth, kritisiert: «Viele HĂ€ndler sind frustriert, weil Anzeigen selten zu einer Verurteilung und Sanktionierung der TĂ€ter fĂŒhren.» Er fordert ein hĂ€rteres Durchgreifen der Politik.

Laut EHI nimmt die Gewaltbereitschaft durch Ladendiebe zu. Mitarbeiter wĂŒrden hĂ€ufiger angegriffen. Jedes vierte Unternehmen hat die Ausgaben fĂŒr Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Rund 1,6 Milliarden Euro gaben die HĂ€ndler im Jahr 2024 fĂŒr PrĂ€vention aus, vor allem fĂŒr Schulungen des Personals. «Wir setzen auf geschulte Mitarbeitende und Technik wie Videosysteme und Warensicherungen», sagt Markus Trojansky, dm-GeschĂ€ftsfĂŒhrer fĂŒr Expansion.

@ dpa.de