Schuldenbremse: FĂŒnf NordlĂ€nder fordern höhere Kreditgrenze von 1 Prozent
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deAuf der fĂŒnften Nord-Finanzministerkonferenz in Bremen haben sich die Finanzressorts von Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen fĂŒr eine Lockerung der Schuldenbremse ausgesprochen.
Die fĂŒnf BundeslĂ€nder fordern, den verfassungsrechtlichen Spielraum fĂŒr eine Neuverschuldung von 0,7 auf 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auszuweiten. Zudem verlangen sie ĂŒberjĂ€hrige Notkredite in Krisenlagen, die ĂŒber ein einzelnes Haushaltsjahr hinaus eingesetzt werden können.
Druck auf Bundesreform und Investitionsbedarfe
Die Konferenzteilnehmer pochen auf eine Weiterentwicklung der Schuldenbremse mit AugenmaĂ, um zusĂ€tzliche SpielrĂ€ume fĂŒr öffentliche Investitionen bei gleichzeitig tragfĂ€higen Finanzen zu sichern. Bremens Finanzsenator Björn Fecker betonte, dass die Zeit drĂ€nge und Investitionen auch nach dem Auslaufen von Sondervermögen des Bundes möglich bleiben mĂŒssten.
Niedersachsens Finanzminister Gerald Heere kritisierte das Ausbleiben eines Bundesergebnisses und wies darauf hin, dass die Reformbestrebungen bislang nicht vorangekommen seien. Der Abschlussbericht der zustÀndigen Reformkommission des Bundes zur Schuldenbremse steht weiterhin aus.
WĂ€hrend im Deutschen Bundestag Uneinigkeit ĂŒber Ănderungen an den Kreditgrenzen und Mechanismen zur Finanzierung von Bahn, BrĂŒcken und Schulen herrscht, hĂ€lt das Bundesfinanzministerium an den verfassungsrechtlichen Obergrenzen als Grundpfeiler fest.
Analysen von Goldman Sachs verweisen zudem auf fiskalische Risiken: Eine Lockerung der Schuldenbremse könnte Deutschland lĂ€ngerfristig hohe Defizite bringen. Die Investmentbank prognostiziert fĂŒr 2028 ein gesamtstaatliches Defizit von 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und danach ĂŒber 4 Prozent.
Ohne das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur und Klima lĂ€ge der Wert bei lediglich 1 bis 2 Prozent. Laut Eurostat belĂ€uft sich die aktuelle Schuldenquote auf 63,4 Prozent, wĂ€hrend Goldman Sachs bis 2040 einen Anstieg auf rund 85 Prozent erwartet.
Die Finanzressorts der fĂŒnf NordlĂ€nder fordern eine Reform der Erbschaftsteuer mit eingeschrĂ€nkten Verschonungsregeln fĂŒr groĂe Betriebsvermögen â eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts steht noch aus. Wer Betriebsvermögen hĂ€lt, sollte die geplanten Ănderungen frĂŒhzeitig einordnen. Kostenlosen Steuer-Report anfordern
PlĂ€ne fĂŒr Erbschaftsteuer, Krypto-Gewinne und Kassenpflicht
Neben den Schuldenregeln verlangen die NordlĂ€nder eine Reform der Erbschaftsteuer zur StĂ€rkung der Steuergerechtigkeit. Verschonungsregelungen fĂŒr groĂe Betriebsvermögen sollen eingeschrĂ€nkt werden. Finanzsenator Fecker bezeichnete die Situation, in der sehr hohe Vermögen nahezu steuerfrei ĂŒbertragen werden können, wĂ€hrend kleinere Erbschaften Abgaben unterliegen, als unhaltbaren Zustand.
So lieĂen sich gegenwĂ€rtig 300 Wohnungen ohne Erbschaftsteuer vererben. Niedersachsens Finanzminister Heere forderte, Steuerprivilegien groĂer Unternehmensvermögen zu vereinheitlichen und zu beschrĂ€nken, wĂ€hrend Schleswig-Holsteins Finanzministerin Silke Schneider auf das SchlieĂen von Schlupflöchern und gestĂ€rkte Einnahmen pochte.
Einen von Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder vorgeschlagenen Weg einer Regionalisierung der Erbschaftsteuer lehnen die fĂŒnf BundeslĂ€nder ab, um einen Unterbietungswettbewerb zu vermeiden. Eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in dieser Frage steht noch aus.
ZusĂ€tzlich sprachen sich die NordlĂ€nder fĂŒr eine ausnahmslose Besteuerung von Krypto-Gewinnen unabhĂ€ngig von der Haltedauer aus. Diese ErtrĂ€ge, die bislang nach mehr als einem Jahr steuerfrei bleiben, sollen mindestens in Höhe der 25-prozentigen Kapitalertragsteuer erfasst werden.
Krypto-Gewinne sollen nach dem Willen der NordlĂ€nder kĂŒnftig unabhĂ€ngig von der Haltedauer besteuert werden, mindestens in Höhe der 25-prozentigen Kapitalertragsteuer. Wer bislang auf die Jahresfrist gesetzt hat, findet in diesem Report eine klare Einordnung der geplanten Regelung. Checkliste Krypto-Besteuerung jetzt sichern
Ebenso unterstĂŒtzen die Ressorts die geplante Registrierkassenpflicht und Vorgaben fĂŒr digitale Bezahlmöglichkeiten, fordern aber zugleich eine Verschlankung der Finanzbehörden.
Der Bund plant die EinfĂŒhrung einer E-Kassen-Pflicht fĂŒr Betriebe ab einem Jahresumsatz von mehr als 100.000 Euro zum 1. Januar 2028, was WirtschaftsverbĂ€nde wegen der Kosten und der Umsatzschwelle kritisieren. Die NordlĂ€nder drĂ€ngen hierbei auf eine rasche ĂberprĂŒfung der Grenze und ein zĂŒgiges Vorgehen des Bundes.
