Konjunktur, Politik/Regierungen

HINTERGRUND: Erster Lockdown vor fĂŒnf Jahren - was bleibt?

12.03.2025 - 09:35:02

Schulen und Kitas zu, Restaurants und GeschĂ€fte dicht, Theater, Friseure und SportplĂ€tze auch: Vor fĂŒnf Jahren wurde das Alltagsleben in ganz Deutschland im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus in beispielloser Weise heruntergefahren.

Mit BeschlĂŒssen am 16. und 22. MĂ€rz 2020 verhĂ€ngten Bund und LĂ€nder einen ersten "Lockdown", um Ansteckungen auf breiter Front und entscheidend zu unterbinden. SpĂ€ter in der Pandemie folgten noch weitere solcher Phasen fĂŒr mehrere Wochen. FĂŒr Diskussionen sorgt das bis heute.

Wie genau kam es zum ersten Lockdown?

Um die erste Infektionswelle zu brechen, waren regional schon Schutzauflagen in Kraft und die meisten Schulen geschlossen. Am 16. MĂ€rz vereinbarten die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die MinisterprĂ€sidentinnen und MinisterprĂ€sidenten "Leitlinien zum einheitlichen Vorgehen" - mit Schließungen von Einrichtungen, Abstandsregeln und ReisebeschrĂ€nkungen. Eine Runde am 22. MĂ€rz verschĂ€rfte die Maßnahmen noch. FĂŒr Restaurants galt damit nicht mehr, spĂ€testens ab 18.00 Uhr zu schließen, sondern: "Gastronomiebetriebe werden geschlossen", ausgenommen nur Speisen zum Abholen und Ausliefern.

Warum hieß es Lockdown?

Der Begriff "Lockdown" war in der FrĂŒhphase der Pandemie noch nicht in aller Munde, er setzte sich erst nach und nach durch. Im engeren Sinne bedeutet er "Ausgangssperre" oder "Abriegelung", wurde dann aber zum Schlagwort fĂŒr das breit angelegte Stilllegen des öffentlichen Lebens. Merkel nutzte das Wort nicht, als sie in einer ungewöhnlichen Fernsehansprache am 18. MĂ€rz 2020 um Akzeptanz fĂŒr die einschneidenden BeschrĂ€nkungen warb. "Es geht darum, das Virus auf seinem Weg durch Deutschland zu verlangsamen", sagte Merkel und gab die eindringliche Mahnung aus: "Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst."

Wie hat der Lockdown gewirkt?

Es dauerte bis Anfang Mai 2020, bis die Vorgaben wieder gelockert wurden. So durften alle GeschĂ€fte öffnen, aber mit Maskenpflicht und Kunden-Limits. "Wir können uns ein StĂŒck Mut leisten, aber wir mĂŒssen vorsichtig bleiben", sagte Merkel. Den generellen Corona-Kurs rechtfertigte sie auch rĂŒckblickend. Die Alternative wĂ€re gewesen, alle Menschen in kurzer Zeit der Erkrankung auszusetzen und zuzusehen, wie das Gesundheitssystem kollabierte, schrieb Merkel in ihren Erinnerungen. "Dabei hĂ€tten wir den Tod vieler, besonders der Alten und Vorerkrankten, riskiert, wenn nicht billigend in Kauf genommen."

Was gehört noch zur Lockdown-Bilanz?

Das große Ziel lautete, das Gesundheitswesen vor Überlastung zu bewahren und Risikogruppen zu schĂŒtzen. Die Einschnitte in die persönliche Freiheit und das Wirtschaftsleben waren aber drastisch. Um Folgen fĂŒr diverse Branchen abzufedern, legte der Bund riesige Milliarden-Hilfsprogramme auf. Vor allem die Folgen fĂŒr Kinder, die nicht in Schulen und Kitas konnten, waren hart. Auch der damalige CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn nannte es rĂŒckblickend als ein VersĂ€umnis, "dass wir es nicht geschafft haben, die Kinder und Jugendlichen so vor den Folgen dieser Pandemie zu schĂŒtzen, wie wir es hĂ€tten tun sollen".

Kommt noch eine grĂ¶ĂŸere Aufarbeitung?

Um die ganze Palette der Corona-Schutzmaßnahmen auch mit Impfungen und Masken entbrannten erbitterte Auseinandersetzungen - und die GrĂ€ben sind bis heute tief. Im Bundestag kam eine Aufarbeitung des Krisenmanagements in der abgelaufenen Wahlperiode nicht zustande. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der das Ende der Pandemie in Deutschland regelte, sprach sich schon fĂŒr einen neuen Anlauf jetzt nach der Wahl aus: "Wir mĂŒssen wieder die Gesellschaft zusammenfĂŒhren." Auch BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier mahnt das an und lĂ€dt an diesem Freitag zu einer Diskussionsrunde.

Was ist an Krisen-Instrumenten geblieben?

Nach fast drei Jahren endeten die letzten bundesweiten Schutzvorgaben am Ostermontag 2023. Im Infektionsschutzgesetz, das in der Pandemie immer wieder geĂ€ndert wurde, sind die Corona-Bestimmungen außer Kraft getreten. Es gibt aber eine "Generalklausel", auf der die LĂ€nder bei Gesundheitskrisen Schutzmaßnahmen stĂŒtzen könnten, wie das Bundesgesundheitsministerium erlĂ€uterte. Im Gesetz steht auch weiter die Möglichkeit, dass der Bundestag wie bei Corona eine "epidemische Lage von nationaler Tragweite" feststellt. Dann könnte der Bund einfacher Maßnahmen etwa zur Arzneiversorgung ergreifen.

Was lÀuft noch weiter?

Im zentralen Lager des Bundes gibt es laut Gesundheitsministerium derzeit noch sieben Millionen Impfdosen. Nachgekauft wird in nationaler Regie nicht mehr. Es bestehen aber noch Abnahmeverpflichtungen fĂŒr Lieferungen von Biontech US09075V1026 und Novavax US6700024010 wegen der Beteiligung an einer Beschaffungsinitiative der EU-Kommission. Der Bund will den Impfstoff beider Firmen noch bis mindestens 2026 kostenlos bereitstellen. Bis Ende 2028 aufbewahrt werden mĂŒssen Unterlagen von Corona-Teststellen. Das soll gewĂ€hrleisten, weiterhin FĂ€lle von Abrechnungsbetrug zu ahnden. Dem Bund drohen auch noch Risiken aus schwelenden StreitfĂ€llen um Maskenlieferungen zu Sonderkonditionen.

@ dpa.de | US09075V1026 KONJUNKTUR