ROUNDUP, Zollstreit

Zollstreit bremst Aufschwung in Deutschland

06.06.2025 - 12:00:18

Schwache Exporte, sinkende Industrieproduktion: Der eskalierende Zollstreit mit den USA hat der Exportnation Deutschland den Start ins zweite Quartal verhagelt.

Die Aussichten bleiben trĂŒb - auch die Bundesbank senkte ihre Konjunkturprognose und erwartet fĂŒr Europas grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft 2025 das dritte Jahr ohne Wachstum in Folge. Mancher Ökonom sieht aber auch positive Signale fĂŒr eine bevorstehende Trendwende.

Im April gab es fĂŒr Deutschlands Exporteure vor allem im GeschĂ€ft mit dem wichtigsten Handelspartner USA einen deutlichen DĂ€mpfer, wie aus vorlĂ€ufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht: Zwar gingen auch in dem Monat, in dem US-PrĂ€sident Donald Trump sein Zollpaket verkĂŒndete, die meisten deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten. Mit 13 Milliarden Euro sanken sie allerdings auf den niedrigsten Wert seit vergangenen Oktober. Zum April 2024 gab es kalender- und saisonbereinigt einen RĂŒckgang um 6,3 Prozent.

Exporteure dringen auf Verhandlungslösung mit den USA

"Jetzt sind die Auswirkungen der US-amerikanischen Handelspolitik bei uns angekommen. Die Exporte in die USA brechen ein", bilanzierte der PrĂ€sident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura. "Die EU muss unbedingt in konstruktiven GesprĂ€chen zu Lösungen mit unserem wichtigsten Handelspartner kommen. Ohne die USA geht es nicht."

Erst vor wenigen Tagen hatte Washington die Tonlage wieder verschĂ€rft: Trump verfĂŒgte eine Verdopplung der Zölle auf die Einfuhr von Stahl und Aluminium in die USA von 25 auf 50 Prozent.

Exporte gehen zurĂŒck

Insgesamt lieferten deutsche Unternehmen im April Waren im Wert von 131,1 Milliarden Euro ins Ausland und damit 1,7 Prozent weniger als im MĂ€rz und 2,1 Prozent weniger als im April 2024. Die Einfuhren nach Deutschland beliefen sich auf 116,5 Milliarden Euro - ein Plus von 3,9 Prozent zum Vormonat und 3,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Im ersten Quartal waren die deutschen Exporte noch gestiegen: GeschĂ€fte waren wegen der absehbaren schĂ€rferen US-Zollpolitik vorgezogen worden. Somit ergab sich nach Berechnungen der Wiesbadener Statistiker fĂŒr Januar bis einschließlich April ein leichtes Plus bei den Ausfuhren von 0,2 Prozent.

US-Zölle belasten Industrieproduktion

Zudem ist die Produktion in der deutschen Industrie im April nach einem starken MÀrz wieder gesunken, um 1,4 Prozent zum Vormonat. Der Zuwachs im MÀrz war mit 2,3 Prozent zudem schwÀcher als zunÀchst berechnet.

Die RĂŒckgĂ€nge bei Exporten und Produktion seien kein Grund zu ĂŒbertriebener Sorge, meint Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung: "In der Summe deuten die Indikatoren darauf hin, dass sich die Lage in der Industrie stabilisiert und wir in der NĂ€he eines Wendepunktes zum Besseren sein könnten."

Auch die Commerzbank sieht bessere Zeiten fĂŒr die deutsche Wirtschaft kommen. Analyst Ralph Solveen verweist auf höhere Auftragszahlen und auf den Anstieg des Ifo-GeschĂ€ftsklimas: "Darum gehen wir davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Quartalen wieder zulegen wird, auch wenn die höheren US-Zölle und die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft einen krĂ€ftigen Aufschwung verhindern werden."

Bundesbank: Erholung verzögert sich

Im ersten Quartal hatte die Angst vor höheren Zöllen die deutsche Wirtschaft angekurbelt: Mit 0,4 Prozent zum Vorquartal fiel das Wachstum doppelt so stark aus wie zunÀchst vom Statistischen Bundesamt geschÀtzt. Dennoch werde der erhoffte Aufschwung 2025 ausbleiben, prognostiziert die Bundesbank.

"Die neuen US-Zölle und die Unsicherheit ĂŒber die kĂŒnftige US-Politik dĂ€mpfen zunĂ€chst das Wirtschaftswachstum", erlĂ€utert BundesbankprĂ€sident Joachim Nagel. "Das trifft die deutsche Industrie zu einem Zeitpunkt, zu dem sie sich nach langer SchwĂ€chephase zu stabilisieren begann."

Schwere Zeiten fĂŒr Deutschlands Exporteure

Insbesondere Deutschlands Exporteure mĂŒssen sich auf schwierige Zeiten einstellen: Die Bundesbank rechnet wegen der US-Handelspolitik mit einem deutlichen RĂŒckgang der Ausfuhren im laufenden Jahr und kaum Besserung 2026.

Dass der Euro wegen der sprunghaften US-Politik gegenĂŒber dem Dollar deutlich aufwertete, verschlechtert zudem die WettbewerbsfĂ€higkeit der deutschen Exportwirtschaft: Das Erstarken der GemeinschaftswĂ€hrung verteuert Produkte von Firmen aus dem Euroraum auf den WeltmĂ€rkten tendenziell - und das in Zeiten wachsender Konkurrenz aus China.

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier bekrĂ€ftigt: "Deutsche Unternehmen im Ausland sehen sich in nahezu allen Weltregionen verschlechterten Rahmenbedingungen und wachsender Unsicherheit gegenĂŒber."

Milliardenpakete als Konjunkturtreiber

Somit verschiebt sich die Erholung der deutschen Wirtschaft auf die nĂ€chsten Jahre, wenn staatliche Milliardeninvestitionen in Verteidigung und Infrastruktur fĂŒr einen Schub sorgen dĂŒrften. FĂŒr 2026 erwartet die Bundesbank ein Plus von 0,7 Prozent beim realen Bruttoinlandsprodukt (BIP), 2027 dann 1,2 Prozent. GrĂ¶ĂŸter Unsicherheitsfaktor bleibt der Zickzack-Kurs von US-PrĂ€sident Trump.

@ dpa.de