Wie viel ist mein Unternehmen wert? Experte verrĂ€t, wie man einen realistischen Preis fĂŒr seine Firma findet
03.01.2024 - 10:51:42 | presseportal.de
Bei der Unternehmensbewertung geht es dabei nicht nur um Zahlen, sondern um eine realistische EinschĂ€tzung der Marktstellung, des Potenzials und der Risiken. Ein realistischer Verkaufspreis reflektiert nicht nur den finanziellen Wert, sondern berĂŒcksichtigt auch die Zukunftsaussichten und die StĂ€rken des Unternehmens. Wie man einen realistischen Preis fĂŒr seine Firma findet, wird im folgenden Artikel beleuchtet.
Erfolgreicher Unternehmensverkauf erfordert emotionale Distanz
Die Unternehmensbewertung hat einen nachhaltigen Einfluss auf den Erfolg der BemĂŒhungen um einen KĂ€ufer und sollte daher nie aus einer sentimentalen Perspektive heraus erfolgen. Setzt der EigentĂŒmer den Verkaufspreis zu hoch an, schreckt er damit potenzielle KĂ€ufer ab - diese haben schlieĂlich keine emotionale Bindung zur Firma und damit auch kein VerstĂ€ndnis fĂŒr ihren ideellen Wert. Sie schĂ€tzen den Wert eines Unternehmens daher in der Regel niedriger ein als jemand, der viele Jahre damit verbracht hat, es aufzubauen.
ZunĂ€chst gilt es daher, einen objektiven Blickwinkel zu gewinnen, der sich danach richtet, wie das GeschĂ€ftsmodell des Unternehmens aufgebaut ist und welche Werte dazugehören. So muss ein Dienstleistungsunternehmen unter UmstĂ€nden anders bewertet werden als ein Produktions- oder Handelsunternehmen, wĂ€hrend auch Betriebsvermögen wie Immobilien und Kapitalanlagen in die Bewertung einflieĂen muss. GrundsĂ€tzlich kommen dafĂŒr drei verschiedene Bewertungsverfahren infrage:
1. Substanzwertverfahren
Bei hohem Anlagevermögen bietet sich besonders das sogenannte Substanzwertverfahren als Bewertungsgrundlage an. Besitzt das Unternehmen in groĂem MaĂe Immobilien, GrundstĂŒcke und Maschinen oder einen groĂen Fuhrpark, muss der Wert dieser VermögensgegenstĂ€nde ermittelt werden.
Dabei reicht es jedoch nicht aus, den Kaufpreis als Berechnungsgrundlage heranzuziehen. Vielmehr muss der aktuelle Wert möglichst genau festgestellt werden. Beispielsweise verlieren Fahrzeuge jĂ€hrlich mehrere Prozent ihres ursprĂŒnglichen Werts, wĂ€hrend Immobilien und GrundstĂŒcke in der Regel mehr wert sind als zum Zeitpunkt des Kaufs.
2. Kapitalwertorientiertes Verfahren
Gleichzeitig stellt der Unternehmenskauf fĂŒr den KĂ€ufer eine Investition dar - er kauft ein Unternehmen also, um selbst Gewinn damit zu erzielen. Dies ist ihm jedoch nur möglich, wenn das Unternehmen mehr Umsatz generiert, als es finanzielle Mittel verschlingt.
Darstellen lĂ€sst sich dies im kapitalwertorientierten Bewertungsverfahren in Form verschiedener Kennzahlen wie der Eigenkapitalrendite. Auf deren Basis kann errechnet werden, welcher Return on Investment potenziell möglich ist, um darauf basierend eine realistische Preisspanne zu finden und gegenĂŒber dem KĂ€ufer zu begrĂŒnden.
3. Marktwertorientiertes Verfahren
Das bei Weitem hÀufigste Verfahren zur Wertermittlung besteht darin, den Unternehmenswert im Vergleich mit anderen Unternehmen desselben Markts zu betrachten. Dazu wird ein branchenabhÀngiger Multiplikator auf eine Gewinnkennzahl des Unternehmens angewandt, um dessen Wert festzustellen. In der Regel wird dabei das EBIT oder EBITDA des Unternehmens als Berechnungsgrundlage verwendet.
So ist beispielsweise im Handwerk aktuell ein Multiplikator von vier bis sechs zur Preisberechnung ĂŒblich. Wird dieser auf einen Gewinn von einer Million Euro pro Jahr angewandt, ergibt sich ein Unternehmenswert zwischen vier und sechs Millionen Euro - ein realistischer Preis fĂŒr den Verkauf wĂŒrde also in diesen Bereich fallen.
Nur wer genau rechnet, kann gut verhandeln und verkaufen
Je nach Branche und Ausrichtung des Unternehmens bestehen somit verschiedene Möglichkeiten, zu einer möglichst genauen Bewertung zu gelangen. Die konkrete Vorgehensweise ist dabei sowohl davon abhĂ€ngig, welche Vermögenswerte ein Unternehmen besitzt, als auch vom erzielten Gewinn. Die gĂ€ngigste und genaueste Variante der Wertermittlung besteht deshalb darin, eine Linearkombination der unterschiedlichen Verfahren anzuwenden. In der Praxis werden daher zum Beispiel auch im marktwertorientierten Verfahren Informationen zum Betriebsvermögen und dem Gewinnpotenzial berĂŒcksichtigt, die den effektiven Unternehmenswert beeinflussen.
Zuletzt gelten auch abseits der Preisberechnung mehrere Leitlinien, die es beim Unternehmensverkauf zu beachten gilt. So ist der Wert das Ergebnis einer Berechnung - der Preis hingegen ergibt sich aus der Verhandlung mit dem KĂ€ufer. Zwar wird jedes Angebot auch auf Basis des Werts begrĂŒndet, jedoch mĂŒssen unter UmstĂ€nden zusĂ€tzliche Faktoren wie Lage, Wachstumschancen und Risiken in Betracht gezogen werden, um zielfĂŒhrend zu verhandeln.
Ăber Fabian Zamzau und Michael Polit:
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