Schwarzarbeit: Zoll findet bei 87,5% MĂ€ngel auf Baustellen
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 00:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Kontrollen im Baugewerbe und neue Berichte zur Plattformökonomie zeigen strukturelle Probleme bei der Einhaltung von Arbeitsstandards.
Kontrollwoche offenbart massive MĂ€ngel
Ende Juni fĂŒhrte der Zoll in Nordrhein-Westfalen groĂflĂ€chige ĂberprĂŒfungen durch. Vom 22. bis 26. Juni kontrollierten EinsatzkrĂ€fte rund 100 Baustellen und mehr als 380 Arbeitgeber. Dabei wurden ĂŒber 1.000 BeschĂ€ftigte ĂŒberprĂŒft.
Das Ergebnis ist alarmierend: Bei 87,5 Prozent der kontrollierten Betriebe gab es MĂ€ngel. Insgesamt dokumentierten die Beamten 798 Beanstandungen. Daraus resultierten 77 Strafverfahren und 154 Ordnungswidrigkeitsverfahren. Hinzu kommen 120 VerstöĂe gegen die Handwerksordnung. Eine Baustelle musste komplett stillgelegt werden. Mehr als 300 weitere PrĂŒfungen sind bereits eingeleitet.
ErgÀnzend dazu durchsuchte der Zoll am 9. Juli den Hamburger Stadtteil Billbrook. Neben 56 kontrollierten Fahrzeugen laufen Ermittlungen gegen zwei Betriebe wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit. Drei Strafverfahren wegen UrkundenfÀlschung wurden ebenfalls eingeleitet.
PrekÀre ZustÀnde beim Glasfaserausbau
Der schnelle Ausbau der digitalen Infrastruktur gerĂ€t zunehmend ins Visier der Arbeitsschutzbehörden. In Mörsbach hĂ€uften sich Ende Juni VorwĂŒrfe gegen die âUnsere GrĂŒne Glasfaserâ (UGG). Anwohner berichteten von 12-Stunden-Schichten bei 40 Grad Celsius â ohne ausreichend GetrĂ€nke oder SchutzausrĂŒstung.
Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) SĂŒd bestĂ€tigte die Beschwerden. Die Berufsgenossenschaft Bau stellte vor Ort MĂ€ngel fest, die nach offiziellen Angaben behoben wurden. Parallel prĂŒft der Zoll seit Ende Juni den Verdacht auf Schwarzarbeit bei den beteiligten Subunternehmen.
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Die Branche steht ohnehin unter Druck: Gestiegene Tiefbaukosten, hohe Zinsen und vereinzelte Insolvenzen von Baupartnern belasten die Unternehmen. Aktuelle Baustopps in RĂŒdesheim, Diez oder Bad Honnef sind die Folge.
Plattformökonomie fÀllt durch
Ein aktueller Bericht zur Lage der Plattformökonomie 2026 stellt den meisten Liefer- und Fahrdiensten ein verheerendes Zeugnis aus. Der Fairwork-Bericht untersuchte Bolt, Wolt, Uber und Lieferando auf faire Arbeitsbedingungen. Das Ergebnis: Bis auf Flink (7 von 10 Punkten) erreichten alle anderen null Punkte.
Besonders bei Lieferando haben sich die Bedingungen seit FrĂŒhjahr 2025 verschlechtert. Experten fĂŒhren das auf den verstĂ€rkten Einsatz von Subunternehmen zurĂŒck. In der Politik wird deshalb vermehrt ein Direktanstellungsgebot fĂŒr die Branche diskutiert.
Seit Jahresbeginn 2026 gilt zudem das Friseurhandwerk als Risikobranche im SchwarzarbeitsbekĂ€mpfungsgesetz. FĂŒr den Sektor gelten verschĂ€rfte Pflichten: eine allgemeine Ausweispflicht fĂŒr BeschĂ€ftigte und die Sofortmeldung bei der Sozialversicherung ab dem ersten Arbeitstag.
Der Zoll hat seine KapazitÀten im Opferschutz ausgebaut. In 41 HauptzollÀmtern koordinieren spezialisierte KrÀfte nun die BekÀmpfung von Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit und Menschenhandel.
Viele Betriebe unterschĂ€tzen die rechtlichen Anforderungen an eine gesetzeskonforme Arbeitsorganisation und riskieren damit empfindliche Sanktionen. Sichern Sie sich diesen kostenlosen Leitfaden inklusive fertiger Mustervorlagen fĂŒr Ihre tĂ€gliche Praxis. Kostenlosen Ratgeber zur Arbeitszeiterfassung jetzt herunterladen
BetriebsrÀte als Schutzschild
Angesichts der MissstĂ€nde verweist die Politik auf die Bedeutung der betrieblichen Mitbestimmung. Die Betriebsratswahlen fanden zwischen MĂ€rz und Mai 2026 statt. Laut Daten des Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung arbeiten derzeit rund 43 Prozent der BeschĂ€ftigten in Betrieben mit einem Betriebsrat.
Eine aktive Teilnahme an der betrieblichen Selbstverwaltung gilt als zentrales Instrument, um faire Arbeitsbedingungen und die Einhaltung gesetzlicher Standards dauerhaft zu sichern.
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