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Schwarzbuch 2026/ 27: Bund der Steuerzahler listet 100 FĂ€lle auf

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Steuerzahlerbund beanstandet Förderstrukturen und teure Bauvorhaben; Kritiker sehen bei der Fallauswahl fehlenden Kontext.

Schwarzbuch 2026/27: Steuerzahlerbund nennt 100 FĂ€lle von Verschwendung
Eine unfertige Betonbaustelle mit StĂŒtzpfeilern und GerĂŒsten unter einem grauen Himmel als Symbol fĂŒr ineffiziente Bauprojekte. Illustration mit AI erstellt.

Am 1. Oktober 2026 hat der Bund der Steuerzahler in Berlin die 54. Ausgabe seines „Schwarzbuchs“ fĂŒr den Zeitraum 2026/27 vorgestellt. In dem Bericht listet der Verband insgesamt 100 FĂ€lle von Steuergeldverschwendung auf Ebene des Bundes, der LĂ€nder sowie der Kommunen auf.

VerbandsprĂ€sident Reiner Holznagel betonte bei der PrĂ€sentation, dass das Schwarzbuch dazu beitragen solle, demokratische Strukturen zu stĂ€rken. Er forderte in diesem Zusammenhang eine konsequentere Kontrolle, mehr Transparenz sowie die regelmĂ€ĂŸige PrĂŒfung und Streichung wirkungsloser Förderprogramme.

Kritik an intransparentem System der Förderprogramme

Ein zentraler Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe ist die Kritik an staatlichen Förderprogrammen, die der Verband als „vergiftete Geschenke“ bezeichnet. Demnach wĂŒrden Fördertöpfe und Fristen oft den Ausschlag fĂŒr Investitionen geben, statt tatsĂ€chlicher Bedarf oder Nutzen.

In vielen FĂ€llen wĂŒrden Mittel lediglich verausgabt, um einen drohenden Verfall der Gelder zu verhindern. Holznagel kritisierte, dass das System aus unterschiedlichen Töpfen mit jeweils eigenen Richtlinien und ohne gegenseitige Abstimmung funktioniere, was zu Verschwendung in Millionenhöhe fĂŒhre.

In einer Untersuchung des Deutschen Steuerzahlerinstituts wird zudem das Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur und KlimaneutralitĂ€t thematisiert. Den Berechnungen zufolge erfĂŒlle der Bund im Finanzplanungszeitraum bis 2030 in keinem Jahr das Kriterium der ZusĂ€tzlichkeit, wenn die Zahlen um Sondereffekte bereinigt werden.

FĂŒr LĂ€nder und Kommunen gelte laut Verband gar kein ZusĂ€tzlichkeitskriterium fĂŒr den 100 Milliarden Euro schweren Topf, was einer Einladung zu einem „Verschiebebahnhof“ gleichkomme. Der Verband fordert daher eine BĂŒndelung der Programme und vereinfachte Verfahren.

Kostenexplosionen bei Großprojekten und Infrastruktur

Das Schwarzbuch fĂŒhrt mehrere prominente FĂ€lle von massiven Kostensteigerungen an. Beim geplanten Regierungsflughafen am BER könnten die Kosten laut Verband von ursprĂŒnglich 344 Millionen Euro auf bis zu 2,5 Milliarden Euro steigen. Das GelĂ€nde solle fast verdoppelt werden, wĂ€hrend im ersten Halbjahr rund die HĂ€lfte der RegierungsflĂŒge ohne Passagiere stattgefunden habe.

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Der aktuelle Schwarzbuch-Bericht listet 100 FĂ€lle auf, in denen Fördertöpfe, Fristen und fehlende Abstimmung den Ausschlag gaben — statt tatsĂ€chlicher Bedarf. Wer als Kommune oder Steuerzahler gegensteuern will, braucht eine belastbare PrĂŒfsystematik fĂŒr laufende Programme und geplante Investitionen. Kostenlosen Leitfaden zur Ausgabenkontrolle anfordern

Auch die Sanierung von Schloss Bellevue wird kritisiert: Die Gesamtkosten summieren sich inklusive eines Risikopuffers auf 860 Millionen Euro. Allein die Erneuerung der Zaunanlage schlage mit rund 18.400 Euro pro laufendem Meter zu Buche.

Weitere Beispiele betreffen die Kölner Oper, deren Kosten nach 14 Jahren Bauzeit bei rund 1,5 Milliarden Euro liegen, sowie die zweite S-Bahn-Stammstrecke in MĂŒnchen. Letztere war 2017 mit 3,8 Milliarden Euro gestartet und wird nun auf 11 Milliarden Euro taxiert.

In Halle stiegen die geschĂ€tzten Kosten fĂŒr das Zukunftszentrum fĂŒr Deutsche Einheit von 200 Millionen auf 277 Millionen Euro, wobei der Verband die prognostizierten Besucherzahlen bezweifelt.

Verschwendung in Kommunen und Kritik am Format

Neben Großprojekten listet das Schwarzbuch zahlreiche lokale FĂ€lle auf. In Schleswig-Holstein wurden laut Bericht rund 6,7 Millionen Euro fĂŒr digitale EndgerĂ€te ausgegeben, von denen ein Drittel nie eingeschaltet wurde.

In Hadamar (Hessen) entstand fĂŒr 355.700 Euro eine Toilettenanlage, die voraussichtlich nur an sechs Tagen im Jahr genutzt wird. In Paderborn erwiesen sich zwei Messing-Hochbeete fĂŒr fast 180.000 Euro als Fehlgriff, da sich die Platten zu stark erhitzten.

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Kostensteigerungen bei Großprojekten sind kein Einzelfall: Der Bericht nennt Vorhaben, deren Kalkulation sich vervielfacht hat, wĂ€hrend die Nutzung hinter den Annahmen zurĂŒckblieb. Dieser 10-Punkte-Plan hilft, Risikopuffer, Bedarfsprognosen und Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen frĂŒhzeitig zu hinterfragen. 10-Punkte-Plan gegen Kostenexplosionen sichern

Der Bund der Steuerzahler merkte an, dass Hinweise auf solche FÀlle zunehmend direkt aus Behörden und Verwaltungen kÀmen. Dennoch bleibt das Format des Schwarzbuchs umstritten.

Kritiker, darunter Stimmen aus dem Bundesrechnungshof, bemĂ€ngeln, dass oft spektakulĂ€re EinzelfĂ€lle ohne den nötigen Kontext dargestellt wĂŒrden und die VorwĂŒrfe nicht in jedem Fall durch Fakten vollstĂ€ndig erhĂ€rtet seien. Ein reprĂ€sentatives Gesamtbild der Staatsausgaben werde durch die Auswahl nicht abgebildet.

Mehr zum Thema bei SĂŒddeutsche Zeitung: „Schwarzbuch 2026 - Bund der Steuerzahler kritisiert Zukunftszentrum Halle - Wirtschaft“

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