Schweizer KMU: Nur jedes vierte Unternehmen testet die Wiederherstellung aus Backups
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 03:22 Uhr | Redaktion boerse-global.deAm 22. Oktober 2026 haben die Mobiliar, digitalswitzerland, die HES-SO Valais-Wallis, die HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich, die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) sowie das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) die Ergebnisse der Untersuchung «KMU Cybersicherheit 2026» vorgelegt.
Die von YouGov Schweiz zwischen dem 24.06. und dem 10.07.2026 durchgeführte Erhebung erfasste 507 Geschäftsleitende von Betrieben mit 1 bis 49 Beschäftigten und gilt als repräsentativ für rund 614'400 kleine und mittlere Unternehmen in der Schweiz. Zwar setzen viele Betriebe auf grundlegende technische Vorkehrungen, doch offenbaren sich erhebliche Mängel bei internen Prozessen und Schulungen.
Steigende Vorfallzahlen und Bedrohung durch Erpressung
Der Erhebung zufolge waren 6% der Schweizer KMU in den vergangenen drei Jahren von einem schwerwiegenden Cyber-Vorfall betroffen, was hochgerechnet rund 35'000 Unternehmen entspricht. In Betrieben mit mindestens zehn Mitarbeitenden kletterte dieser Anteil auf bis zu 16%.
Auch der zeitliche Verlauf verdeutlicht eine wachsende Gefährdung: Lag der Anteil betroffener Unternehmen 2024 und 2025 jeweils bei 4% (auf Basis von 526 beziehungsweise 515 Befragten), stieg er 2026 auf 6% bei 507 Teilnehmenden.
Zudem gaben 7% der Firmen an, bereits Opfer einer Cyber-Erpressung geworden zu sein – hochgerechnet betrifft dies 43'000 bis 45'000 Unternehmen. Als häufigste Angriffsarten verzeichneten die Studienautoren Phishing, Passwort-Hacking sowie das Einschleusen von Schadsoftware.
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Diskrepanz zwischen technischer Basis und betrieblicher Organisation
Auf der technischen Ebene verfügen viele Firmen über Mindeststandards. So sichern 9 von 10 KMU regelmässig ihre geschäftlichen Daten, und über 80% spielen in regelmässigen Abständen Software-Updates ein. Bei 55% der Betriebe gehört zudem eine Mehrfaktor-Authentifizierung zum Standard.
Im operativen und organisatorischen Alltag zeigen sich hingegen deutliche Defizite. Nur rund ein Drittel der befragten Firmen führt regelmässige Schulungen für das Personal durch oder führt ein vollständiges Inventar der vorhandenen IT-Systeme. Zudem prüft lediglich jedes vierte KMU die eigentliche Wiederherstellung aus den erstellten Backups im Rahmen von Tests.
Wachsende Sensibilisierung und Sorge vor KI-gestützten Angriffen
Das Problembewusstsein in den Chefetagen hat sich parallel zur Bedrohungslage verstärkt. 88% der Befragten stufen Cyberkriminalität als ernstes Problem ein. Den Stellenwert der betrieblichen Cybersicherheit bewerten 45% als wichtig oder sehr wichtig – im Jahr 2025 lag dieser Wert noch bei 33%.
Gleichzeitig blicken die Verantwortlichen mit Sorge auf technologische Neuerungen: 81% erwarten eine Verschärfung der Gefahrenlage durch Angriffe, die durch Künstliche Intelligenz unterstützt werden. Auf Anwenderseite setzt knapp die Hälfte der befragten KMU KI bereits in eigenen Projekten ein.
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Um den Risiken zu begegnen, planen rund zwei von fünf KMU in den kommenden drei Jahren zusätzliche Schutzmassnahmen umzusetzen. Was die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen betrifft, zeigten sich 40% der Befragten grundsätzlich bereit, einen erlittenen Vorfall an das BACS zu melden. Die Angebote der Behörde werden bislang jedoch zögerlich in Anspruch genommen: Lediglich rund 7% der Unternehmen nutzen derzeit den Cybersecurity Hub des Amts.
