ZĂ€he, HĂ€ngepartie

ZÀhe HÀngepartie - Polizei löst Tesla-Protestcamp auf

19.11.2024 - 15:43:41

Seit Ende Februar besetzen Tesla-Gegner einen Wald nahe der Autofabrik von Elon Musk bei Berlin. Jetzt löst die Polizei das Protestcamp auf - wegen Aktivisten in den BÀumen aber ein zÀhes Unterfangen.

  • PolizeikrĂ€fte sichern das Waldgebiet hinter einer Absperrung. Umweltaktivisten, die gegen Tesla protestieren, mĂŒssen ihr Camp rĂ€umen.  - Foto: Lutz Deckwerth/dpa

    Lutz Deckwerth/dpa

  • Mit schwarzen TĂŒcher verhĂŒllt  - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

    Sebastian Christoph Gollnow/dpa

PolizeikrĂ€fte sichern das Waldgebiet hinter einer Absperrung. Umweltaktivisten, die gegen Tesla protestieren, mĂŒssen ihr Camp rĂ€umen.  - Foto: Lutz Deckwerth/dpaMit schwarzen TĂŒcher verhĂŒllt  - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Seit fast neun Monaten hielten Umweltaktivisten ein WaldstĂŒck in GrĂŒnheide bei Berlin besetzt - aus Protest gegen das einzige europĂ€ische Tesla-Autowerk von Elon Musk. Die 20 BaumhĂ€user in dem Camp sind zu einem Symbol fĂŒr den Widerstand gegen den US-Elektroautobauer geworden. Nun muss damit Schluss sein.

Die Polizei löste die Versammlung der Tesla-Gegner um 10.17 Uhr auf und nannte VerstĂ¶ĂŸe gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung als Hauptgrund. Auch die ausgebauten BaumhĂ€user sollen spĂ€ter verschwinden - wann und wie war auch wegen möglicher gefĂ€hrlicher Kampfmittel im Boden noch unklar. 

Mit ihrem Protest gegen das Tesla-Werk, das auch wegen der kurzen Genehmigungs- und Bauzeit als Vorzeigeprojekt der Landesregierung gilt, wollen die Gegner jedenfalls nicht aufhören. «Es muss endlich Schluss damit sein, dass Teslas Profite von der Politik um jeden Preis durchgesetzt werden und deshalb protestieren wir weiter», sagte Karolina Drzewo von «Tesla den Hahn abdrehen». 

Tesla-Gegner wollten GelĂ€nde fĂŒr Kampfmittel-ÜberprĂŒfung nicht verlassen

Im Wald nahe der Tesla-Fabrik stehen wegen des Verdachts, dass alte Kampfmittel im Boden liegen, Untersuchungen an. Doch die Umweltaktivisten wollten seit Montagmorgen ihr Camp fĂŒr die sogenannten Sondierungen auf dem Gebiet nicht verlassen. 

Einige kletterten an den Kiefern bei kalten Temperaturen und Regen teils immer höher. In ihren BaumhĂ€usern waren sie unter anderem mit SchlafsĂ€cken ausgerĂŒstet. Spezialisten der Polizei, mit Seilen gesichert, holten einzelne der vermummten Aktivisten aus den BĂ€umen. 

Der schwierige Einsatz der Höhenretter zog sich seit dem Morgen viele Stunden hin. Gegen 15. 00 Uhr waren noch nicht alle von den BÀumen runter - es entwickelte sich sprichwörtlich zur HÀngepartie. 

Polizei-Einsatz ohne gewaltsame Rangeleien

Die Aktivisten - eine kleine, ĂŒberschaubare Gruppe - riefen sich immer wieder in Sprechchören zu: «Du bist nicht allein». Der Einsatz verlief ruhig, auch wenn die Tesla-Gegner die RĂ€umung des Camps als unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kritisieren. Es gab einige vorĂŒbergehende Ingewahrsamnahmen. 

«Wir sind wĂŒtend», sagte eine Sprecherin von «Tesla stoppen» zur RĂ€umung des Camps. Die Gruppe will sich gegen die geplante Erweiterung des Tesla-GelĂ€ndes fĂŒr einen GĂŒterbahnhof und LagerflĂ€chen stemmen und die Rodung von BĂ€umen verhindern. Auch um die Ressource Wasser sind sie besorgt.

Die Polizei argumentierte: «Auch die wiederholten Begehungen von Straftaten machten deutlich, dass die Versammlung darauf ausgerichtet war, weitere Sondierungen zu verhindern.» Die Gemeinde GrĂŒnheide hatte wegen Kampfmittelverdachts die Untersuchung eines GelĂ€ndes, in dem ein Teil des Protestcamps liegt, veranlasst. 

Bereits vor Monaten waren im Zusammenhang mit Untersuchungen auf der geplanten ErweiterungsflĂ€che des Tesla-GelĂ€ndes zwei Weltkriegsbomben entdeckt und entschĂ€rft worden. FĂŒr seine Projekte muss das Unternehmen, das das gebremste Wachstum im Elektro-Automarkt zu spĂŒren bekommt, erst noch ein WaldstĂŒck vom Land Brandenburg kaufen. Die GesprĂ€che dazu liefen noch, hieß aus dem Umwelt- und Forstministerium in Potsdam. 

Auflösung des Tesla-Protestcamps stĂ¶ĂŸt auf Zustimmung im Landtag

Auf UnterstĂŒtzung stieß die Auflösung des Camps bei Politikern im Brandenburger Landtag. «Es ist auch kein rechtsfreier Raum, hier muss die Polizei auch Recht und Ordnung durchsetzen», sagte SPD-Fraktionschef Daniel Keller in Potsdam. «Ob dann im Nachgang der Protest an der Stelle wieder fortgesetzt wird, das muss dann in Zukunft geklĂ€rt werden.» Brandenburgs CDU-Landtagsfraktionschef Jan Redmann sagte: «Die Protestierer haben den Pfad der Kooperation verlassen.» Tesla-Gegner jedenfalls haben kurz nach der Entscheidung zur RĂ€umung einen «Waldspaziergang» am Samstag in GrĂŒnheide angekĂŒndigt.

Nicht vergleichbar mit RÀumung vor Jahren im Hambacher Forst 

Mit Bildern wie sie aus dem Hambacher Forst 2018 in Nordrhein-Westfalen zu sehen waren, ist der Einsatz der Polizei in GrĂŒnheide nicht zu vergleichen. Die drohende Zerstörung des Waldes mobilisierte damals großen Widerstand - es ging um den Abbau von Braunkohle. Die Polizei rĂŒckte in einem Großeinsatz mit Wasserwerfern und anderem schwerem GerĂ€t an. Sie brauchte Wochen, um BaumhĂ€user abzumontieren und das Lager der Aktivisten aufzulösen. Ein Mann war wĂ€hrend der RĂ€umung aus großer Höhe von einer HĂ€ngebrĂŒcke gestĂŒrzt und gestorben.

@ dpa.de