China und Kanada wehren sich gegen US-Zölle
04.03.2025 - 11:52:14 | dpa.deChina und Kanada reagieren auf die seit heute Nacht geltenden neuen US-Importzölle ihrerseits mit Gegenzöllen. Kanadas MinisterprĂ€sident Justin Trudeau kĂŒndigte bereits vor dem Inkrafttreten der US-Zölle GegenmaĂnahmen in gleicher Höhe an. China teilte am frĂŒhen Morgen deutscher Zeit mit, man werde ab dem 10. MĂ€rz zusĂ€tzliche Zölle vor allem auf landwirtschaftliche Produkte aus den USA erheben.Â
Kurz zuvor - nach Mitternacht US-amerikanischer Zeit - waren laut US-Medien die von US-PrĂ€sident Donald Trump angekĂŒndigten Zölle fĂŒr Waren aus China, Mexiko und Kanada in Kraft getreten. Dies berichteten unter anderem «New York Times», «Wall Street Journal» und der Sender CNN.Â
Konkret gelten demnach nun Strafabgaben in Höhe von 25 Prozent auf Waren aus Kanada und Mexiko, die in die USA importiert werden. Zudem hatte Trump ankĂŒndigt, ab heute die im Februar angeordneten Importzölle auf Waren aus China auf 20 Prozent zu verdoppeln.Â
Gegenzölle in Kanada und China
Kanada werde seinerseits Zölle in Höhe von 25 Prozent auf US-Waren einfĂŒhren, lieĂ Trudeau zuvor mitteilen. Dies gelte zunĂ€chst nur fĂŒr Waren mit einem Gesamtwert von 30 Milliarden Dollar, hieĂ es in der Mitteilung. Nach 21 Tagen werde diese Zahl auf insgesamt 155 Milliarden Dollar erhöht. «Sollten die US-Zölle nicht eingestellt werden, fĂŒhren wir aktive und laufende GesprĂ€che mit Provinzen und Territorien, um mehrere nichttarifĂ€re MaĂnahmen zu ergreifen», so Trudeau. Dies könnte mutmaĂlich eine EinschrĂ€nkung oder gar den Stopp von Ăl-Exporten in die USA bedeuten - eine MaĂnahme, die die Vereinigten Staaten hart treffen wĂŒrde.
China kĂŒndigte Gegenzölle auf Agrarprodukte und weitere MaĂnahmen gegen US-Firmen an. China werde ab dem 10. MĂ€rz zusĂ€tzliche Zölle in Höhe von 15 Prozent auf HĂŒhnerfleisch, Weizen, Mais und Baumwolle aus den USA erheben, wie das Handelsministerium in Peking mitteilte. FĂŒr andere landwirtschaftliche Produkte, darunter Sojabohnen, Schweinefleisch und Rindfleisch, werde ein Zusatzzoll von zehn Prozent gelten. Auch kĂŒndigte Peking an, weitere US-Unternehmen auf eine Liste unzuverlĂ€ssiger Einheiten zu setzen, womit ihnen EinschrĂ€nkungen oder vollstĂ€ndige Verbote fĂŒr GeschĂ€ftsaktivitĂ€ten in China drohen. Zudem beschwerte sich China mittels des Streitschlichtungsmechanismus der Welthandelsorganisation (WTO) ĂŒber die USA.
Eine Stellungnahme von Mexikos PrĂ€sidentin Claudia Sheinbaum wurde fĂŒr Dienstagmorgen mexikanischer Zeit (gegen Nachmittag deutscher Zeit) erwartet.
Mögliche Abwendung eines Handelskriegs offen
Es ist offen, ob sich Kanada und Mexiko erneut mit Trump einigen können, um die StrafmaĂnahmen schnell abzuwenden. Anfang Februar war ein nordamerikanischer Handelskrieg zunĂ€chst noch kurzfristig abgewendet worden. Trump lieĂ sich nur wenige Stunden vor dem Inkrafttreten der angedrohten Strafzölle auf Waren aus den NachbarlĂ€ndern Mexiko und Kanada auf ZugestĂ€ndnisse vor allem zur Grenzsicherung ein. DafĂŒr schob er die HandelsbeschrĂ€nkungen mindestens 30 Tage auf.Â
Handelskonflikt belastet Börsen
An den US-Börsen wurden die Indizes zum Wochenstart von Zoll- und Konjunktursorgen erheblich belastet. «Die Börsen sind politisch getrieben wie lange nicht», kommentierte Analyst Thomas Altmann von QC Partners. «Und mit der Dominanz politischer Themen steigt die VolatilitĂ€t an.»Â
Der deutsche Leitindex hatte noch am Montag ein Rekordhoch von mehr als 23.000 Punkten erreicht - nach den Zoll-Nachrichten aus Ăbersee kehrte allerdings ErnĂŒchterung ein. Im frĂŒhen deutschen Handel sackte der Dax wieder unter die Rekordmarke. Auch das Eurozonen-Leitbarometer EuroStoxx 50 gab am Dienstag nach.
Trump-Zölle gegen die EU können HÀfen treffen
Auch US-Zölle gegen die EU stehen im Raum. Und die könnten sich auch auf die deutschen HĂ€fen auswirken, wie der Schifffahrtsexperte Burkhard Lemper der Deutschen Presse-Agentur sagte. Sollten EU-Produkte tatsĂ€chlich mit Zöllen belegt werden, treffe das zumindest HĂ€fen mit nennenswertem USA-Verkehr, sagte Lemper, der das Institut fĂŒr Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen leitet. Verringerte Zuwachsraten oder Verluste des Handelsvolumens seien möglich.Â
Das AusmaĂ sei im Vorhinein kaum zu bestimmen, sagte Lemper. Bislang sei unklar, ob sich Importe mit lokaler Produktion ersetzen lieĂen und die Nachfrage aufgrund der Preissteigerungen falle. In der Schifffahrt wirkten sich HandelseinschrĂ€nkungen zwischen den USA und dem Rest der Welt vor allem auf global tĂ€tige Reedereien aus.
Die EuropĂ€ische Union «bedauert» die Entscheidung der Vereinigten Staaten, Zölle auf Waren aus Mexiko und Kanada zu erheben. Dieser Schritt berge die Gefahr, den Welthandel zu stören, teilte ein Sprecher der EU-Kommission zudem mit. Er schaffe unnötige Unsicherheit.Â
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck kĂŒndigte fĂŒr den Fall von US-Zöllen auf Produkte aus der EU bereits GegenmaĂnahmen an. «Die EU lĂ€sst sich nicht herumschubsen», sagte der GrĂŒnen-Politiker. «Wenn PrĂ€sident Trump die angekĂŒndigten Zölle auf EU-Produkte erhebt, werden wir geschlossen und selbstbewusst reagieren.»
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