Weniger FirmengrĂŒndungen und kaum noch neue Jobs
15.11.2024 - 11:55:02 | dpa.deDie schwache Konjunktur in Deutschland kommt zunehmend auf dem Arbeitsmarkt an. Die Zahl der Unternehmen geht zurĂŒck und der Pessimismus bei den Firmen nimmt zu. Weniger Menschen wagen den Schritt in die SelbststĂ€ndigkeit.
Stagnation bei der Zahl der ErwerbstÀtigen
Im dritten Quartal dieses Jahres sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt kaum noch zusĂ€tzliche Jobs entstanden. 46,1 Millionen Menschen waren zwischen Juli und September erwerbstĂ€tig, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Das waren nur noch 23.000 mehr als im FrĂŒhsommer, gerundet eine Stagnation. Bereinigt um Saisoneffekte sei die Zahl der ErwerbstĂ€tigen sogar um 45.000 Personen oder 0,1 Prozent gesunken. Das hat es seit Jahresbeginn 2021 nicht mehr gegeben. Im Vergleich zum Vorjahresquartal betrug der Zuwachs noch rund 66.000 Menschen (0,1 Prozent).Â
Mehr BeschĂ€ftigung gab es ausschlieĂlich in den Dienstleistungsbereichen, berichtet das Amt. In der Industrie wurden 73.000 Personen (minus 0,9 Prozent) weniger registriert und im Baugewerbe sank die BeschĂ€ftigung innerhalb eines Jahres um 1,1 Prozent oder 30.000 Personen. Zudem setzte sich der Trend fort, dass immer weniger Menschen selbststĂ€ndig sind. Ihre Zahl einschlieĂlich der mithelfenden Angehörigen ging um 0,6 Prozent auf 3,8 Millionen zurĂŒck.Â
Commerzbank: Wirtschaft erholt sich 2025 nur wenig
Die Aussichten fĂŒr die deutsche Wirtschaft dĂŒrften sich nach EinschĂ€tzung der Commerzbank nur langsam aufhellen. Deutschland stehe vor einem «schwierigen Winterhalbjahr, in dem das Bruttoinlandsprodukt bestenfalls stagniert», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer in Frankfurt. Sinkende Leitzinsen sprĂ€chen aber fĂŒr eine wirtschaftliche AufwĂ€rtsbewegung ab FrĂŒhjahr. «Zudem ist die Talsohle beim privaten Verbrauch durchschritten.»
FĂŒr 2025 prognostiziert KrĂ€mer ein leichtes Wachstum der deutschen Wirtschaft von 0,2 Prozent - nach einem Schrumpfen von 0,2 Prozent in diesem Jahr. Die Commerzbank ist damit noch pessimistischer als der SachverstĂ€ndigenrat («Wirtschaftsweise») und die EU-Kommission.Â
Weniger ExistenzgrĂŒndungen
In dem eingetrĂŒbten wirtschaftlichen Umfeld wagen weniger Menschen den Schritt in die SelbststĂ€ndigkeit. Die Zahl der GrĂŒndungen sank laut Statistischem Bundesamt von Januar bis September um 0,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 456.000. Besonders bei Kleinunternehmen gab es einen Einbruch um gut ein Viertel (minus 25,4 Prozent). FĂŒr GrĂŒnder haben sich die Perspektiven mit dem Zinsanstieg und der schwĂ€chelnden Konjunktur verschlechtert.Â
Die Zahl der Gewerbeanmeldungen fiel laut der Statistik ebenso - um 1,0 Prozent auf rund 547.500. Dazu zĂ€hlen neben NeugrĂŒndungen auch BetriebsĂŒbernahmen, Umwandlungen und ZuzĂŒge aus anderen Meldebezirken. Die Gesamtzahl der Gewerbeabmeldungen stieg dagegen leicht um 0,7 Prozent auf rund 443 000.Â
Firmen kĂ€mpfen ums Ăberleben
Derzeit sieht sich fast jedes vierzehnte Unternehmen in seiner Existenz bedroht. 7,3 Prozent der befragten Betriebe Ă€uĂerten sich in einer Erhebung des MĂŒnchner Ifo-Instituts im Oktober entsprechend. Das sind 0,5 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor und 2,5 Prozentpunkte mehr als Anfang 2023.Â
Der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, betonte: «Der kontinuierliche Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen dĂŒrfte sich fortsetzen.» Neben fehlenden AuftrĂ€gen mache der steigende internationale Wettbewerbsdruck vielen Unternehmen zu schaffen. Schon jetzt liege die Zahl der Unternehmensinsolvenzen deutlich ĂŒber dem Niveau der Vorjahre.
Der Anstieg der Existenzsorgen geht der Umfrage zufolge unter anderem auf das Verarbeitende Gewerbe zurĂŒck. Im Einzelhandel hat die Sorge ebenfalls deutlich zugenommen.
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