Sicherheitsbeauftragte: Neue Schwelle von 50 Mitarbeitern ab Mai
05.06.2026 - 09:32:13 | boerse-global.de
Der neue TĂV-GebĂ€udereport 2026 zeigt alarmierende Defekte in sicherheitskritischer GebĂ€udetechnik â besonders beim Brandschutz. Gleichzeitig verschĂ€rfen neue gesetzliche Vorschriften und eine Serie von IndustrieunfĂ€llen Anfang Juni den Druck auf Unternehmen.
Rekordhoch bei MĂ€ngeln in Brandschutzanlagen
Der TĂV-Verband hat am 3. Juni 2025 seinen aktuellen GebĂ€udereport vorgelegt â und die Zahlen sind alarmierend. 35,9 Prozent aller geprĂŒften technischen Anlagen wiesen im Jahr 2025 erhebliche MĂ€ngel auf. Das ist ein Anstieg um neun Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Nur noch 26,9 Prozent der Systeme waren komplett fehlerfrei.
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Besonders dramatisch ist die Lage bei Feuerlöschanlagen: Hier stieg die MĂ€ngelquote auf 40,6 Prozent â ein Plus von zehn Prozentpunkte. Auch andere sicherheitskritische Bereiche zeigen hohe Ausfallraten: LĂŒftungsanlagen liegen bei 44,2 Prozent, Sicherheitsstromversorgungen bei 35,2 Prozent und Notbeleuchtungen bei 35,0 Prozent.
Selbst bei Neuanlagen steigen die MĂ€ngel: Bei ErstprĂŒfungen kletterte die Quote von 19,7 Prozent (2024) auf 26,3 Prozent (2025). Der TĂV-Verband macht dafĂŒr die zunehmende technische KomplexitĂ€t, wachsenden Kostendruck und den FachkrĂ€ftemangel verantwortlich. Die Organisation fordert einheitliche Regelungen und mehr Fokus auf die WiderstandsfĂ€higkeit von GebĂ€udetechnik.
Neue Schwellenwerte fĂŒr Sicherheitsbeauftragte
Seit dem 29. Mai 2026 gelten neue Regeln fĂŒr Unternehmen. Eine Ănderung des Sozialgesetzbuchs VII hat die Pflicht zur Bestellung von Sicherheitsbeauftragten neu geregelt. Die Schwelle wurde von 20 auf 50 Mitarbeiter angehoben. FĂŒr Betriebe mit 21 bis 49 BeschĂ€ftigten ist die Bestellung nur noch bei besonderen Gefahrenlagen verpflichtend.
Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und ohne spezielle Risiken dĂŒrfen kĂŒnftig einen einzigen Sicherheitsbeauftragten ernennen. Die UnfallversicherungstrĂ€ger behalten sich jedoch vor, auch unterhalb dieser Schwellen Bestellungen anzuordnen â wenn die Art der Arbeit dies erfordert. VerstöĂe können mit BuĂgeldern von bis zu 10.000 Euro geahndet werden.
Experten raten Unternehmen, trotz der geĂ€nderten Rechtslage ihre bestehenden Sicherheitsstrukturen vorerst beizubehalten â bis die zugehörigen DurchfĂŒhrungsverordnungen vollstĂ€ndig aktualisiert sind.
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IndustrieunfÀlle: Eine Woche der Gefahren
Die ersten Junitage 2026 haben die Risiken in Produktionsumgebungen eindrucksvoll vor Augen gefĂŒhrt. Am heutigen Donnerstag brach in einer Produktionshalle in Wetter (Ruhr) ein Feuer aus, bei dem Chemikalien beteiligt waren. Rund 100 EinsatzkrĂ€fte waren vor Ort. Vier Mitarbeiter konnten sich unverletzt retten. Das Technische Hilfswerk (THW) musste die Standsicherheit des GebĂ€udes prĂŒfen.
Bereits am Dienstag, dem 3. Juni, gab es zwei GroĂeinsĂ€tze. In Ennigerloh löste ein alter Reifen auf einem Förderband einen Brand in einem Zementwerk aus. Zwei Personen mussten gerettet werden, zwei kamen zur Beobachtung ins Krankenhaus. Am selben Abend forderte ein Feuer in einem Industriegebiet in Frankfurt ein Todesopfer. Die Polizei ermittelt zur Brandursache und Todesursache.
Auch der Umgang mit Gefahrstoffen wurde auf eine harte Probe gestellt: Am 2. Juni 2026 verursachte ein Gabelstaplerunfall in einer Brauerei in Vilshofen (Niederbayern) SchĂ€den an einem Container mit knapp 1.000 Litern SalpetersĂ€ure. Giftiger Rauch entstand, acht Menschen erlitten leichte Verletzungen â darunter EinsatzkrĂ€fte und Umstehende.
Schutz kritischer Infrastruktur: Neue Konzepte gefragt
Die Verbindung von physischer Sicherheit und digitaler Resilienz steht diese Woche im Fokus mehrerer Fachveranstaltungen. Auf der Interschutz 2026 in Hannover (1. bis 6. Juni) prĂ€sentiert das Bundesamt fĂŒr Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) neue Konzepte zum Schutz kritischer Infrastrukturen. Dazu gehören mobile Trinkwasserversorgungssysteme und moderne CBRN-SpĂŒrfahrzeuge â entwickelt fĂŒr die wachsenden hybriden Bedrohungslagen.
Parallel dazu findet in Köln die erste bundesweite GroĂĂŒbung unter dem EU-Programm rescEU statt. Die Ăbung resConEx'26 (31. Mai bis 5. Juni) simuliert einen CBRN-Anschlag bei einer Sportveranstaltung. 800 EinsatzkrĂ€fte und 400 Freiwillige proben den Ernstfall. Ziel ist die Vorbereitung einer spezialisierten Dekontaminationseinheit, die bis Ende 2026 einsatzbereit sein soll â fĂŒr die Reinigung von Infrastruktur, Fahrzeugen und Personen.
