Deutschland, Einzelhandel

Nach zartem Aufschwung: Kommt die Kauflaune 2026 zurĂŒck?

02.02.2026 - 13:44:10

Sie ist lĂ€stig und schwer abzuschĂŒtteln: Die KaufzurĂŒckhaltung belastet den Einzelhandel und die deutsche Konjunktur. Allerdings gibt es Signale fĂŒr eine Besserung.

  • Der Einzelhandel hat 2025 mehr umgesetzt als im Vorjahr. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa

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  • Die niederlĂ€ndische Nonfood-Kette Action hat in Deutschland bereits rund 650 Filialen. - Foto: Fabian Strauch/dpa

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Der Einzelhandel hat 2025 mehr umgesetzt als im Vorjahr. - Foto: Sebastian Kahnert/dpaDie niederlÀndische Nonfood-Kette Action hat in Deutschland bereits rund 650 Filialen. - Foto: Fabian Strauch/dpa

Wenn EinzelhĂ€ndler in Deutschland einen Wunsch frei hĂ€tten, dann wohl diesen: dass ihre Kunden wieder mehr Geld ausgeben. Doch die KaufzurĂŒckhaltung bleibt das dominierende Thema, wie eine Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter knapp 600 Unternehmen zeigt. FĂŒr grĂ¶ĂŸere Anschaffungen seien die Verbraucher wegen der angespannten weltpolitischen Lage offenbar zu verunsichert, sagt HDE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Genth. 2025 sei fĂŒr die Branche ein schwaches Jahr gewesen. 

Dabei lief es bei weitem nicht so schlecht wie befĂŒrchtet. Der HDE hatte fĂŒr den deutschen Einzelhandel ursprĂŒnglich nur ein preisbereinigtes Umsatzplus von 0,5 Prozent prognostiziert. Das Jahr 2025 verlief trotz schwacher Konjunktur deutlich besser, je nach Zahlen sogar erheblich.

Laut Statistischem Bundesamt stieg der Umsatz zum Vorjahr preisbereinigt um 2,7 Prozent. Dies geht allerdings auch auf die Umstrukturierung eines großen OnlinehĂ€ndlers zurĂŒck, damit wurden bislang nicht in Deutschland erfasste UmsĂ€tze berĂŒcksichtigt. Bei dem Unternehmen soll es sich um Amazon handeln. Der HDE dagegen kommt in seiner eigenen Berechnung ohne Sondereffekte nur auf ein preisbereinigtes Umsatzplus von 1,5 Prozent. Der Verband beschrĂ€nkt sich dabei auf Einzelhandel im engeren Sinne, ohne Kfz-Handel, Tankstellen, Brennstoffe und Apotheken. 

Lassen Kunden kĂŒnftig autonome Agenten fĂŒr sich bestellen?

Treiber des zarten Aufschwungs war und ist der Onlinehandel. Die Branche erholte sich zuletzt spĂŒrbar. Zunehmend mehr Menschen nutzten die Vorteile des Onlinekaufs, sagt HDE-PrĂ€sident Alexander von Preen. 2025 legten die UmsĂ€tze laut Verband preisbereinigt um 3 Prozent zu, im laufenden Jahr rechnet man mit einem Plus von 3,5 Prozent. Einen Schönheitsfehler gibt es aus Sicht des HDE allerdings. So profitieren oft nicht Unternehmen in Deutschland.

Laut E-Commerce-Verband Bevh entfiel zuletzt ein Drittel des Wachstums im Onlinehandel auf asiatische HĂ€ndler wie Shein und Temu. Von Preen fordert von der Politik ein schĂ€rferes Vorgehen gegen die Plattformen. Hielten sich diese nicht an die Regeln, mĂŒssten sie abgeschaltet werden können. Anbieter wie Temu und Shein stehen seit lĂ€ngerer Zeit in der Kritik. Handelsvertreter und VerbraucherschĂŒtzer monieren unter anderem geringe ProduktqualitĂ€t, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen. 

Der Onlinehandel steht vor weiteren Herausforderungen. KĂŒnstliche Intelligenz verĂ€ndert das Einkaufen. Tools wie ChatGPT werden heute bereits von vielen Menschen fĂŒr Beratung und Preisvergleich genutzt und beeinflussen Kaufentscheidungen. Ist die Zeit der klassischen Onlineshops bald womöglich vorbei? Lassen die Kunden dann autonome Agenten fĂŒr sich bestellen? Noch ist unklar, wie stark KI den Handel verĂ€ndern wird. 

«Der stationÀre Handel trocknet aus»

Der stationÀre Handel hat noch ganz andere Probleme. Die Branche schrumpft immer weiter. Die Zahl der EinzelhandelsgeschÀfte in Deutschland ist seit 2015 laut HDE von 372.000 auf gut 300.000 gesunken. Der Nonfood-Discounter Kodi schloss im vergangenen Jahr ebenso zahlreiche Filialen wie der Deko-HÀndler Depot. Mut macht jedoch, dass es auch andere Beispiele gibt. So expandieren andere Ketten wie etwa Action oder Decathlon. 

Der Handel befindet sich in einer Umbruchphase. Laut Handelsforschungsinstitut IFH Köln werden nur noch 64 Prozent der UmsĂ€tze im Einzelhandel mit Waren der Kernbranchen - wie Mode, Schmuck, Elektronik, Heimwerken, Wohnen und Produkten des tĂ€glichen Bedarfs - in VerkaufsrĂ€umen erzielt. «Der stationĂ€re Handel trocknet aus», sagt IFH-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Boris Hedde. Der reine Produktverkauf verliert demnach an Bedeutung, an Relevanz gewinnen handelsferne Bereiche wie Gesundheit, Freizeit sowie andere Dienstleistungen und Services. 

Als Beispiel nennt Hedde Reparatur-Angebote, Events, Grillkurse, Augenuntersuchungen beim Optiker, Buchung von Handwerkerservices oder Mieten von GartengerĂ€ten. Der Handelsexperte sieht darin zwar eine Chance, den Handel jedoch zunehmend geschwĂ€cht. Die sinkende Zahl der GeschĂ€fte spiegele den Bedarf der Konsumenten kaum noch wider. Weil immer mehr lokale VersorgungslĂŒcken entstĂŒnden, Ă€ndere sich das Einkaufsverhalten. Kunden wichen deshalb stĂ€rker auf Online aus, so Hedde. 

Experte: Inflationssorgen lassen nach

Vorerst erhalten bleibt den HÀndlern auch 2026 die schwierige Verbraucherstimmung. Laut einer IFH-Umfrage hat gut jeder Zweite (54 Prozent) Angst, wegen der Preissteigerungen den Lebensstandard nicht mehr halten zu können. 42 Prozent planen, ihre Konsumausgaben zu reduzieren. Vor allem bei Mode und Accessoires sowie Wohnen und Einrichten wollen viele Verbraucher weniger ausgeben. 

Aber es gibt positive Trends. Zu Jahresbeginn hat sich die Konsumlaune leicht verbessert. Das zeigen das HDE-Konsumbarometer und der Konsumklimaindex von NIQ und dem NĂŒrnberger Institut fĂŒr Marktentscheidungen (NIM). Grund dafĂŒr sei vor allem ein Anstieg der Einkommenserwartung, sagt NIM-Konsumexperte Rolf BĂŒrkl. «Die Erhöhung des Mindestlohns spielt dabei sicher eine Rolle. Gleichzeitig lassen die Inflationssorgen nach.» Die Menschen seien wieder eher bereit fĂŒr grĂ¶ĂŸere Anschaffungen. Auch bei der Konjunktur zeichne sich eine AufwĂ€rtstendenz ab, so BĂŒrkl.

Im Einzelhandel hÀlt sich der Optimismus bislang in Grenzen. Jedes zweite Unternehmen rechnet laut HDE-Umfrage 2026 mit schlechteren UmsÀtzen als im Vorjahr (49 Prozent), nur knapp jeder Vierte mit besseren (23 Prozent). Der HDE bleibt mit Blick auf das laufende Jahr vorsichtig. Der Verband erwartet im deutschen Einzelhandel einen Gesamtumsatz von gut 697 Milliarden Euro. Preisbereinigt wÀren das lediglich 0,5 Prozent mehr als 2025.

@ dpa.de