Zweiter Chefwechsel in einem Jahr - Nestlé unter Druck
02.09.2025 - 16:59:08 | dpa.deDer weltgröĂten Nahrungsmittelkonzern NestlĂ© steckt nach dem zweiten Chefrausschmiss innerhalb von zwölf Monaten in Turbulenzen. Der Aktienkurs kam nach dem abrupten Abgang des Franzosen Laurent Freixe (63) an der Schweizer Börse zeitweise unter Druck.Â
Bei dem entlassenen Franzosen Freixe wurde als Grund eine romantische Beziehung zu einer ihm unterstellten Managerin genannt, die er verheimlicht haben soll. Das verstöĂt nach Unternehmensangaben gegen die ethischen GrundsĂ€tze der Firma. Allerdings war Freixe ohnehin nicht unumstritten. Investoren waren unzufrieden mit seinen GeschĂ€ftsergebnissen.Â
Freixe hatte seinen VorgĂ€nger, den deutschen Manager und frĂŒheren Fresenius-Chef Mark Schneider erst vor einem Jahr abgelöst. Schneider musste im September 2024 gehen, weil der Verwaltungsrat mehr Wachstum wollte. Unter Schneider und Freixe war der Aktienkurs 2024 um fast ein Viertel eingebrochen. Freixes Bilanz 2025 war zuletzt zusĂ€tzlich ein leichtes Minus.
Der Neue ist relativ jung
Nun soll der Schweizer Philipp Navratil (49) es richten. Frischen Wind von auĂen bringt er allerdings nicht mit. Er hat wie sein VorgĂ€nger einen GroĂteil seiner Karriere bei NestlĂ© absolviert. Navratil war seit 2001 zunĂ€chst in der internen Revision und zuletzt Chef des KaffeegeschĂ€fts Nespresso. Er ist seit Anfang Januar in der Konzernleitung.Â
David Hayes von der Investmentbank Jefferies, stellte prompt die Frage, warum NestlĂ© erneut einen Chef aus den eigenen Reihen berufen hat, anstatt sich Zeit fĂŒr eine umfassende Bewertung interner und externer Kandidaten zu nehmen.
VerwaltungsratsprĂ€sident Paul Bulcke lobte aber Navratils «beeindruckende Erfolgsbilanz» und seine «dynamische Ausstrahlung». Die Firma wolle ihren strategischen Kurs unter Navratil beibehalten, aber das Tempo bei Wachstum und Effizienz steigern.Â
Was Analysten denken
Eine der ersten Aufgaben von Navratil werde es sein, NestlĂ© aus der Serie der negativen Schlagzeilen herauszufĂŒhren, meinte Jean-Philippe Bertschy, Analyst bei der Bank Vontobel. Er bezeichnete den Manager als «auĂergewöhnlich direkt, ehrgeizig und konsequent ergebnisorientiert.» Dass der neue Chef fĂŒr NestlĂ©-VerhĂ€ltnisse relativ jung sei, könne zunĂ€chst fĂŒr Unsicherheit sorgen, meinte Analyst James Edwardes Jones von der kanadischen Bank RBC.Â
Freixe hatte das Unternehmen zwar unter anderem auf das KerngeschĂ€ft und margenstarke Premiumprodukte fokussiert, aber das schwĂ€chelnde GeschĂ€ft mit China brachte er nicht voran. Im Bereich Wasser zog NestlĂ© sich in Frankreich scharfe Kritik zu, weil es Quellwasser auf unzulĂ€ssige Weise gefiltert und trotzdem als natĂŒrliches Mineralwasser vertrieben haben soll.
Personalwechsel als Signal fĂŒr strategischen Neuanfang
Anhaltende Personalwechsel haben NestlĂ© zuletzt nicht in ruhige Fahrwasser gebracht. Neben der neuen Finanzchefin Anna Manz gab es auch mehrere Wechsel unter den Regionalchefs. Zudem tritt der langjĂ€hrige VerwaltungsratsprĂ€sident Bulcke im nĂ€chsten Jahr nicht mehr zur Wiederwahl an. Nachfolger soll VizeprĂ€sident Pablo Isla werden. Der Spanier leitete den Modekonzern Inditex bis 2022 und war nie operativ bei NestlĂ© tĂ€tig. Das gilt als Bruch mit der NestlĂ©-Tradition und wird von manchen Beobachtern als Signal fĂŒr einen strategischen Neuanfang gedeutet.Â
NestlĂ© wurde 1866 gegrĂŒndet. Das Unternehmen vertreibt ĂŒber 2,000 Marken in Bereichen wie Kaffee, Wasser, Babynahrung, Milchprodukte, TiefkĂŒhlkost und Tiernahrung, ist in rund 185 LĂ€ndern aktiv und hat rund 277.000 BeschĂ€ftigte (2024). Der Börsenwert liegt bei mehr als 200 Milliarden Euro.
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