Start-up zeigt Smartphone-Ersatz ohne Display
10.11.2023 - 05:46:37Kann KĂŒnstliche Intelligenz den hĂ€ufigen Blick auf das Smartphone ĂŒberflĂŒssig machen? Ein seit Monaten von viel Hype umgebenes Start-up von zwei ehemaligen Apple-BeschĂ€ftigten will beweisen, dass die Idee kommerziell erfolgreich sein kann. Die Firma mit dem Namen Humane vermarktet seit Donnerstag ein kleines GerĂ€t ohne Display - aber mit Kamera, Lautsprecher und Laser-Projektor.
Der flache «Ai Pin» mit KantengröĂen von weniger als fĂŒnf Zentimetern wird per Magnet an der Kleidung fixiert und auf Brusthöhe getragen. Es hat kein Display, sondern wird ĂŒber Sprache oder per Handgesten bedient. Eine Neuerung, die bei einem Scheitern des Pins Schule machen könnte: Der Magnet, der das GerĂ€t hĂ€lt, ist gleichzeitig die leicht austauschbare Batterie, die es mit Strom versorgt.
Die Kamera spielt dabei eine besondere Rolle - sie ist sozusagen das Auge der KĂŒnstlichen Intelligenz. Denn die Software kann Objekte erkennen. MitgrĂŒnder Imran Chaudhri zeigte ihre FĂ€higkeiten, indem er eine Handvoll Mandeln vor die Linse hielt und fragte, wie viel Protein sie enthalten. «15 Gramm», war die Antwort, die sich exakt auf die erfasste Menge bezog. Danach zeigte Chaudhri dem «Ai Pin» ein Buch und lieĂ es online bestellen.
Wenn Kamera und Mikrofon eingeschaltet sind, blinkt ein gut sichtbares Licht an der oberen Kante des GerĂ€ts. Das soll Datenschutz-Bedenken zerstreuen. Chaudhri betonte in einem Interview mit dem Technologie-Journalisten Om Malik, dass die Aufnahmen nur auf dem GerĂ€t selbst und in der Cloud in einem nur fĂŒr die jeweiligen Nutzer zugĂ€nglichen Bereich gespeichert werden. «Niemand wird sie verwenden, um etwas ĂŒber sie zu erfahren.»
Den Vorteil davon, der Software ĂŒber Sensoren Kontext zur aktuellen Situation zu liefern, sehen auch andere KI-Entwickler. So verkauft der Facebook-Konzern Meta in den USA nun bereits die zweite Generation einer Ray-Ban-Brille mit Kamera und Mikrofon. «Das erlaubt es ihrem KI-Assistenten, zu sehen, was sie sehen, und zu hören, was sie hören», betonte jĂŒngst Meta-Chef Mark Zuckerberg. Und das Start-up RewindAI will einen AnhĂ€nger verkaufen, der alles mitschneidet und transkribiert, was man sagt und hört.
Beim «Ai Pin» demonstrierte Chaudhri die Echtzeit-Ăbersetzung zwischen Englisch und Spanisch. Und wenn Nutzer ihre HandflĂ€che vor den Projektor halten, werden auf ihr Informationen zum Beispiel die Uhrzeit oder Informationen zum Wetter und der gerade abgespielten Musik angezeigt. Das GerĂ€t, mit dem man auch kabellose Ohrhörer verbinden kann, kann auch auf den Musikstreaming-Dienst Tidal zugreifen.
Ein Ziel von Chaudhri und seiner MitgrĂŒnderin und Ehefrau Bethany Bongiorno mit dem GerĂ€t ist, hĂ€ufige Interaktionen mit Bildschirmen dank KĂŒnstlicher Intelligenz unnötig zu machen. So kann man die Software um eine Zusammenfassung der jĂŒngsten Nachrichten und Anrufe bitten. Man kann aber auch nach einer bestimmten Information fragen, zum Beispiel einem TĂŒr-Eingangscode, den man irgendwann einmal von einem Freund bekam.
Humane bringt den «Ai Pin» zunĂ€chst nur in den USA auf den Markt. ZusĂ€tzlich zum Kaufpreis von 699 Dollar werden pro Monat 24 Dollar fĂŒr die Mobilfunk-Verbindung fĂ€llig. Das Start-up arbeitet bei KĂŒnstlicher Intelligenz unter anderem mit dem ChatGPT-Entwickler OpenAI zusammen. OpenAI-Chef Sam Altman ist auch ein Investor bei Humane.


