Ein Feiertag weniger zu Finanzierung von Milliardenschulden?
19.03.2025 - 15:53:05Nun rechnet das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW/Köln) vor, dass ein zusÀtzlicher Arbeitstag bis zu 8,6 Milliarden Euro mehr Wirtschaftswachstum bringen könnte.
Allerdings wĂ€re der Effekt nicht in allen Branchen gleich groĂ, wie IW-Forscher Christoph Schröder erlĂ€utert: In manchen Berufen seien KapazitĂ€ten nicht immer voll ausgelastet. In der Bauwirtschaft etwa macht es einen groĂen Unterschied, ob ein Feiertag im Sommer oder im Winter liegt, denn bei Eis und Schnee stehen KrĂ€ne ohnehin still.
"Streichung eines Feiertages als Symbol genau richtig"
Wiederholt kamen zuletzt VorschlĂ€ge von Ăkonomen, einen Feiertag abzuschaffen, um die Milliardenpakete fĂŒr Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz zu finanzieren, die Union und SPD mit Hilfe der GrĂŒnen ausgehandelt haben und denen inzwischen der Bundestag zugestimmt hat.
"Die Streichung eines Feiertages fÀnde ich als Symbol genau richtig", antwortete die Chefin der "Wirtschaftsweisen", Monika Schnitzer, vergangene Woche dem "Spiegel" auf die Frage, ob Deutschland dem dÀnischen Beispiel folgen soll, auf diese Weise höhere Verteidigungsausgaben zu stemmen.
Bereits Anfang MĂ€rz hatte der PrĂ€sident des MĂŒnchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, fĂŒr die Streichung eines Feiertages plĂ€diert, um "das Arbeitsangebot der Menschen zu steigern": "Stattdessen gibt es Forderungen nach mehr Urlaubstagen und kĂŒrzeren Arbeitszeiten. Das wĂ€re jetzt der falsche Weg, wenn man Inflation vermeiden und Wachstum fördern will", sagte Fuest der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
DGB: Erholung an Feiertagen fördert ProduktivitÀt
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hĂ€lt den Vorschlag, einen Feiertag abzuschaffen, um mehr Einnahmen fĂŒr den Staat zu generieren, fĂŒr absurd: "Ein gestrichener Feiertag fĂŒr die BeschĂ€ftigten wird die Wirtschaft nicht entfesseln", schrieb DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel auf der Plattform X.
Feiertage seien "kein Luxus, sondern wichtiger Bestandteil unserer Arbeitskultur; sie tragen zur Erholung der BeschĂ€ftigten und damit auch zur ProduktivitĂ€t bei", argumentierte Piel. BeschĂ€ftigte leisteten ihren Anteil zum Wirtschaftswachstum oft ĂŒber ihre regulĂ€re Arbeitszeit hinaus - das zeige die hohe Anzahl an vielfach unbezahlten Ăberstunden.
IW hĂ€lt Umsetzung fĂŒr schwierig
Nach EinschĂ€tzung von IW-Forscher Schröder wĂ€re es ohnehin schwierig, den Vorschlag in die Tat umzusetzen: Die Feiertagsregelungen in den einzelnen BundeslĂ€ndern sind unterschiedlich. Eine zusĂ€tzliche Herausforderung: Wegen der föderalen Strukturen Deutschlands mĂŒsste jedes Bundesland einzeln ĂŒber eine Streichung beschlieĂen.
Neun Feiertage sind in allen 16 BundeslÀndern einheitlich geregelt: Neujahrstag, Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, 1. Mai, Tag der Deutschen Einheit, erster und zweiter Weihnachtsfeiertag.
Feiertage liegen fĂŒr BeschĂ€ftigte 2025 gĂŒnstig
Weil im laufenden Jahr Feiertage und Festtage seltener auf Wochenenden fallen, mĂŒssen die BeschĂ€ftigten in Deutschland etwas weniger arbeiten, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat: Im bundesweiten Schnitt weist der Kalender demnach 248,1 Arbeitstage aus - 0,7 Tage weniger als 2024 und der niedrigste Wert seit 2019 (247,8 Arbeitstage).
Die geringere Jahresarbeitszeit hat nach Angaben der Statistiker Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung: Nach einer Faustregel bedeutet ein Arbeitstag weniger einen RĂŒckgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,1 Prozent.

