DGB, Teilzeit-Krankschreibungen

DGB gegen Teilzeit-Krankschreibungen

31.10.2024 - 12:15:14

Sollte auch in Zeiten des digitalen Arbeitens mehr FlexibilitÀt möglich sein, wenn BeschÀftigte sich krankmelden? Von den Gewerkschaften kommt eine Warnung.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt Überlegungen zu «Teilzeit-Krankschreibungen» fĂŒr einige Stunden am Tag ab. Die Idee sei «schlicht absurd», sagte Vorstandsmitglied Anja Piel der Deutschen Presse-Agentur. «Wer krank und arbeitsunfĂ€hig ist, soll sich vollstĂ€ndig auskurieren. Ansonsten steigt das Risiko, lĂ€nger und ernsthafter zu erkranken.» Schon heute gingen viel zu viele krank zur Arbeit oder arbeiteten krank im Homeoffice. «Sie gefĂ€hrden damit sich und andere und setzen auf Dauer ihre Gesundheit und ErwerbsfĂ€higkeit aufs Spiel.»

ÄrzteprĂ€sident Klaus Reinhardt hatte sich angesichts des Wandels der Arbeitswelt und der Digitalisierung offen fĂŒr «eine praktikable Form von Teilzeit-Krankschreibung fĂŒr einige Stunden tĂ€glich» gezeigt. Dies könnte den neuen Möglichkeiten Rechnung tragen und fĂŒr mehr FlexibilitĂ€t sorgen, sagte der Chef der BundesĂ€rztekammer den Zeitungen der Funke Mediengruppe. So solle etwa bei Bagatellinfekten der direkte Kontakt mit Kollegen im BĂŒro vermieden werden. «In solchen FĂ€llen bietet das Arbeiten im Homeoffice aber unter UmstĂ€nden die Möglichkeit, im begrenzten Umfang berufliche Aufgaben wahrzunehmen und sich dennoch zu erholen.»

Belegschaften mit lÀngeren Krankheitszeiten 

DGB-Vorstand Piel mahnte, auch der demografische Faktor mĂŒsse bedacht sein. «Älter werdende Belegschaften mit mehr BeschĂ€ftigten, die spĂ€ter in Rente gehen, haben im Vergleich zu jĂŒngeren Belegschaften absehbar lĂ€ngere Krankheitszeiten.» Die richtige Antwort darauf seien mehr betriebliche Gesundheitsvorsorge, altersgerechte ArbeitsplĂ€tze und gute Reha-Maßnahmen, damit Krankheiten sich nicht weiter verschlechterten oder gar chronisch wĂŒrden. «Kluge Arbeitgeber haben das lĂ€ngst begriffen und die Weichen dafĂŒr gestellt.»

Auch der Sozialverband Deutschland Ă€ußerte sich ablehnend zu Teilzeit-Krankschreibungen, die keine ausreichende Möglichkeit zur Erholung böten. «Wir befĂŒrchten, dass die Durchsetzung der verkĂŒrzten Arbeitszeit bei den Arbeitnehmern liegen wĂŒrde und dies erkrankte Personen unnötig unter Druck setzt», sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. Unklar seien auch Auswirkungen auf Regelungen zur Lohnfortzahlung. NatĂŒrlich sei der Vorteil von Homeoffice, dass man bei leichten Infektionen und SchreibtischtĂ€tigkeiten von zu Hause arbeiten könne. Man sollte Homeoffice-Arbeit aber nicht gemĂ€ĂŸ dem Motto diskreditieren, dort könne man auch krank oder halb krank arbeiten. «Das ist eben nicht so.»

@ dpa.de