Sonntagsbackverbot: Handwerk darf ab Januar fĂŒnf Stunden backen
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Debatte um die Arbeitszeit in Deutschland verschÀrft sich. WÀhrend Industrievertreter und Handwerk auf Lockerungen drÀngen, warnen Gewerkschaften vor sozialen und gesundheitlichen Folgen.
Industrie will lÀngere Arbeitszeiten
In der Automobilindustrie wird ĂŒber eine RĂŒckkehr zu lĂ€ngeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich diskutiert. Die Produktion liegt SchĂ€tzungen zufolge rund 15 Prozent unter dem Höchststand von 2018. Allein 2025 wurden etwa 50.000 ArbeitsplĂ€tze in diesem Sektor abgebaut.
Die Mercedes-Benz Group fordert eine 40-Stunden-Woche fĂŒr ihre deutschen Standorte. UnterstĂŒtzung kommt vom Chef des Zulieferers Aumovio â das Unternehmen hat die Arbeitszeit in Ingolstadt und Villingen-Schwenningen bereits angehoben. Branchenexperten warnen vor einer schleichenden Deindustrialisierung, sollte die WettbewerbsfĂ€higkeit nicht durch flexiblere Modelle gestĂ€rkt werden. Die IG Metall lehnt die PlĂ€ne konsequent ab.
Handwerk will sonntags backen dĂŒrfen
Ein weiterer Streitpunkt: das Sonntagsbackverbot. HandwerksprĂ€sident Jörg Dittrich mahnte im Juli 2026 die Umsetzung einer Koalitionszusage an. Ein Entwurf aus dem Bundesarbeitsministerium sieht vor, dass BĂ€ckereien an Sonn- und Feiertagen kĂŒnftig bis zu fĂŒnf Stunden backen dĂŒrfen â bisher sind es drei.
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Die Koalitionsspitzen haben das Inkrafttreten fĂŒr den 1. Januar 2027 vereinbart. Ein konkreter Gesetzentwurf steht aber noch aus. WĂ€hrend das Handwerk auf mehr FlexibilitĂ€t pocht, befĂŒrchten Gewerkschaften eine weitere Aushöhlung der Sonntagsruhe.
Gewerkschaften warnen vor Aufweichung des Achtstundentags
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststĂ€tten (NGG) warnt vor den PlĂ€nen der Bundesregierung, die tĂ€gliche Höchstarbeitszeit zugunsten einer wöchentlichen Betrachtung zu flexibilisieren. Nach EinschĂ€tzung der NGG drohten Arbeitstage von zehn oder sogar zwölf Stunden. Der Achtstundentag sei ein wesentliches Schutzinstrument fĂŒr Gesundheit und Familienleben.
Besonders betroffen wĂ€ren Frauen und Alleinerziehende. Rund 51 Prozent der Frauen kĂŒmmern sich um die Pflege von Angehörigen, 42 Prozent der Alleinerziehenden stehen vor groĂen organisatorischen Herausforderungen. Die NGG verweist zudem auf die angespannte Situation bei der Kinderbetreuung. In Ludwigsburg etwa stehen fĂŒr 31 Prozent der Kinder unter drei Jahren KitaplĂ€tze zur VerfĂŒgung â der Bedarf liegt bei 46 Prozent.
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