Weininstitut erwartet nach SpÀtfrost kleinen Preissprung
16.05.2024 - 04:43:28Die FrostschĂ€den in deutschen Weinbauregionen könnten eine ganze Reihe von Winzern in Schwierigkeiten bringen. Dass Verbraucher deshalb am Weinregal tiefer in die Tasche greifen mĂŒssen, ist aber bislang nicht ausgemacht: «Die Gesetze auf dem freien Markt sprechen dafĂŒr, dass die Preise steigen. Aber wir sind keine Insel: Der Preisdruck in der Branche ist heftig», sagte Frank Schulz vom Deutschen Weininstitut (DWI).
Im Handel konkurrierten die deutschen Winzer mit Weinbauern aus der ganzen Welt. Daher sei es fĂŒr die betroffene Betriebe schwierig, die höheren Preise, die sie theoretisch verlangen mĂŒssten, auch wirklich zu erlösen.
Die Nachtfröste waren Ende April aufgetreten. Zuvor hatten relativ milde Temperaturen dafĂŒr gesorgt, dass die Reben in vielen Regionen bereits ausgetrieben hatten. In dieser Phase sind die BlĂŒten aber empfindlich gegenĂŒber Frost.
Besonders war demnach, dass der Frost nicht nur am Boden auftrat, sondern auch in Luftschichten in Pflanzenhöhe, die ĂŒblicherweise weniger betroffen sind. Der Deutsche Weinbauverband, aber auch viele regionale Winzer-Vertretungen hatten in den folgenden Tagen von SchĂ€den und befĂŒrchteten ErtragsausfĂ€llen berichtet.
Allianz-Experte: Hunderte Betriebe werden nicht ĂŒberleben
Manche Winzer sieht der Schadenleiter der Allianz-Agrar-Pflanzenversicherung, Martin HeiĂ, durch den Frost vor groĂen Schwierigkeiten: «Gerade die nicht versicherten Betriebe - oft die, die ihren Wein an Genossenschaften verkaufen - haben ein Problem. Da wird es einen erheblichen Strukturbruch geben», sagte er. «Hunderte Betriebe werden nicht ĂŒberleben.»
In Deutschland gab es dem Statistischen Bundesamt zufolge vergangenes Jahr rund 16.400 Weinbaubetriebe. Bundesweit sieht das Schadensbild nach Angaben der Allianz sehr unterschiedlich aus: «Wir gehen davon aus, dass etwa in den Weinbaugebieten in Ostdeutschland 90 bis 100 Prozent der RebflĂ€che deutlich geschĂ€digt ist», sagte HeiĂ. Diese Anbaugebiete seien zwar kleiner, Ă€hnlich sehe es aber auch in Franken und an der Mosel aus. «Die SchĂ€den dort sind sehr, sehr heftig. Wir sprechen verbreitet von mehr als 50 Prozent Ertragsverlust».
In den gröĂten deutschen Weinanbaugebieten Rheinhessen und Pfalz sehe es nicht ganz so schlecht aus. Glimpflich davongekommen seien etwa SĂŒdbaden und die Bodensee-Region, berichtete HeiĂ. Schulz vom DWI bestĂ€tigte, manche Regionen und Betriebe seien zwar vom Frost stark gebeutelt, die gröĂten Anbaugebiete jedoch weitgehend verschont geblieben. Extreme Auswirkungen beim Preis erwartet er durch die SchĂ€den daher nicht. Zahlreiche Winzer wĂŒrden sich zudem andere Absatzquellen erschlieĂen - zum Beispiel ĂŒber mehr Tourismus.
Die Versicherung Vereinigte Hagel schĂ€tzte den deutschlandweiten Schaden an Reben und Obst durch Frost und Hagel zuletzt auf mehr als 500 Millionen Euro. Laut Allianz-Agrar-Chef Alexander LĂŒhrig lĂ€sst sich die Höhe des entstandenen Schadens erst kurz vor der Weinlese zuverlĂ€ssig beziffern. Etwas mehr als die HĂ€lfte der bei der Allianz versicherten Winzer habe bereits einen Schaden gemeldet. «Die Schadenssumme wird im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen. Alles andere wĂŒrde mich wundern.»
Steigende Weinpreise
Die Lage auf dem deutschen Weinmarkt ist DWI-Angaben zufolge ohnehin angespannt. Auch wegen der inflationsbedingten Kaufkraftverluste griffen Verbraucherinnen und Verbraucher 2023 demnach hĂ€ufiger zu preiswerterem Wein aus dem Ausland. Der Preis fĂŒr heimische Weine im Lebensmitteleinzelhandel stieg um durchschnittlich 31 Cent auf 4,51 Euro je Liter - und damit stĂ€rker als der ihrer internationalen Pendants. Als Grund fĂŒr die Erhöhungen 2023 nannte das Weininstitut vor allem höhere Betriebskosten. Daher seien wohl auch in diesem Jahr gewisse Preissteigerungen nicht zu vermeiden, sagte Schulz.


