Sportgerichtshof, Lazio

Sportgerichtshof: Lazio Rom muss 69.333 Euro für Schwangerschafts-Diskriminierung zahlen

25.06.2026 - 02:30:35 | boerse-global.de

Der CAS verurteilt Lazio Rom zur Zahlung von 69.333 Euro an Maja Göthberg wegen Diskriminierung aufgrund ihrer Schwangerschaft.

CAS-Urteil: Lazio Rom muss 69.333 Euro an schwangere Spielerin zahlen
Sportgerichtshof - Eine schwangere Profifußballerin in einem Stadion, die Stärke und Entschlossenheit ausstrahlt, mit Fokus auf ihren Babybauch. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat ein wegweisendes Urteil gefällt: Der italienische Verein Lazio Rom muss der schwedischen Spielerin Maja Göthberg 69.333 Euro Entschädigung zahlen. Das Gericht stellte fest, dass der Verein die Schwangerschaft der Profifußballerin zum Anlass nahm, sich aus einem bereits bestehenden Arbeitsverhältnis zurückzuziehen.

WhatsApp-Nachrichten als Beweis

Der Fall begann im Sommer 2024. Göthberg, die maßgeblich am Aufstieg von Lazio in die Serie A beteiligt war, verhandelte über eine Vertragsverlängerung. Beide Seiten erzielten eine mündliche Einigung. Als die Spielerin ihre Schwangerschaft offenlegte, zog sich der Verein zurück – mit der Begründung, es sei kein rechtskräftiger Vertrag zustande gekommen.

Der CAS wies diese Argumentation zurück. Entscheidend waren WhatsApp-Nachrichten, die belegten, dass sich beide Parteien bereits über die wesentlichen Vertragspunkte einig waren. Die Richter stellten klar: Ein rechtsverbindlicher Arbeitsvertrag bestand bereits vor der Offenlegung der Schwangerschaft – auch ohne physische Unterschrift.

Vertraulichkeit verletzt

Das Gericht rügte zudem den Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten. Lazio Rom hatte die Information über die Schwangerschaft ohne Zustimmung an Mannschaftskolleginnen weitergegeben – ein klarer Verstoß gegen die medizinische Vertraulichkeit.

Die Entschädigungssumme setzt sich aus ausstehenden Gehaltszahlungen und immateriellen Schäden zusammen. Göthberg betonte: „Eine Schwangerschaft darf niemals als Hindernis für berufliche Möglichkeiten im Sport angesehen werden."

Anzeige

Das CAS-Urteil gegen Lazio Rom zeigt: Schwangerschafts-Diskriminierung kann teuer werden – 69.333 Euro plus Imageschaden. Sichern Sie sich jetzt den Leitfaden mit Checkliste, Musterklauseln und Datenschutz-Regeln. Jetzt kostenlosen Compliance-Leitfaden anfordern

Signal an die Branche

Die internationale Spielergewerkschaft FIFPRO bezeichnete das Urteil als bahnbrechend. Es bestätige, dass Vereine sich einem Arbeitsverhältnis nicht entziehen können, sobald sie von einer Schwangerschaft erfahren. Der Fall knüpft an ein ähnliches Urteil zugunsten von Sara Björk Gunnarsdóttir aus dem Jahr 2023 an und festigt die FIFA-Mutterschutzrichtlinien.

Experten sehen eine klare Warnung an Proficlubs: Vertragliche Verpflichtungen gegenüber Athletinnen gelten unabhängig von deren familiärer Planung. Das Urteil zeigt, dass im Profisport zunehmend arbeitsrechtliche Standards greifen, die über rein sportartspezifische Regelungen hinausgehen.

Vertragslaufzeiten: Deutschland bleibt flexibel

Anzeige

WhatsApp-Nachrichten als Beweis: Der CAS wertete selbst mündliche Einigungen als rechtsverbindlich. Wer als Verein Gesundheitsdaten weitergibt, riskiert Schadensersatz. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Vertraulichkeit wahren und Verträge schwangerschaftsfest machen. Leitfaden jetzt sichern

Parallel zu diesen Entwicklungen gibt es auch Klarstellungen bei der Vertragsgestaltung. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) bestätigte: Es gibt keine verpflichtende Obergrenze für Vertragslaufzeiten in der Bundesliga. Während in Frankreich maximal fünf Jahre und in Italien bis zu acht Jahre möglich sind, gibt die DFL lediglich eine unverbindliche Empfehlung von fünf Jahren ab.

Hintergrund ist das deutsche Teilzeit- und Befristungsgesetz, das bei längeren Laufzeiten ein Kündigungsrecht nach fünf Jahren vorsieht. Vereine nutzen diesen Spielraum bereits: Bayer Leverkusen band Francis Onyeka bis 2032. Diese Flexibilität unterstreicht die wachsende Komplexität des Sportarbeitsrechts – zwischen langfristiger Planungssicherheit und dem Schutz individueller Arbeitnehmerrechte, wie der Fall Göthberg zeigt.

de | wirtschaft | 69620831 |