Steinmeier mahnt in China fairen Handel an
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 10:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIn einer Rede an der Peking UniversitĂ€t forderte er, Ungleichgewichte in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und Deutschland beziehungsweise Europa abzubauen. Zudem appellierte er an China, auf Russland einzuwirken, um ein Ende des Ukraine-Krieges herbeizufĂŒhren.
Steinmeier sprach an der renommierten UniversitĂ€t, weil ihm diese die Ehrenprofessur verlieh. Er wurde von den Studentinnen und Studenten in der Aula mit langem Applaus begrĂŒĂt.
Steinmeier bekundete China ausdrĂŒcklich Respekt fĂŒr seine rasante wirtschaftliche, technologische und politische Entwicklung. Das Land sei eine "prĂ€gende Weltmacht" geworden. Dies muss aus Steinmeiers Sicht aber konkrete Folgen haben. "Mit GröĂe und Macht kommt groĂe Verantwortung." Die EuropĂ€er schauten auf den Aufstieg Chinas mit Wohlwollen, aber auch mit Erwartungen. "Wir haben keine Sorgen davor, dass China aufsteigt. Wir schauen jedoch darauf, wie China aufsteigt."
Warnung vor Ungleichgewicht in Wirtschaftsbeziehungen
Der BundesprĂ€sident mahnte Wirtschafts- und Handelsbeziehungen auf Augenhöhe zum Nutzen beider Seiten an. "Unser Ziel als EuropĂ€er ist klar: Wir wollen keine Abkopplung von China, sondern im Gegenteil: Wir wollen den Handel so gestalten, dass er fĂŒr beide Seiten weiterhin Vorteile bringt." Wettbewerb sei gut - "aber nur dann, wenn er auf der Grundlage von fairen und einheitlichen Regeln stattfindet".
Steinmeier sprach mit klaren Worten die aktuellen Probleme an, etwa den schwierigen Zugang westlicher Unternehmen zum chinesischen Markt und staatlich subventionierte chinesische Exporte, die in groĂer Menge nach Europa flieĂen. Dadurch entstehe die Gefahr einseitiger Verwundbarkeit. Dies könnten die EuropĂ€er fĂŒr ihre Wirtschaft nicht wollen - "so wie China es fĂŒr seine Wirtschaft nicht will".
Appell zur Mithilfe fĂŒr Beendigung des Ukraine-Kriegs
Steinmeier appellierte an China, seiner Verantwortung als Weltmacht bei der Beilegung von Konflikten und Kriegen wie in der Ukraine oder im Nahen und Mittleren Osten gerecht zu werden. "China ist stÀndiges Mitglied des Sicherheitsrates und hat enge Beziehungen mit Russland. Lassen Sie uns also gemeinsam darauf hinwirken, dass Russland seine Angriffe einstellt und in ernsthafte Verhandlungen eintritt."
Bei diesen Kriegen stĂŒnden auch die Interessen Chinas auf dem Spiel, betonte Steinmeier. Als groĂe Wirtschafts- und Handelsmacht sei das Land auf freie Seewege, intakte Lieferketten und eine sichere Energieversorgung angewiesen. "Je lĂ€nger diese Konflikte andauern, desto schwĂ€cher wird die gesamte Weltwirtschaft insgesamt und damit auch eine ihrer gröĂten Volkswirtschaften, nĂ€mlich China."
Warnung vor "Zauberlehrling"-Effekt bei KI
Steinmeier rief auĂerdem dazu auf, die groĂen Herausforderungen der Weltgemeinschaft gemeinschaftlich zu lösen. Als Beispiele nannte er den Klima- und Umweltschutz sowie den Umgang mit KĂŒnstlicher Intelligenz (KI). Gemeinsam sollte man bei der KI internationale Leitplanken setzen, damit die Technologie vom Menschen beherrschbar bleibe, sagte Steinmeier und bemĂŒhte dabei Goethes "Zauberlehrling": "Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los." Man dĂŒrfe die KrĂ€fte der KI nicht unbedacht entfesseln.
Regelbasierte Weltordnung auch im Interesse Chinas
Steinmeier betonte, der Erhalt der heute stark gefĂ€hrdeten regelbasierten internationalen Ordnung sei auch im Interesse der GroĂmacht China. Wie Deutschland lebe China von seiner groĂen ExportstĂ€rke und brauche daher ein MindestmaĂ an Berechenbarkeit und VerlĂ€sslichkeit. "Und beides entsteht nur aus Regeln, die von allen respektiert werden."
