Stellenabbau, Volkswagen

Stellenabbau in Industrie: Volkswagen, United Internet und Thyssenkrupp

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Thyssenkrupp, United Internet und Volkswagen planen Stellenabbau, während Discover einen Tarifabschluss erzielt und Evonik Bitterfeld aufgeben will.

Industrie im Umbau: Thyssenkrupp, VW und United Internet sparen
Leere, weitläufige Industriehalle mit poliertem Betonboden und minimalistischen Stahlkonstruktionen. Illustration mit AI erstellt.

In der deutschen Industrielandschaft zeichnet sich eine Phase tiefgreifender struktureller Anpassungen ab. Ein zentrales Beispiel für diesen Wandel ist die Entwicklung beim Essener Industriekonzern Thyssenkrupp. Die Konzernführung und der Betriebsrat haben sich auf einen Sozialplan für den Stellenabbau in der Konzernzentrale geeinigt.

Ziel dieser Maßnahme ist die Transformation des Unternehmens zu einer schlanken Finanzholding. Berichten zufolge sind zahlreiche Beschäftigte bereits aus dem Unternehmen ausgeschieden, um die Neuausrichtung der Verwaltungsstrukturen zu unterstützen.

Effizienzsteigerung und Stellenabbau bei United Internet

Neben der Schwerindustrie stehen auch Technologieunternehmen unter erheblichem Kostendruck. United Internet gab im September 2026 umfassende Restrukturierungsprogramme für die Tochtergesellschaften 1&1 Versatel und IONOS bekannt. Insgesamt sollen in diesen Bereichen rund 800 Vollzeitstellen abgebaut werden.

Bei 1&1 Versatel ist eine Reduzierung der Belegschaft von 1.350 auf rund 1.000 Vollzeitkräfte vorgesehen. Dieser Umbau verursacht im Geschäftsjahr 2026 voraussichtlich Kosten in Höhe von rund 60 Millionen Euro. Ab dem Jahr 2028 verspricht sich das Unternehmen davon einen positiven Ergebnisbeitrag von jährlich rund 25 Millionen Euro.

Parallel dazu plant IONOS, etwa 450 der insgesamt 3.800 Stellen zu streichen, wobei etwa die Hälfte des Abbaus Standorte im Ausland betreffen soll. Hierfür sind Sonderkosten von rund 35 Millionen Euro für das Jahr 2026 veranschlagt, denen ab 2027 Einsparungen von bis zu 30 Millionen Euro gegenüberstehen könnten.

Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert United Internet ein EBITDA von rund 1,45 Milliarden Euro bei einem korrigierten Konzernumsatz von rund 6,25 Milliarden Euro. Kapitalmarktbeobachter registrierten diese Ankündigungen mit einer gewissen Nervosität, was sich in Kursrückgängen der Aktien von United Internet und IONOS widerspiegelte.

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Massiver Umbau und Renditeziele im Automobilsektor

Besonders weitreichende Maßnahmen werden derzeit bei der Volkswagen AG vorbereitet. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, die operative Umsatzrendite bis zum Jahr 2030 auf 9 Prozent zu steigern, nachdem diese im ersten Halbjahr bei 3,8 Prozent gelegen hatte.

Ein bereits im Jahr 2024 geschlossener Tarifvertrag sieht den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland bis zum Ende des Jahrzehnts vor, wobei betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen ausgeschlossen wurden.

Aktuelle Planungen des Aufsichtsrats sehen jedoch einen noch schärferen Sparkurs vor. Ein beschlossener Zukunftsplan sieht den Abbau von weltweit rund 50.000 zusätzlichen Stellen vor, wovon etwa die Hälfte auf Standorte in Deutschland entfallen soll.

Interne Vorlagen deuten darauf hin, dass allein auf die Volumenmarken inklusive der Kernmarke VW rund 22.000 Arbeitsplätze entfallen könnten. Für Personalmaßnahmen bis zum Jahr 2030 sind laut Berichten bis zu 10 Milliarden Euro vorgesehen.

Zusätzlich plant Volkswagen die Einführung eines neuen Entgeltsystems zum 1. Januar 2027. Dieses System soll für alle Tarifbeschäftigten der VW AG in Deutschland gelten und die bisherige Trennung zwischen Lohn und Gehalt aufheben. Die IG Metall betonte in diesem Zusammenhang, dass durch den Besitzstandsschutz niemand beim tariflichen Monatsentgelt schlechter gestellt werde.

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Standortsicherungen und gewerkschaftliche Forderungen

Trotz der Sparbemühungen in vielen Sektoren gibt es auch Meldungen über erfolgreiche Tarifabschlüsse zur Standortsicherung und Vergütung. Die Lufthansa-Ferienfluggesellschaft Discover einigte sich mit der Gewerkschaft Verdi auf einen Tarifvertrag bis Ende 2027. Dieser sieht für das Kabinenpersonal eine monatliche Erhöhung von 450 Euro ab dem Jahr 2024 sowie jährliche Steigerungen von 5 Prozent in den Folgejahren vor.

Demgegenüber stehen Schließungspläne in der Chemieindustrie. Evonik plant, den Standort Bitterfeld Ende April 2027 aufzugeben, was auch Auswirkungen auf das dortige Branchenumfeld haben könnte. Branchenverbände warnen in diesem Kontext vor einem Dominoeffekt für das Mitteldeutsche Chemiedreieck, in dem rund 10.000 Menschen beschäftigt sind.

Die IG Metall bereitet sich unterdessen auf die kommende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie vor. Umfragen unter den Beschäftigten zeigen ein geteiltes Bild: Während knapp die Hälfte der Befragten moderate Entgelterhöhungen befürwortet, fordert ein Drittel kräftige Steigerungen.

In Baden-Württemberg wird eine Forderung nach dem Muster der Inflationsrate zuzüglich der Produktivitätsentwicklung erwogen. Die endgültigen Forderungen sollen Ende September durch die Gewerkschaftsgremien beschlossen werden.

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