Steuererklärung: Pilotprojekt im Juli macht Formular überflüssig
20.06.2026 - 00:39:14 | boerse-global.de
Die Neuerungen betreffen vor allem Unternehmen und Immobilieninvestoren – bei der Gewerbesteuer und der Grunderwerbsteuer. Parallel dazu plant die Bundesregierung eine umfassende Reform der Einkommensteuer, die im Juli im Koalitionsausschuss beraten werden soll.
Gewerbesteuer: Mindesthebesatz steigt drastisch
Ab 2027 klettert der Mindesthebesatz von 200 auf 280 Prozent. Ziel: rein steuermotivierte Sitzverlagerungen in Gemeinden mit extrem niedrigen Hebesätzen unterbinden.
Für Einzelunternehmer und Personengesellschaften bleibt die Mehrbelastung meist kompensiert. Grund: Die Gewerbesteuer wird bis zu einem Hebesatz von 400 Prozent auf die Einkommensteuer angerechnet. Kapitalgesellschaften wie GmbH oder AG trifft die Erhöhung dagegen direkt – bei ihnen gibt es keine Anrechnung auf die Körperschaftsteuer.
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Grunderwerbsteuer: Doppelbesteuerung bei Share-Deals ade
Bei komplexen Transaktionen soll künftig eine Doppelbesteuerung vermieden werden. Bisher konnten sowohl das Signing (schuldrechtliches Verpflichtungsgeschäft) als auch das Closing (dinglicher Vollzug) steuerbare Vorgänge auslösen. Die Neuregelung: Das Signing löst die abschließende Besteuerung aus, das Closing wird kein zusätzlicher steuerbarer Vorgang mehr.
Die Anzeigefristen werden einheitlich auf einen Monat verlängert – bisher betrug die Frist teilweise nur zwei Wochen. Die grunderwerbsteuerliche Gesamthandsfiktion hat der Gesetzgeber entfristet. Und eine weitere Änderung betrifft den Sport: Prämien der Stiftung Deutsche Sporthilfe für Olympia- und Paralympics-Erfolge sind künftig steuerfrei.
Einkommensteuer-Reform: Steuererklärung mit einem Klick?
Finanzminister Lars Klingbeil bereitet ein größeres Reformpaket vor. Ziel: Die Steuererklärung für viele Bürger vereinfachen oder sogar überflüssig machen. Ein zentraler Baustein: die Einführung einer Arbeitstagepauschale für Arbeitnehmer, die verschiedene Werbungskosten bündelt.
Für Rentner ist eine Rentenabzugsteuer im Gespräch. Rund 4,4 Millionen Rentner könnte das von der Pflicht zur Steuererklärung befreien. Zudem wird ein Rentner-Pauschbetrag von 102 Euro empfohlen. Anfang Juli startet ein bundesweites Pilotprojekt – Steuererklärung mit nur einem Klick.
NRW-Finanzminister Optendrenk knüpft eine Zustimmung der Länder an eine Bedingung: Der Bund muss entstehende Steuerausfälle vollständig übernehmen.
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Finanzgerichtsbarkeit und Verbände: Neue Impulse
Das Finanzgericht Niedersachsen entschied Mitte Juni: Das neue niedersächsische Grundsteuergesetz ist verfassungsgemäß. Geklagt hatte eine Eigentümerin einer Gewerbeimmobilie. Die Revision zum Bundesfinanzhof wurde zugelassen.
Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) begrüßt im Jahressteuergesetz 2026 die geplante Kodifizierung der Kaufpreisaufteilung bei Grundstücken. Allerdings fordert es mehr Methodenoffenheit beim Einzelnachweis und den Vorrang vertraglicher Aufteilungen.
Der DIHK legte ein Positionspapier zur erwarteten Erbschaftsteuerreform vor. Gefordert: eine Reduktion des Kapitalisierungsfaktors im Ertragswertverfahren und flexiblere Lohnsummenregelungen für Betriebe.
Globale Mindeststeuer: Automatisierter Austausch
Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der den automatisierten Austausch von Informationen über die globale Mindeststeuer regelt. Mindeststeuer-Berichte sollen künftig zentral in einem Land eingereicht und zwischen den Finanzbehörden geteilt werden. Das senkt den administrativen Aufwand für international tätige Konzerne.
