Steuerreform, Sozialabgaben

Steuerreform bis 2028: Sozialabgaben neutralisieren Entlastungen

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 11:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Steigende Sozialabgaben neutralisieren geplante Steuerentlastungen. Besonders kinderlose Singles und Gutverdiener müssen mit Nettoverlusten rechnen.

Steuerreform 2028: Sozialabgaben fressen Entlastung auf
Taschenrechner und Euro-Münzen auf einem Schreibtisch als Symbol für die finanzielle Belastung durch Sozialabgaben. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die für die kommenden Jahre geplanten steuerlichen Entlastungen der Bundesbürger könnten durch zeitgleich steigende Sozialabgaben weitgehend neutralisiert werden. Wie aktuelle Berechnungen des Finanzwissenschaftlers Frank Hechtner von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) für die Frankfurter Allgemeine Zeitung zeigen, drohen vielen Arbeitnehmern trotz der Steuerreform bis zum Jahr 2028 unterm Strich finanzielle Einbußen.

Nettoverluste für Singles und Gutverdiener

Hechtner analysierte die Nettoveränderungen für den Zeitraum zwischen 2026 und 2028 unter Berücksichtigung der geplanten Steuerreform sowie der prognostizierten Entwicklung der Sozialabgaben. Den Ergebnissen zufolge sind insbesondere kinderlose Singles von einer steigenden Belastung betroffen. Ein Single mit einem Bruttogehalt von 3.000 € pro Monat müsste demnach einen Rückgang des Nettoeinkommens von 44 € pro Jahr hinnehmen.

Mit steigendem Einkommen nimmt die zusätzliche Belastung deutlich zu. Bei einem monatlichen Bruttogehalt von 6.000 € beläuft sich das jährliche Minus auf 242 € netto. Für Spitzenverdiener mit einem Bruttoeinkommen von 9.000 € im Monat errechnete der Finanzwissenschaftler einen Kaufkraftverlust von 904 € pro Jahr. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die steuerlichen Erleichterungen nicht ausreichen, um die Mehrausgaben bei den Sozialversicherungen zu kompensieren.

Marginale Entlastungen für Familien und Alleinerziehende

Auch bei Haushalten mit Kindern fallen die tatsächlichen Entlastungen geringer aus als ursprünglich durch die Steuerreform avisiert. Eine Alleinerziehende mit einem Kind und einem Bruttoeinkommen von bis zu 5.500 € gewinne laut Hechtners Kalkulationen maximal 25 € netto im Jahr hinzu. Für eine Familie mit zwei Kindern und einer Einkommensverteilung von 6.000 € und 3.000 € brutto bleibe lediglich ein Plus von 44 € pro Jahr übrig.

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Ein Paar mit zwei Kindern, bei dem beide Partner jeweils 5.000 € brutto verdienen, könne mit einem Zuwachs von 148 € netto im Jahr rechnen. Im Gegensatz dazu stehen Doppelverdiener ohne Kinder, die jeweils 7.000 € brutto beziehen: In diesem Fall prognostizieren die Berechnungen einen Rückgang des verfügbaren Einkommens um 1.045 € pro Jahr.

Ursachen der steigenden Abgabenlast

Der Finanzwissenschaftler identifizierte zwei wesentliche Faktoren für die zunehmende Belastung der Arbeitnehmer. Zum einen werde der Rentenbeitrag bis zum Jahr 2028 voraussichtlich auf 19,9 % ansteigen. Zum anderen führen die steigenden Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung dazu, dass höhere Einkommensanteile für die Sozialversicherung herangezogen werden.

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Zusätzlich merken Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) an, dass die kalte Progression durch die derzeit geplante Steuerreform nicht vollständig ausgeglichen werde. Dies bedeute, dass inflationsbedingte Lohnsteigerungen weiterhin zu einer überproportional steigenden Steuerlast führen, was den Effekt der steigenden Sozialbeiträge zusätzlich verstärke. Die Kombination aus diesen Faktoren sorge dafür, dass die beabsichtigte steuerliche Entlastung bei einem Großteil der Steuerpflichtigen nicht in Form eines höheren verfügbaren Einkommens ankommt.

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