Steuersenkung, Arbeitnehmer

Steuersenkung 2026: Arbeitnehmer verlieren trotzdem Netto

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 03:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Steuerreform und Sozialabgaben lassen 2028 die Nettogehälter sinken. Die Entlastung fällt geringer aus als erhofft.

Nettoverluste trotz Steuerreform: Datev-Prognose bis 2028
Ein Schreibtisch mit einem Taschenrechner und Unterlagen, die finanzielle Belastungen und sinkende Nettolöhne symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Auswertungen und Berechnungen für die kommenden Jahre zeichnen ein ernüchterndes Bild für deutsche Arbeitnehmer. Trotz angekündigter Steuersenkungen und Entlastungspakete führen steigende Sozialabgaben und die Ausgestaltung der Steuerreform dazu, dass viele Beschäftigte im Jahr 2026 und darüber hinaus real weniger Netto von ihrem Bruttogehalt behalten können.

Datev-Auswertungen für das Jahr 2026

Eine Analyse des IT-Dienstleisters Datev belegt, dass die steuerlichen Anpassungen für das Jahr 2026 in vielen Einkommensgruppen kaum eine positive Wirkung entfalten. Für Singles mit einem Bruttoeinkommen von bis zu 5.500 Euro ergibt sich lediglich ein minimaler Nettozuwachs von 64 Euro pro Jahr. In anderen Konstellationen überwiegen bereits 2026 die Belastungen.

Besonders betroffen sind Verheiratete in niedrigeren Einkommensbereichen zwischen 2.000 und 2.500 Euro Brutto, die ein leichtes Minus bei ihrem verfügbaren Einkommen verzeichnen. Noch deutlicher fallen die Einbußen bei Topverdienern aus: Ein verheirateter Arbeitnehmer mit einem Bruttogehalt von 9.000 Euro in der Steuerklasse III verliert laut den Berechnungen bis zu 464 Euro netto im Jahr. Auch Alleinerziehende mit einem Kind und einem Bruttoeinkommen von 6.000 Euro müssen mit einem Rückgang von über 170 Euro netto rechnen.

Langfristige Perspektiven bis 2028

Analysen von Forschern der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) erweitern diesen Ausblick bis in das Jahr 2028. Ein wesentlicher Treiber für die sinkenden Nettolöhne ist der Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge. So wird erwartet, dass der Rentenbeitrag bis 2028 auf 19,9 Prozent steigen wird.

In der Folge prognostizieren die Experten für das Jahr 2028 trotz der geplanten Steuerreform weitere Nettoverluste. Ein Single mit 3.000 Euro Bruttoeinkommen verliert demnach 9 Euro pro Jahr. Bei höheren Einkommen verschärft sich die Situation: Bei 6.000 Euro Brutto beträgt das Minus 242 Euro, bei 6.500 Euro bereits 639 Euro und bei 9.000 Euro sinkt das Nettoeinkommen um 904 Euro pro Jahr.

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Gewinne fallen hingegen marginal aus. Alleinerziehende mit einem Kind und einem Bruttoeinkommen von bis zu 5.500 Euro können im Jahr 2028 mit einem maximalen Plus von 25 Euro rechnen. Bei Doppelverdienern zeigt sich ein gemischtes Bild: Während ein Paar mit gemeinsamem Bruttoeinkommen von 9.000 Euro (6.000 plus 3.000 Euro) etwa 44 Euro gewinnt, verliert ein Paar mit jeweils 7.000 Euro Brutto (insgesamt 14.000 Euro) rund 1.045 Euro netto.

Der Referentenentwurf zur Steuerreform

Die Bundesregierung plant über einen Referentenentwurf verschiedene Anpassungen, um die Bürger zu entlasten. Für das Jahr 2027 ist ein Entlastungsvolumen von 2.9 Milliarden Euro vorgesehen, das im Jahr 2028 auf 6.99 Milliarden Euro ansteigen soll. Nach Verrechnung mit geplanten Gegenfinanzierungen wird die Nettoentlastung mit 4.9 Milliarden Euro beziffert.

Wesentliche Bestandteile des Entwurfs sind:
* Anhebung des Grundfreibetrags: Dieser soll 2027 um 216 Euro und 2028 um weitere 336 Euro auf dann 12.900 Euro steigen.
* Erhöhung des Kindergeldes: Vorgesehen ist eine Anhebung um 8 Euro im Jahr 2027 und weitere 5 Euro im Jahr 2028 auf insgesamt 272 Euro.
* Anpassung der Reichensteuer: Ab einem Einkommen von 250.000 Euro soll ein Steuersatz von 45 Prozent greifen, ab 280.000 Euro sind 47 Prozent geplant.

Zur Gegenfinanzierung sieht der Entwurf unter anderem eine Senkung des Vereinsfreibetrags von 5.000 auf 1.000 Euro sowie die Streichung des Freibetrags bei Betriebsveräußerungen (45.000 Euro) vor. Zudem soll die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerkosten von 20 Prozent auf 15 Prozent sinken und die Pauschalsteuer für Minijobs von 2 Prozent auf 5 Prozent steigen.

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Kritik an der Umsetzung

Die Pläne stoßen auf deutliche Kritik. Vertreter der Union monieren, dass der Entwurf von SPD-Politikern nur etwa ein Drittel der ursprünglich versprochenen Entlastung von 10 Milliarden Euro tatsächlich umsetze. Ein zentraler Kritikpunkt ist der fehlende Ausgleich der kalten Progression, wofür nach Einschätzung der CDU etwa 8 Milliarden Euro notwendig wären. Auch aus der FDP wird kritisiert, dass eine Steuerreform ohne Progressionsausgleich unzureichend sei.

Die Koalition weicht mit dem aktuellen Entwurf von der üblichen Praxis ab, die kalte Progression systematisch auszugleichen. Dass nominale Entlastungen kaum im Portemonnaie ankommen, verdeutlicht das Beispiel eines Doppelverdienerpaares mit 10.000 Euro Bruttoeinkommen: Von einer nominalen Entlastung von 678 Euro bleiben nach Abzug aller Faktoren lediglich 148 Euro netto übrig.

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