Stromnetze, HĂ€fen, Offshore: Wie der Norden Tempo macht
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 17:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Wir werden nur, wenn wir unsere KrĂ€fte bĂŒndeln, weiter vorankommen", sagte Bremens Hafen- und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) nach der Wirtschafts- und Verkehrsministerkonferenz der KĂŒstenlĂ€nder in Bremen. Die gemeinsamen Vorhaben:
Gemeinsame AntrĂ€ge fĂŒr Hightech Agenda Deutschland
Die KĂŒstenlĂ€nder wollen die Hightech Agenda Deutschland nutzen, um Vorhaben in der Luft- und Raumfahrt, der maritimen Wirtschaft und der Windenergie voranzubringen und zu finanzieren. "Wir machen es zusammen, damit wir finanzstĂ€rker werden", sagte Vogt. Sonst könnten Unternehmen in LĂ€nder mit höheren Fördersummen abwandern.
Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Bremen soll lĂ€nderĂŒbergreifende AntrĂ€ge ausarbeiten, beim Hightech-Gipfel 2027 möchte der Norden zusammen auftreten.
Ausbau der Stromnetze
Die LĂ€nder fordern einen schnelleren Ausbau der Stromnetze und verbindlichere Ausbaupflichten, ZeitplĂ€ne und Berichtspflichten fĂŒr Netzbetreiber. In vielen Regionen fehlten AnschlusskapazitĂ€ten, vor allem in den Verteilnetzen. Das bremse Investitionen, Ansiedlungen und den Umstieg auf klimafreundliche Produktion.
Bisher gilt: Wer zuerst kommt, bekommt den Anschluss - auch wenn sein Vorhaben unsicher ist. "Das hat dazu gefĂŒhrt, dass Spekulanten sich NetzanschlĂŒsse gesichert haben", kritisierte Vogt. Der Norden setzt sich nun fĂŒr transparente, rechtssichere Verfahren ein, mit denen wichtige und realisierbare Projekte vorgezogen werden können.
Bau von Offshore-Konverterplattformen
Der Bau von Offshore-Konverterplattformen soll gestĂ€rkt werden. Die LĂ€nder fordern vom Bund, die bisherigen Ausbauziele nicht zurĂŒckzunehmen und die Plattformen stattdessen als SchlĂŒsseltechnologie zu definieren.
"Jetzt hakt es bei der Vergabe dieser Plattformen", sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU). Eine solche Plattform koste zwischen 2,5 und 3 Milliarden Euro. "Niemand investiert in KapazitĂ€ten, wenn er nicht weiĂ, wie es denn nun die nĂ€chsten Jahre um die AuftrĂ€ge aussieht."
Schutz der maritimen Industrie vor unfairem Wettbewerb
Der Norden möchte die maritime Industrie vor unfairem Wettbewerb schĂŒtzen. So stĂŒnden Monopile-Hersteller durch den Wettbewerb mit staatlich gestĂŒtzten chinesischen Anbietern unter Druck, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Maritimer Koordinator Jochen Schulte (SPD). Deshalb mĂŒsse sich die Bundesregierung auf europĂ€ischer Ebene fĂŒr wirksamen Schutz einsetzen. Ein Monopile ist ein Stahlpfahl, der als Fundament in den Meeresboden gerammt und fĂŒr Offshore-Windturbinen benötigt wird.
Maritimes Cluster Norddeutschland
Die fĂŒnf LĂ€nder setzen das Maritime Cluster Norddeutschland ab Januar fĂŒr weitere fĂŒnf Jahre fort und finanzieren es. Rund 370 Mitglieder aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung gehören dazu. "Gerade angesichts der wachsenden Bedeutung unserer HĂ€fen und der kritischen Infrastruktur in Nord- und Ostsee mĂŒssen wir unsere maritime Kompetenz weiter ausbauen", sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD).
Tempo bei Ausbau von Infrastruktur
Die Hinterlandanbindung der SeehĂ€fen soll verbessert und deren Finanzierung gesichert werden. Der Norden will das Tempo erhöhen und Planungen vorantreiben. "Bei GroĂprojekten wie der Autobahn 20 oder der A39 zwischen LĂŒneburg und Wolfsburg planen die Behörden unserer LĂ€nder teilweise nun schon seit fast 20 Jahren vor sich hin und beschĂ€ftigen eher Gerichte als Baufirmen", kritisiert Madsen. Grund seien stĂ€ndig neue Anforderungen auf EU-Ebene, die zu Beginn der Planungen teilweise nicht einmal existent waren. Eine Lösung könnte eine Stichtagsregelung sein.
