Strompreise, Gaspreise

Strompreise: Energieökonom erwartet Normalisierung erst 2029

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 18:51 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Ein Energieökonom rechnet wegen der weiterhin preissetzenden Gaskraftwerke erst in drei bis vier Jahren mit einer Rückkehr des Strompreises auf das Vorkrisenniveau. Die Debatte über Erneuerbare, Stromsteuer und Netzentgelte gewinnt damit an Bedeutung.

Gasmarkt prägt Stromkosten bis 2030

  • Hanns Koenig erwartet eine Rückkehr zu Strompreisen von 75 bis 80 Euro erst 2029 oder 2030.
  • Der Terminmarktpreis für die Lieferung im kommenden Jahr liegt derzeit über 150 Euro je Megawattstunde.
  • Gaskraftwerke könnten auch bei 90 Prozent erneuerbaren Energien in mehr als der Hälfte der Stunden preissetzend bleiben.
Strommast (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Strommarkt bleibt vom Gaspreis abhängig

Der hohe Gaspreis treibt den Strompreis am Terminmarkt weiter nach oben: Eine Megawattstunde zur Lieferung im kommenden Jahr kostet derzeit mehr als 150 Euro und damit fast doppelt so viel wie zu Jahresbeginn. Energieökonom Hanns Koenig erwartet eine Normalisierung auf das Vorkrisenniveau erst 2029 oder 2030.

Gaskraftwerke setzen oft den Preis

Koenig vom Beratungsunternehmen Aurora Energy Research begründet seine Einschätzung mit der Merit-Order des Strommarktes. Danach bestimmt das letzte zur Deckung der Nachfrage benötigte Kraftwerk den Preis, wobei trotz wachsender Erneuerbaren-Anteile häufig Gaskraftwerke zum Einsatz kommen.

Selbst bei einem Erneuerbaren-Anteil von 90 Prozent würden Gaskraftwerke nach Koenigs Einschätzung in mehr als der Hälfte der Stunden den Strompreis setzen. Für eine Rückkehr zu 75 bis 80 Euro je Megawattstunde müsse der Gaspreis bis dahin wieder auf etwa 30 Euro fallen.

Streit über politische Entlastung

SPD und Grüne setzen als Gegenmittel vor allem auf einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien. Die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nina Scheer, fordert, die Zahl der Stunden mit fossilen Kraftwerken so weit wie möglich zu senken.

Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, kritisiert zudem die bislang ausgebliebene Senkung der Stromsteuer. Er beanstandet außerdem, dass die Bundesregierung den Zuschuss zu den Netzentgelten um eine Milliarde Euro reduziert und damit die energieintensive Industrie zusätzlich belastet.

Der Strompreis am Terminmarkt wird stark vom jeweils teuersten noch benötigten Kraftwerk geprägt. Dieses Prinzip der Merit-Order führt dazu, dass Gaskraftwerke auch bei einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien den Börsenpreis bestimmen können, wenn Wind- und Solarstrom die Nachfrage nicht vollständig decken.

Der aktuelle Preisdruck trifft Haushalte und Unternehmen über unterschiedliche Kanäle. Neben den Beschaffungskosten wirken Netzentgelte, Steuern, Umlagen und die Vertriebsaufschläge der Anbieter auf den Endkundenpreis. Für die energieintensive Industrie sind hohe Großhandelspreise besonders relevant, weil Strom einen großen Anteil der Produktionskosten ausmacht.

Gas bleibt der entscheidende Preisfaktor

Die Erwartung einer Normalisierung erst 2029 oder 2030 macht deutlich, dass der Ausbau erneuerbarer Energien allein kurzfristig keine stabile Preisentlastung garantiert. Dafür braucht es zusätzlich Speicher, flexible Nachfrage, belastbare Netze und ausreichend regelbare Kraftwerke. Erst wenn diese Elemente zusammenspielen, sinkt die Zahl der Stunden, in denen teure Gaskraftwerke den Marktpreis setzen.

Für Verbraucher bedeutet die Entwicklung, dass sinkende Börsenpreise nicht automatisch sofort bei allen Tarifen ankommen. Haushalte mit laufender Preisbindung können zunächst geschützt sein, während neue Verträge schneller auf Marktveränderungen reagieren. Politisch bleibt damit die Frage zentral, ob Entlastungen über Steuern und Netzkosten kurzfristig helfen oder ob sie den strukturellen Umbau des Stromsystems nur überbrücken.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Erdgas-Börsenpreis steigt auf höchsten Stand seit Jahren“ (26.10.2026)

Der Beitrag ordnet den Gaspreisanstieg mit kaltem Wetter und Sorgen um das Angebot im Zusammenhang mit Spannungen im Nahen Osten ein. Damit bestätigt er den gasgetriebenen Preisdruck, setzt den Schwerpunkt aber auf die kurzfristigen internationalen Marktursachen statt auf die langfristige Strompreisprognose.

Deutschlandfunk: „Entlastungen - Union und SPD diskutieren weiter über Stromsteuer - unterschiedliche Vorschläge von Kretschmer und Bovenschulte“ (26.10.2026)

Der Deutschlandfunk berichtet über die politische Debatte zur Finanzierung einer möglichen Stromsteuersenkung. Der Artikel ergänzt damit die energieökonomische Perspektive um die Frage, wie der Staat Haushalte und Unternehmen kurzfristig entlasten kann.

Gemeinsam ist den Beiträgen der Fokus auf den aktuellen Kostendruck bei Energie. Unterschiede bestehen beim Schwerpunkt: Während der Gasmarkt und die internationale Lage im Vordergrund stehen, richtet sich der politische Blick auf Steuerentlastungen.

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