Arbeitsmarkt

Studie: Mehr Tarifbindung erhöht Lohnquote nicht automatisch

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 10:49 Uhr | dts-nachrichtenagentur.de

Der neue Aktionsplan der Bundesregierung zur StĂ€rkung der Tarifbindung basiert nach EinschĂ€tzung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf einer fragwĂŒrdigen Grundannahme.

Studie: Mehr Tarifbindung erhöht Lohnquote nicht automatisch
Arbeiter Gleisanlage (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf ein Gutachten des IW.

Das Gutachten kommt zu dem Schluss: Mehr TarifvertrĂ€ge fĂŒhren nicht automatisch zu einer höheren Lohnquote - also einem grĂ¶ĂŸeren Anteil der Arbeitnehmer am Volkseinkommen. Damit stellt das arbeitgebernahe Institut eine zentrale Hoffnung hinter dem Vorhaben infrage, das die Tarifabdeckung von derzeit knapp 50 Prozent auf die EU-Zielmarke von 80 Prozent heben soll.

IW-Ökonom Christoph Schröder belegt seine These mit einem Vergleich von mehr als 20 europĂ€ischen LĂ€ndern. Frankreich kommt demnach auf nahezu 100 Prozent Tarifabdeckung, Deutschland auf 49 Prozent, Estland auf weniger als ein Prozent - die Lohnquoten der drei LĂ€nder liegen trotzdem nah beieinander. Umgekehrt haben die drei LĂ€nder mit der höchsten Lohnquote - Lettland, Kroatien und Frankreich - eine Tarifabdeckung, die zwischen 33 und fast 100 Prozent schwankt. Auch der historische Blick liefert kein anderes Bild: In DĂ€nemark stieg die Tarifgeltung zwischen 2002 und 2018 deutlich, die Lohnquote sank trotzdem um sechs Prozentpunkte; in Großbritannien und Estland verlief es genau umgekehrt.

Fazit der Studie: Die politische Hoffnung, ĂŒber mehr Tarifbindung die Verteilung zwischen Arbeit und Kapital spĂŒrbar verschieben zu können, sei empirisch nicht gedeckt. Die Lohnquote sei weniger das Ergebnis von Tarifverhandlungen als von ProduktivitĂ€t, KapitalintensitĂ€t und wirtschaftlicher Dynamik. Die deutsche Lohnquote liegt laut IW bei 70 Prozent - und damit höher als in LĂ€ndern, in denen bereits mehr als 80 Prozent der BeschĂ€ftigten nach Tarif bezahlt werden.

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