Süßwarenindustrie, Beschäftigte

Süßwarenindustrie: 17.000 Beschäftigte streiken für 5,8% Lohnplus

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Warnstreiks legen Haribo-Stammwerk lahm. NGG fordert 5,8 Prozent mehr Lohn, Arbeitgeber bieten zwei Prozent. Verhandlungen im August.

Haribo-Streik in Bonn: Tarifkonflikt in der Süßwarenindustrie eskaliert
Beschäftigte der Süßwarenindustrie bei einer Protestkundgebung vor einem Werkstor während eines Warnstreiks. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der deutschen Süßwarenindustrie eskaliert der Tarifkonflikt. Am heutigen Freitag legten Beschäftigte am Haribo-Stammwerk in Bonn sowie an mehreren Standorten in der Region Aachen die Arbeit nieder.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) reagiert damit auf das aus ihrer Sicht unzureichende Angebot der Arbeitgeberseite. Rund 17.000 Beschäftigte der Branche in Nordrhein-Westfalen sind von den Verhandlungen betroffen.

Produktionsausfälle am Bonner Haribo-Stammwerk

Am Standort Bonn-Kessenich läuft seit 5 Uhr früh ein 18-stündiger Warnstreik. Er dauert bis 23 Uhr an. Sowohl die Früh- als auch die Spätschicht sind betroffen – das sind etwa 450 bis 600 Mitarbeitende.

Die Folge: Erhebliche Produktionsstörungen bei bekannten Artikeln wie Lakritzschnecken oder der Mischung Colorado. Für den Mittag ist eine zentrale Protestkundgebung am Werkstor in Bonn geplant.

Die NGG begründet die Maßnahme mit wachsender Unzufriedenheit über die Arbeitsbedingungen und die stockenden Tarifgespräche. Bereits gestern hatte die Gewerkschaft deutliche Kritik an den Bedingungen beim Süßwarenhersteller geübt.

Ausweitung der Arbeitsniederlegungen in NRW

Parallel zum Streik in Bonn rief die Gewerkschaft zu einer 24-stündigen Arbeitsniederlegung in der Region Aachen auf. Rund 1.000 Beschäftigte versammelten sich zu einer Demonstration auf dem Aachener Bendplatz.

Betroffen sind namhafte Unternehmen der Branche: Lindt, Lambertz, Bon Gelati, Solent, Biscuit International und Otten.

Die Aktionen sind Teil einer bundesweiten Streikwelle. Bereits am Dienstag dieser Woche kam es in Schleswig-Holstein zu Warnstreiks. Sie trafen unter anderem die Marmeladenfabrik Bad Schwartau sowie die Lübecker Betriebe Niederegger und Carstens Marzipan. In Niedersachsen streikten am Dienstag und Mittwoch rund 800 Beschäftigte in Lüneburg und Georgsmarienhütte bei Herstellern wie Bahlsen, Lorenz und Mövenpick.

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Differenzen bei Lohnforderungen und Laufzeiten

Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung von 5,8 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Ein Mindestbetrag von 225 bis 235 Euro pro Monat soll vor allem untere Lohngruppen entlasten.

Die Arbeitgeberseite bietet eine Erhöhung von insgesamt 2 Prozent an – in zwei Schritten über 24 Monate. Zusätzlich sind Einmalzahlungen von insgesamt 312 Euro vorgesehen.

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) verweist auf die Belastungen der Unternehmen durch hohe Energie- und Logistikkosten. Die wirtschaftliche Lage der Branche zeigt sich auch in der Produktionsmenge: Sie sank im Jahr 2025 um 4 Prozent auf 3,73 Millionen Tonnen.

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Konflikte in der Milchwirtschaft und Debatte um Arbeitszeiten

Die angespannte Tariflage zeigt sich auch in anderen Bereichen der Lebensmittelindustrie. In der bayerischen Milchwirtschaft kam es gestern zu Warnstreiks in vier großen Molkereien, darunter Meggle und Bauer. Die Arbeitgeber hatten eine Zusage über zusätzliche Entlastungstage zurückgezogen. Dort fordert die NGG 4,1 Prozent mehr Lohn für rund 19.000 Betroffene.

In anderen Regionen wie Hessen oder bei Hochwald Foods konnte hingegen bereits eine Einigung über 2,5 Prozent mehr Lohn erzielt werden.

Zusätzlich warnt die Gewerkschaft vor Plänen zur Reform des Arbeitszeitgesetzes. Eine mögliche Ausweitung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 73,5 Stunden in Ausnahmefällen sieht sie kritisch. Das erschwere die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – und das Unfallrisiko sei nach zwölf Arbeitsstunden statistisch doppelt so hoch.

Die Tarifverhandlungen für die Süßwarenindustrie in Nordrhein-Westfalen sollen am 13. August fortgesetzt werden. In anderen Regionen sind Termine bis zum 20. August angesetzt.

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