Tabaksteuer: Zigarettenpackung soll bis 2030 im Schnitt 12 Euro kosten
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Bundestag hat eine deutliche Anhebung der Tabaksteuer auf den Weg gebracht. Die Neuregelung sieht eine stufenweise Erhöhung der Abgaben über einen Zeitraum von vier Jahren vor. Der Bundesrat erhob am 16.10.2026 keine Einwände gegen den am Tag zuvor vom Bundestag beschlossenen Gesetzentwurf. Mit der Maßnahme soll ein Beitrag zur Konsolidierung des Bundeshaushalts geleistet werden.
Verschärfte Vorgaben zur Konsolidierung des Bundeshaushalts
Die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD hatten die finanzielle Belastung für die Tabak- und Nikotinwirtschaft im parlamentarischen Verfahren kurzfristig verschärft. Über einen gemeinsamen Änderungsantrag zum Entwurf des Tabaksteuergesetzes (BT-Drucksache 21/7859) wurden die Abgabensätze gegenüber den ursprünglichen Plänen weiter angehoben.
Konkret steigt die Zigarettensteuer im Jahr 2027 auf 14,34 Cent je Stück zuzüglich 21,05 Prozent des Verkaufspreises. Bis zum Jahr 2030 klettert der Satz schrittweise auf 18,57 Cent je Stück plus unverändert 21,05 Prozent des Verkaufspreises.
Für Verbraucher führt dies zu spürbaren Preissteigerungen: Eine Packung Zigaretten wird im Jahr 2030 im Durchschnitt voraussichtlich rund 12 Euro kosten, was einem Anstieg von knapp 4 Euro im Vergleich zum aktuellen Niveau entspricht.
Die Erhöhungen beschränken sich nicht allein auf klassische Zigaretten. Auch geschnittener Tabak sowie Liquids für E-Zigaretten werden höher besteuert. Für Zigarren, Zigarillos sowie Pfeifen- und Shisha-Tabak greift die Neuregelung erst ab dem 1.3.2027. Für das Jahr 2027 werden aus der Tabaksteuer Steuermehreinnahmen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro erwartet.
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Verband warnt vor Einbrüchen und Schwarzmarkt
Gegen die verabschiedeten Steuerpläne regt sich deutlicher Widerstand aus der Branche. Der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) kritisierte am 19.10.2026 die im Gesetzgebungsverfahren nochmals verschärften Vorgaben.
Der Verband warnt vor gravierenden Folgen: Die drastischen Steuersteigerungen könnten zu einem wachsenden Schwarzhandel, sinkenden Umsätzen im legalen Markt und letztlich zu ausbleibenden Mehreinnahmen für den Fiskus führen.
Als Beleg verweist der BVTE auf die Erfahrungen aus den Jahren 2002 bis 2005, als der legal versteuerte Absatz nach Steuererhöhungen massiv einbrach und die staatlichen Einnahmeerwartungen verfehlt wurden.
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Auch die nun bis 2030 eingeplanten Mehreinnahmen von bis zu 11,8 Milliarden Euro seien kaum realisierbar. Nach Angaben des BVTE lagen die Einnahmen aus der Zigarettensteuer in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 bereits um 9,3 Prozent im Minus.
Zudem bemängelt der Verband das parlamentarische Vorgehen: Den Verbänden seien lediglich 22 Stunden Zeit für eine Stellungnahme eingeräumt worden. Gleichzeitig bleibe das Potenzial einer Besteuerung von Nikotinbeuteln weiterhin ungenutzt. Aus der Industrie kommen ebenfalls Forderungen nach mehr Stabilität; so plädiert der Hersteller Reemtsma für schrittweise und langfristig planbare Anpassungen der Tabaksteuer, um Marktverwerfungen zu verhindern.
