Tankrabatt: 2,485 Milliarden Euro Mindereinnahmen für den Staat
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung hat die Energiesteuer auf Benzin und Diesel gesenkt, um Verbraucher bei den Kraftstoffpreisen zu entlasten. Die befristete Maßnahme läuft bis Ende Dezember und reduziert den Steuersatz um 14,04 Cent pro Liter.
Unter Berücksichtigung des damit einhergehenden geringeren Mehrwertsteuereffekts ergibt sich eine rechnerische Entlastung von 16,7 Cent pro Liter. Wie das Bundesfinanzministerium mitteilte, erstreckt sich die Steuersenkung auch auf steuerlich gleichgestellte Kraftstoffe wie HVO.
Fiskalische Auswirkungen und logistische Verzögerungen
Die Steuersenkung gilt seit dem 1. Oktober 2026 für Kraftstoffmengen, die ab Mitternacht neu aus Raffinerien oder Tanklagern ausgeliefert werden. Vorhandene Bestände an den Zapfsäulen unterlagen noch dem regulären Steuersatz, weshalb Tankstellenbestände zunächst teurer bleiben konnten.
Dennoch meldete der Informationsdienst Tankerkönig zwischen 23:41 und 0:41 Uhr ein Sinken der bundesweiten Durchschnittspreise um rund 10 bis 11 Cent pro Liter. Der Tankstellenverband Fuels und Energie hatte zum 1. Oktober eine vollständige Weitergabe ab Mitternacht erwartet, und das Mineralölunternehmen Aral sagte eine komplette Weitergabe der Vergünstigung zu.
Ökonom Henning Vöpel verwies jedoch darauf, dass eine dauerhafte Weitergabe an die Autofahrer ungewiss bleibe. Auf staatlicher Seite führt die Maßnahme zu erheblichen Einnahmeausfällen. Die Bundesregierung beziffert die erwarteten Mindereinnahmen konkret auf 2,485 Milliarden Euro, während allgemein von rund 2,5 Milliarden Euro ausgegangen wird.
Diese Summe tragen Bund und Länder zu gleichen Teilen, womit auf die Länder 1,25 Milliarden Euro entfallen. Medienberichten zufolge belaufen sich die Gesamtkosten für Bund und Länder im Jahr 2026 sogar auf 4,1 Milliarden Euro. Eine Bilanz der Maßnahme plant die Bundesregierung spätestens für Anfang 2027.
Preisentwicklung an den Zapfsäulen und Marktaufsicht
Nach Erhebungen des ADAC lagen die Kraftstoffpreise am Morgen um 8 Uhr im Vergleich zum Vortag bei Super E10 um 14,5 Cent pro Liter und bei Diesel um 15,2 Cent pro Liter niedriger. Am vorherigen Mittwoch lag der Tagesdurchschnitt des Automobilclubs für E10 bei 2,242 Euro pro Liter sowie für Diesel bei 2,390 Euro pro Liter.
Der Bund beziffert die Mindereinnahmen aus der Energiesteuersenkung auf 2,485 Milliarden Euro — eine gesetzliche Pflicht zur Weitergabe an die Zapfsäule gibt es nicht. Wie viel von den rechnerisch 16,7 Cent pro Liter bei Pendlern tatsächlich ankommt, hängt von der Kalkulation der Konzerne ab. Unser kostenloser Report rechnet nach, was die Entlastung für Ihre monatliche Fahrleistung bedeutet. Report zur Tankrabatt-Wirkung jetzt anfordern
Bis 11:45 Uhr kostete E10 demnach 2,052 Euro pro Liter und Diesel 2,197 Euro pro Liter, bevor die Preise bis 12:15 Uhr um rund 20 Cent pro Liter anzogen. Kurz nach Mittag zahlten Autofahrer im Schnitt 14 bis 15 Cent pro Liter weniger.
Die Weitergabe der Steuervorteile steht unter Beobachtung. Das Bundeskartellamt betonte am 1. Oktober 2026, dass keine gesetzliche Pflicht zur Weitergabe bestehe, kündigte aber eine genaue Kontrolle an. Beim vorangegangenen Tankrabatt im Mai und Juni hatten die Konzerne nach Angaben der Behörde 82 Prozent der Entlastung bei Diesel und 78 Prozent bei Benzin weitergegeben.
Das Ifo-Institut schätzte die damalige Weitergabe bis zum 25. Juni auf 12 Cent pro Liter bei Diesel, 17 Cent bei Super E5 und 16 Cent bei Super E10. Auch die Monopolkommission stellte fest, dass die Senkung seinerzeit größtenteils, aber regional unterschiedlich und nicht vollständig ankam. Derzeit führt das Bundeskartellamt zudem Verfahren gegen 12 Raffinerieunternehmen bezüglich Einkaufspreisen, Margen und Produktionskosten.
Kritik von Wirtschaftsforschern und Verbraucherschützern
Wirtschaftswissenschaftler und Verbände äußern deutliche Zweifel an der Wirksamkeit der Entlastung. Ifo-Chef Clemens Fuest bezeichnete die Maßnahme als ungeeignet, da Autofahrer bei 1.000 Kilometern Fahrleistung pro Monat und einem Verbrauch von 6 Litern auf 100 Kilometern lediglich 10 Euro monatlich sparten, während die volkswirtschaftlichen Kosten bei 2,5 Milliarden Euro lägen.
Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts mit durchschnittlich 900 Kilometern monatlicher Fahrleistung und einem Verbrauch von 7 bis 8 Litern ergibt sich über drei Monate rechnerisch eine Ersparnis von gut 32 bis knapp 37 Euro.
Auch DIW-Experte Tomaso Duso betonte, dass vor allem Vielfahrer mit großen Fahrzeugen und höheren Einkommen begünstigt würden, während Haushalte ohne Pkw leer ausgingen.
Ob die Entlastung dauerhaft an der Zapfsäule ankommt, bleibt laut Ökonomen ungewiss — und Haushalte ohne Pkw gehen ohnehin leer aus. Wer sein Budget unabhängig vom Steuersatz senken will, findet in unserem kostenlosen Report konkrete Spritspar-Strategien für Pendler und einen Überblick über die geplanten Steuerentlastungen für 2026. Spritspar-Strategien für Pendler jetzt sichern
Eine Untersuchung der RWTH Aachen ergab für das Frühjahr, dass die einkommensschwächsten zehn Prozent der Haushalte durchschnittlich 6,48 Euro pro Monat sparten, die einkommensstärksten zehn Prozent hingegen 21,64 Euro und besonders wohlhabende Haushalte bis zu 31 Euro. Sowohl Forschungsinstitute als auch der Verbraucherzentrale Bundesverband fordern stattdessen gezielte Direktzahlungen.
Die Bundesregierung bereitet solche Direktauszahlungen für besonders Betroffene vor und strebt zudem Gespräche über einen Preisdeckel an, der spätestens zum 1. Januar 2027 greifen soll. Kartellamtspräsident Andreas Mundt warnte diesbezüglich jedoch, dass ein zu hoher Deckel zum Markt-Orientierungspreis werden und ein zu niedriger Deckel Kraftstoffmangel auslösen könne.
