Tankrabatt: Ifo sieht nur teilweise Weitergabe der 17-Cent-Senkung
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 08:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Das Ifo-Institut sieht den seit 1. Oktober geltenden Tankrabatt in den ersten fünf Tagen nur teilweise an den Zapfsäulen ankommen.
Diesel und Benzin im Vergleich
Beim Diesel gaben Tankstellen nach Berechnungen der Münchner Wirtschaftsforscher durchschnittlich 15 Cent der Steuersenkung von 17 Cent je Liter weiter. Beim Superbenzin E5 waren es gut 16 Cent, bei Super E10 rund 15 Cent, sagte Ifo-Experte Florian Neumeier.
Die Weitergabe schwankte demnach deutlich. Am 1. Oktober sei der Rabatt vollständig weitergegeben worden, am Wochenende dagegen unvollständig. Bei E10 sank die errechnete Weitergabe von Donnerstag bis Sonntag um etwa sieben Cent. Am Montag zeigte sich laut Ifo wieder eine weitgehende Weitergabe von mehr als 15 Cent.
Vergleich mit Auslandspreisen
Beim Diesel verlief die Entwicklung ähnlich, allerdings mit geringeren Ausschlägen. Für die Schätzung verglich das Ifo die Preise in Deutschland mit denen im Ausland. Dadurch sollten allgemeine Schwankungen etwa durch den Ölpreis herausgerechnet werden.
Kritik am Tankrabatt
Der Bund verzichtet mit der Maßnahme auf Energie- und Mehrwertsteuer in Höhe von 16,7 Cent je Liter. Neumeier kritisierte, der Rabatt schwäche den Anreiz zum Energiesparen und verzerrte Kaufentscheidungen. Sein Ifo-Kollege Christian Gréus bezeichnete die Entlastung als wenig zielgenau: Haushalte mit geringem Einkommen, kleinen Autos und geringer Kilometerleistung profitierten kaum.
Das Ifo will erneut einen Tracker zur Weitergabe des Rabatts online stellen. Bei den früheren Tankrabatten im Mai und Juni waren die Wirtschaftsforscher ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass der Nachlass nicht vollständig weitergegeben wurde.
Branchenverband widerspricht
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erklärte dagegen, ohne den Tankrabatt wären die Preise an den Stationen seiner Mitglieder seit Anfang Oktober jederzeit um 17 Cent je Liter höher gewesen. Zugleich räumte der Verband ein, keine Aussage zum gesamten deutschen Markt mit rund 14.000 Tankstellen treffen zu können; seine Mitglieder vertreten etwa die Hälfte davon.
Warum die Weitergabe schwankt
Der Tankrabatt senkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel seit dem 1. Oktober zunächst für drei Monate um 16,7 Cent je Liter. An der Zapfsäule hängt die tatsächliche Entlastung jedoch nicht allein von der Steuer ab: Rohölpreise, Wechselkurse, Einkaufskosten und die tägliche Preisgestaltung der Tankstellen wirken ebenfalls auf den Endpreis.
Die ersten Tage zeigen deshalb ein wechselhaftes Bild. Nach dem deutlichen Rückgang zum Start stiegen die Durchschnittspreise insbesondere bei Super E10 wieder. Der ADAC bezifferte die Entlastung am Sonntag gegenüber dem 30. September auf 10,4 Cent bei E10 und 13,7 Cent bei Diesel. Das Ifo kommt mit seinem Vergleich deutscher und ausländischer Preise zu einer anderen, methodisch breiter angelegten Einschätzung der Weitergabe.
Bedeutung für Haushalte
Für Autofahrer bedeutet die Differenz zwischen Steuerentlastung und Preisrückgang eine geringere Ersparnis als politisch angekündigt. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern entsprechen zwei Cent Unterschied einem Euro; bei regelmäßigem Pendeln summieren sich solche Abweichungen. Besonders wenig zielgenau ist die Maßnahme für Haushalte mit geringem Einkommen, kleinen Autos und geringer Fahrleistung, weil sie absolut weniger Kraftstoff verbrauchen.
Streit über die Wirkung
Die Debatte dürfte anhalten, weil der Branchenverband die vollständige Weitergabe an den eigenen Stationen erklärt, zugleich aber nur etwa die Hälfte des deutschen Tankstellenmarktes abdeckt. Frühere Auswertungen der Monopolkommission hatten einen Teil des Entlastungsvolumens bei Mineralölkonzernen verortet. Der angekündigte Ifo-Tracker soll die Preisentwicklung für Verbraucher nun über die ersten Tage hinaus nachvollziehbar machen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesspiegel: „2,137 Euro pro Liter Super: Sprit ist inzwischen teurer als zu Beginn des Tankrabatts“ (05.10.2026)
Der Bericht hebe hervor, die Durchschnittspreise lägen wenige Tage nach dem Start wieder über dem Niveau vom Donnerstag und ein Teil der anfänglichen Entlastung sei bereits verschwunden. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich auf ADAC-Preisbeobachtungen und die schwierige Vergleichbarkeit verschiedener Ausgangstage; zugleich bestätige er den Streit zwischen Branchenverband und Wirtschaftsforschern über die Weitergabe.
BR24: „ADAC: Tankrabatt verpufft teilweise schon wieder“ (05.10.2026)
BR24 berichte, die Entlastung schrumpfe nach Einschätzung des ADAC besonders bei Super E10 bereits wieder zusammen, und nenne konkrete Durchschnittspreise für E10 und Diesel. Der Schwerpunkt liege damit auf der Entwicklung für Verbraucher und ergänze die Ifo-Schätzung um die Vorgeschichte des zweiten Tankrabatts sowie frühere Berechnungen zur Verteilung der Entlastung.
Beide Berichte bestätigten den anfänglichen Preisrückgang und die anschließende Abschwächung, setzten den Schwerpunkt jedoch auf ADAC-Daten statt auf die Ifo-Methode. Offen bleibe, wie sich kurzfristige Marktbewegungen, unterschiedliche Vergleichszeiträume und die Preise der nicht vom Branchenverband vertretenen Tankstellen auf die Gesamtbilanz auswirkten.
