Tarifkonflikt, NGG

Tarifkonflikt eskaliert: NGG streikt für 5,8% Lohnplus

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Warnstreiks in Süßwaren- und Milchindustrie treffen auf massive Stellenstreichungen im Maschinenbau. Die Tarifkonflikte spitzen sich zu.

Deutsche Industrie: Warnstreiks und Stellenabbau belasten Konjunktur
Moderne Industriehalle mit verschwommenen Silhouetten von Arbeitern vor einer hochtechnisierten Produktionsanlage. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutsche Industrie steckt in einer Zangenbewegung: Während die Gewerkschaft NGG mit massiven Warnstreiks in der Süßwaren- und Milchwirtschaft den Druck auf die Arbeitgeber erhöht, kündigen Unternehmen im Maschinenbau einen deutlichen Stellenabbau an. Die Lage hat sich in den vergangenen Tagen spürbar verschärft.

Tausende legen Arbeit in der Süßwarenindustrie nieder

Am 24. Juli kam es in Nordrhein-Westfalen zu umfangreichen Warnstreiks in der Süßwarenbranche. In Aachen versammelten sich rund 1.300 Beschäftigte von sechs verschiedenen Herstellern – darunter Lindt und Lambertz – zu einer zentralen Kundgebung auf dem Bendplatz.

Zeitgleich wurde das Stammwerk von Haribo in Bonn bestreikt. Nach Angaben der NGG beteiligte sich etwa die Hälfte der Frühschicht an dem 18-stündigen Ausstand. In der Spätschicht sei der Anteil sogar noch höher gewesen. Die Unternehmensführung von Haribo gab die Teilnehmerzahl hingegen im niedrigen zweistelligen Bereich an.

Hintergrund der Streiks sind die stockenden Tarifverhandlungen. Die NGG fordert eine Lohnerhöhung um 5,8 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten – mindestens jedoch ein Plus von 230 Euro pro Monat. Die Arbeitgeber bieten eine zweistufige Erhöhung von jeweils 2,0 Prozent für die Jahre 2026 und 2027, ergänzt um Einmalzahlungen von insgesamt 312 Euro. Die Gewerkschaft wies das Angebot als unzureichend zurück. Die vierte Verhandlungsrunde ist für den 13. August angesetzt.

Milchindustrie weitet Arbeitskämpfe aus

Bereits einen Tag zuvor weiteten sich die Arbeitskämpfe auf die Milchindustrie in Bayern aus. In mehreren Molkereien in Oberbayern und Oberfranken kam es zu Warnstreiks. Die NGG fordert dort ein Lohnplus von 4,1 Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr sowie eine Erhöhung der Vergütung für Auszubildende um 80 Euro. Zusätzlich verlangt die Gewerkschaft fünf bezahlte freie Tage extra.

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Die Arbeitgeberseite bietet bislang eine Steigerung von 2,1 Prozent über einen Zeitraum von 13 Monaten an. Die Verhandlungen sollen am 10. und 11. August fortgesetzt werden.

Maschinenbau: Hunderte Stellen fallen weg

Parallel zu den Tarifauseinandersetzungen sorgen Restrukturierungspläne im Maschinenbau für Unruhe. Der Dürr-Konzern gab am 24. Juli bekannt, bei seiner Tochtergesellschaft BBS Automation weltweit rund 500 Stellen zu streichen. Davon entfallen etwa 200 Arbeitsplätze auf die deutschen Standorte Garching, Hallbergmoos, Sonthofen und Freiberg am Neckar.

Das Unternehmen begründete den Schritt mit einer schwachen Konjunktur und rückläufigen Bestelleingängen. Ziel sei eine jährliche Einsparung von 30 Millionen Euro. Betriebsbedingte Kündigungen schloss das Unternehmen nicht aus.

Auch bei der Walter AG in Münsingen drohen Konflikte. Der Betriebsrat und die IG Metall kündigten am 23. Juli Widerstand gegen die geplante Verlagerung der Rohlingsfertigung nach Schweden an. Bei Kundgebungen machten die Beschäftigten ihre Forderung nach dem Erhalt des Standortes deutlich.

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Interne Querelen bei ZF Friedrichshafen

In der Automobilzulieferindustrie eskalierte zudem ein interner Streit im Betriebsrat von ZF Friedrichshafen. Die Fraktion der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) leitete am 23. Juli ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Betriebsratsvorsitzenden Achim Dietrich ein. Der Vorwurf: Er habe das Gremium für die Interessen der IG Metall missbraucht. Eine erste Anhörung fand am 24. Juli vor dem Arbeitsgericht Ravensburg statt.

Auch international brodelt es

Über die nationalen Grenzen hinaus begann am 24. Juli ein siebentägiger Streik im nordirischen Sägewerk Balcas bei Enniskillen. Rund 150 Arbeiter protestieren dort gegen ein Lohnangebot der Muttergesellschaft Glennon Brothers, das eine Erhöhung von 50 Pence pro Stunde vorsieht. Die Gewerkschaft Unite verwies auf die erzielten Gewinne des Unternehmens und warnte vor erheblichen Beeinträchtigungen der Holzlieferungen.

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