ROUNDUP, Irans

Irans PrĂ€sident und Außenminister bei Helikopter-Absturz umgekommen

20.05.2024 - 07:01:13

TEHERAN - Der iranische PrĂ€sident Ebrahim Raisi und sein Außenminister Hussein Amirabdollahian sind beim Absturz ihres Hubschraubers im Iran ums Leben gekommen.

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TEHERAN (dpa-AFX) - Der iranische PrĂ€sident Ebrahim Raisi und sein Außenminister Hussein Amirabdollahian sind beim Absturz ihres Hubschraubers im Iran ums Leben gekommen. Keiner der neun Insassen habe ĂŒberlebt, berichteten die staatliche Nachrichtenagentur Irna und das Staatsfernsehen am Montag. Zur Ursache des UnglĂŒcks gab es zunĂ€chst keine offiziellen Informationen.

Raisi war am Sonntagnachmittag zusammen mit Außenminister Amirabdollahian auf der RĂŒckreise von einem Treffen mit dem PrĂ€sidenten des Aserbaidschan, Ilham Aliyev, als ihre Maschine bei dichtem Nebel vom Radar verschwand. Gemeinsam hatten sie im Nachbarland einen Staudamm eingeweiht. Mit insgesamt drei Hubschraubern machte sich der Tross danach auf den RĂŒckweg gen Iran, doch die PrĂ€sidentenmaschine kam nicht an ihrem Bestimmungsort an.

Daraufhin entbrannten Spekulationen, ob der Absturz auf schlechtes Wetter, einen technischen Defekt am Hubschrauber oder gar Sabotage zurĂŒckzufĂŒhren sei. Klarheit darĂŒber gab es bis zum Montagmorgen nicht.

Irans Luftwaffe gilt als stark veraltet, ihre Modernisierung kommt angesichts scharfer internationaler Sanktionen kaum voran, Ersatzteile sind schwer zu beschaffen. Viele Flugzeuge und Helikopter stammen noch aus der Zeit vor der Islamischen Revolution von 1979, als das Land enge Beziehungen zu den USA unterhielt. Immer wieder kommt es zu folgenschweren UnfĂ€llen und AbstĂŒrzen.

Iran droht politische Krise

Stundenlang suchten RettungskrĂ€fte bei strömenden Regen, Nebel und in schwierigem Terrain nach der Absturzstelle, ehe sie die TrĂŒmmer des Helikopters am frĂŒhen Morgen an einem Hang entdeckten. Iranische Medien zeigten Bilder eines völlig ausgebrannten Wracks.

Irans erster VizeprĂ€sident, Mohammed Mochber, leitete am spĂ€ten Sonntagabend eine Notsitzung des Kabinetts. Das Protokoll sieht vor, dass der erste VizeprĂ€sident nach dem Tod des PrĂ€sidenten die AmtsgeschĂ€fte als Regierungschef weiterfĂŒhrt. Laut der Verfassung mĂŒssen dann innerhalb von 50 Tagen Neuwahlen stattfinden.

Das UnglĂŒck dĂŒrfte die Islamische Republik in eine politische Krise stĂŒrzen. Mangels Alternativen dĂŒrfte sich die Suche nach einem langfristigen Nachfolger fĂŒr Raisi schwierig gestalten. Und insbesondere Amirabdollahian war als Außenminister seit Beginn des Gaza-Kriegs verstĂ€rkt in die Öffentlichkeit gerĂŒckt und hatte zahlreiche Reisen zu VerbĂŒndeten unternommen.

Regierung wegen repressiver Politik in der Kritik

WĂ€hrend RegierungsanhĂ€nger um die StaatsmĂ€nner trauerten, brachten zahlreiche Iranerinnen und Iraner in sozialen Medien ihre Schadenfreude ĂŒber den Hubschrauberabsturz zum Ausdruck. Raisis Regierung steht seit Jahren wegen ihrer erzkonservativen Wertevorstellungen, der UnterdrĂŒckung von BĂŒrgerrechten und der schweren Wirtschaftskrise im Iran in der Kritik.

ReligionsfĂŒhrer Ajatollah Ali Chamenei versicherte bereits am Sonntag, dass die RegierungsgeschĂ€fte in keinem Fall beeintrĂ€chtigt wĂŒrden. "Es wird keine Unterbrechung der AktivitĂ€ten des Landes geben", zitierte ihn die Staatsagentur Irna.

Raisi war im August 2021 als neuer PrĂ€sident vereidigt worden. Der erzkonservative Kleriker wurde damit offiziell Nachfolger von Hassan Ruhani, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten durfte. Als Spitzenkandidat der politischen Hardliner sowie Wunschkandidat und ProtegĂ© des ReligionsfĂŒhrers Chamenei hatte Raisi die PrĂ€sidentenwahl mit knapp 62 Prozent der Stimmen gewonnen.

Der Iran stand zuletzt verstĂ€rkt in den Schlagzeilen, auch weil ein regionaler Krieg mit dem Erzfeind Israel zu drohen schien. WĂ€hrend Raisis Amtszeit vertiefte die Islamische Republik ihre wirtschaftliche und militĂ€rische Kooperation mit China und Russland, die Beziehung zum Westen kĂŒhlte unter anderem wegen des Streits ĂŒber das iranische Atomprogramm ab. Außerdem warf der Westen der FĂŒhrung in Teheran schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen vor. Trotzdem gab es erst vor wenigen Tagen wieder Berichte ĂŒber neue, indirekte GesprĂ€che mit den USA im Golfstaat Oman.

Religiöser Hardliner: Raisi als Mann des Systems

Raisi wurde 1960 in Maschhad geboren und war ĂŒber drei Jahrzehnte in der zentralen Justizbehörde des Landes tĂ€tig. 2019 wurde er zum Justizchef ernannt. In seiner frĂŒheren Funktion als Staatsanwalt soll er im Jahr 1988 fĂŒr zahlreiche Verhaftungen und Hinrichtungen politischer Dissidenten verantwortlich gewesen sein, weshalb seine Gegner ihm den Beinamen "SchlĂ€chter von Teheran" verpassten.

Experten hatten Raisi zwischenzeitlich auch als möglichen Nachfolger fĂŒr Chamenei gehandelt, der im April 85 Jahre alt wurde. Auch wenn sich die Kritik der jungen Generation inzwischen immer mehr gegen das gesamte System der Islamischen Republik richtet, stand Raisi innenpolitisch besonders unter Druck. Zuletzt trieb die Regierung ihren umstrittenen Kurs bei der Verfolgung des Kopftuchzwangs voran und brachte damit Teile der Bevölkerung noch mehr gegen sich auf.

Raisis Tod dĂŒrfte Machtkampf auslösen

Sollte das PrĂ€sidentenamt neu besetzt werden mĂŒssen, dĂŒrfte in Teheran ein heftiger Machtkampf ausbrechen, schrieb der Iran-Experte Arash Azizi in einer Analyse fĂŒr die US-Zeitschrift "The Atlantic". Raisis PassivitĂ€t habe Herausforderer unter den Hardlinern ermutigt. Sie wĂŒrden seine schwache PrĂ€sidentschaft als Chance sehen, schrieb Azizi. "Der Tod von Raisi wĂŒrde das Machtgleichgewicht zwischen den Fraktionen innerhalb der Islamischen Republik verĂ€ndern."

@ dpa.de