ROUNDUP, Chamenei

Chamenei weist Trumps Forderung nach Kapitulation zurĂŒck

18.06.2025 - 15:48:42

TEHERAN/TEL AVIV - Irans oberster FĂŒhrer Ajatollah Ali Chamenei hat der Forderung von US-PrĂ€sident Donald Trump nach einer bedingungslosen Kapitulation seines Landes eine Absage erteilt.

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TEHERAN/TEL AVIV (dpa-AFX) - Irans oberster FĂŒhrer Ajatollah Ali Chamenei hat der Forderung von US-PrĂ€sident Donald Trump nach einer bedingungslosen Kapitulation seines Landes eine Absage erteilt. Gleichzeitig warnte er die Vereinigten Staaten vor einem militĂ€rischen Eingreifen in den Konflikt.

In der iranischen Hauptstadt Teheran waren auch am sechsten Tag des Kriegs zwischen Israel und Iran Explosionen zu hören. Augenzeugen berichteten von mehreren Explosionen im Nordosten der Millionenmetropole und von schwerem Flugabwehrfeuer. Berichte ĂŒber Opfer oder SchĂ€den gab es zunĂ€chst nicht. Israels Armee bestĂ€tigte, dass die israelische Luftwaffe "derzeit militĂ€rische Ziele des iranischen Regimes in Teheran" angreife.

Bei Angriffen in der Nacht wurden nach israelischen Angaben Uran-Zentrifugen und mehrere Waffenfabriken ins Visier genommen. Zudem seien mehr als 40 militÀrische Ziele im Westen des Irans angegriffen worden. Die israelische Armee gab erstmals jedoch auch den Abschuss einer ihrer Drohnen zu.

Chamenei warnt vor "irreparablem Schaden"

"Das iranische Volk ist entschlossen und wird sowohl gegen einen auferzwungenen Krieg als auch gegen einen auferzwungenen Frieden Widerstand leisten", sagte Chamenei bei einer im Fernsehen ĂŒbertragenen Ansprache.

Die USA warnte er eindringlich vor einem militÀrischen Eingreifen in den Konflikt. Das werde "irreparablen Schaden" hervorrufen, so das iranische Staatsoberhaupt.

Am Dienstag hatte US-PrĂ€sident Donald Trump Chamenei unverhohlen gedroht. "Wir wissen genau, wo sich der sogenannte "Oberste FĂŒhrer" versteckt hĂ€lt", schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. "Er ist ein leichtes Ziel." Vorerst sei Chamenei dort aber sicher. "Wir werden ihn nicht ausschalten (töten!), zumindest nicht im Moment."

Trump warnte den Iran davor, Raketen auf Zivilisten oder US-Soldaten abzufeuern und mahnte: "Unsere Geduld geht langsam zu Ende." In einem weiteren Post schrieb Trump - wohl an den Iran gerichtet - in Großbuchstaben: "Bedingungslose Kapitulation!"

Russland warnt USA vor direkten Angriffen auf Iran

Das russische Außenministerium warnte die USA ebenfalls vor einem direkten Eingreifen. "Das wĂ€re ein die gesamte Lage radikal destabilisierender Schritt", sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow auf dem Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Selbst Spekulationen in diese Richtung seien sehr gefĂ€hrlich, sagte der Diplomat.

US-Medien: Israels Abfangraketen werden knapp

Abfangraketen fĂŒr das israelische Abwehrsystem Arrow könnten US-Medienberichten zufolge bald knapp werden. Die USA seien sich der KapazitĂ€tsprobleme seit Monaten bewusst, zitierte das "Wall Street Journal" einen US-Beamten. Deshalb habe Washington Israels Verteidigung mit Systemen am Boden, zu Wasser und in der Luft verstĂ€rkt und seit Juni weitere Raketenabwehrsysteme in die Region geschickt.

Sorge um die VerteidigungsfĂ€higkeit Israels Ă€ußerte auch eine ĂŒber die EinschĂ€tzungen US-amerikanischer und israelischer Geheimdienste informierte Quelle in der "Washington Post": Israels AbwehrfĂ€higkeit sei nur noch zehn oder zwölf weitere Tage auf bisherigem Niveau zu halten. Allerdings ist unbekannt, welche Mengen an Munition der Iran noch in der Hinterhand hat. Es wird spekuliert, dass die VorrĂ€te bereits deutlich ausgedĂŒnnt sind.

Kritik an Merz wegen Äußerung zu "Drecksarbeit"

Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zum israelischen Angriff auf Israel sorgen fĂŒr Kritik. "Wenn der Bundeskanzler sagt, Israel mache im Iran die Drecksarbeit fĂŒr uns, ist das mehr als befremdlich", sagte der SPD-Politiker Ralf Stegner dem "Spiegel". Widerspruch kam auch von GrĂŒnen, Linken und vom BSW.

Merz hatte in einem ZDF-Interview mit Blick auf Israels Krieg gegen den Iran das Wort "Drecksarbeit" benutzt und gesagt: "Ich kann nur sagen, grĂ¶ĂŸten Respekt davor, dass die israelische Armee den Mut dazu gehabt hat, die israelische StaatsfĂŒhrung den Mut dazu gehabt hat, das zu machen."

Vereinzelte Protestaufrufe

Das Leben in Teheran steht unterdessen weitgehend still. GeschÀfte bleiben geschlossen. Banken sind zwar geöffnet, können aber kein Bargeld auszahlen, so ein dpa-Reporter vor Ort.

Auch iranische Medien berichteten, dass mehrere Banken Probleme bei der Auszahlung von Devisen hatten, stellten das jedoch als vorĂŒbergehendes Problem dar. Trotz vielfach geschlossener Apotheken beteuerte die Regierung, es werde nicht zu EngpĂ€ssen in der Versorgung mit Medikamenten kommen.

Vereinzelt kommt es nach dpa-Informationen auch zu Protestaufrufen gegen die Regierung. Die Bewohner grĂ¶ĂŸerer Wohnblöcke gehen nach israelischen Bombardements oft auf die DĂ€cher, um zu sehen, wo sich die EinschlĂ€ge ereigneten. Dann erschallen immer wieder Rufe wie "Marg bar Chamenei" (Tod fĂŒr Chamenei). Beim Eintreffen von SicherheitskrĂ€ften ziehen sich die Menschen schnell nach solchen "Dachprotesten" in ihre Wohnungen zurĂŒck.

PrĂ€sident Massud Peseschkian rief die Menschen laut der den Revolutionsgarden nahestehenden Nachrichtenagentur Tasnim zur Einigkeit auf. "Solange wir das Volk hinter uns haben, werden wir auch keine Probleme haben", wurde Peseschkian zitiert. Daher sei es nun umso wichtiger, die nationale Einheit zu bewahren. Dann könne jede Krise ĂŒberwunden werden, so der Regierungschef weiter.

Spekulationen ĂŒber einen baldigen Umsturz sind nach EinschĂ€tzungen von Beobachtern vor Ort verfrĂŒht. Zwar habe ein Aufruf dazu von dem im Exil lebenden Sohn des letzten Schahs von Persien, Reza Pahlavi, Aufmerksamkeit erregt. Dieser sei wegen seines Vaters aber auch umstritten und Proteste auf den Straßen seien bislang ausgeblieben.

@ dpa.de