ROUNDUP, Irans

Irans Atomanlagen zerstört? Geheimdienst widerspricht Trump

25.06.2025 - 15:40:12

TEL AVIV - Die iranischen Atomanlagen sind durch die US-Bombardierung vom Wochenende einem Geheimdienstbericht zufolge weniger stark beschÀdigt worden als US-PrÀsident Donald Trump und Israels Premier Benjamin Netanjahu angegeben haben.

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TEL AVIV (dpa-AFX) - Die iranischen Atomanlagen sind durch die US-Bombardierung vom Wochenende einem Geheimdienstbericht zufolge weniger stark beschĂ€digt worden als US-PrĂ€sident Donald Trump und Israels Premier Benjamin Netanjahu angegeben haben. CNN und "New York Times" berichteten unter Berufung auf den Bericht, das Atomprogramm sei nur um einige Monate zurĂŒckgeworfen worden. Trump wiederum hatte davon gesprochen, die Anlagen seien komplett zerstört.

Den Medien zufolge geht es um eine erste geheimdienstliche EinschĂ€tzung. Demnach konnte das US-Bombardement Irans unterirdische Atomanlagen nicht komplett zerstören. Beide Medien berufen sich auf mit dem Bericht des militĂ€rischen Geheimdienstes (DIA) vertraute Beamte. Zugleich betonen sie, dass weitere Untersuchungen zu anderen Schlussfolgerungen fĂŒhren könnten.

Trump: "Fake News"

US-PrĂ€sident Trump widersprach den Medienberichten heftig. Er wies sie als "Fake News" zurĂŒck und schrieb, man habe die Atomanlagen "vollstĂ€ndig zerstört". Beim Nato-Gipfel in Den Haag sagte Trump vor Journalisten: "Ich glaube, es war eine totale Auslöschung." Er sprach von einer "perfekten Operation". Den beiden Medien unterstellte er, die Regierung schlecht aussehen lassen zu wollen.

Der Geheimdienstbericht geht der "New York Times" zufolge davon aus, dass der Iran seinen Bestand an angereichertem Uran vor den Angriffen an andere Orte verlegt hat. Trump widersprach: "Ich glaube, sie hatten keine Chance, etwas herauszuholen, weil wir schnell gehandelt haben."

Er setzt nach eigenen Angaben darauf, bald Informationen aus Israel zum genauen Ausmaß der Aktion zu erhalten - auch deshalb, weil Netanjahu Leute vor Ort habe.

Wenig spĂ€ter teilte das Weiße Haus eine Mitteilung der Israelischen Atomenergiekommission. Kurz darauf veröffentlichte auch das BĂŒro von MinisterprĂ€sident Netanjahu den Text. Darin heißt es, der US-Schlag auf die Anlage in Fordo habe deren Infrastruktur zerstört und die Urananreicherung dort unbrauchbar gemacht. Man gehe davon aus, dass die amerikanischen und israelischen Angriffe das iranische Atomprogramm um viele Jahre zurĂŒckgeworfen hĂ€tten. Dieser Erfolg könne von Dauer sein - sofern Teheran keinen Zugang zu Kernmaterial erhalte.

Was sagt Israel?

Auch Israels Armee geht davon aus, dass die Angriffe das iranische Atomprogramm um Jahre zurĂŒckgeworfen haben. Nach derzeitiger EinschĂ€tzung der Armee wurde das Atomprogramm der Islamischen Republik erheblich beschĂ€digt, wie der israelische MilitĂ€rsprecher Effie Defrin sagte. Aus Sicht des MilitĂ€rs sei es aber noch zu frĂŒh, um die Auswirkungen auf das iranische Atomprogramm zu beurteilen. Diese wĂŒrden noch untersucht.

Am Wochenende hatten die USA an der Seite Israels in den Krieg mit dem Iran eingegriffen und iranische Atomanlagen bombardiert.

IAEA legt sich nicht auf zeitliche Perspektive fest

Nach EinschĂ€tzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) könnte der Iran die Atomanlagen wieder aufbauen - auf einen zeitlichen Horizont wollte Behördenchef Rafael Grossi sich allerdings nicht festlegen. Das Land habe das nötige technische Wissen und die nötige industrielle KapazitĂ€t, betonte er. Zudem hĂ€tten manche Teile der iranischen Atom-Infrastruktur die Attacken ĂŒberstanden.

Zur Frage, ob die Angriffe Israels und der Vereinigten Staaten das Atomprogramm um Jahre oder nur um Monate zurĂŒckgeworfen hĂ€tten, wollte sich Grossi nicht Ă€ußern. "Ich mag den Ansatz nicht, dies wie mit einer Sanduhr zu betrachten", sagte er. Nun gehe es darum, mit dem Iran an langfristigen Lösungen zu arbeiten.

Einige IAEA-Inspektoren waren trotz der Angriffe Israels und der Vereinigten Staaten im Iran geblieben, konnten aber die Atomanlagen nicht besuchen. Die IAEA ist vor allem daran interessiert, den Verbleib von beinahe waffenfÀhigem Uran im Iran zu verifizieren.

IAEA: Atom-Inspektionen hat oberste PrioritÀt

Die Wiederaufnahme der Nuklear-Inspektionen im Iran hat nach Ansicht Grossis nun oberste PrioritÀt. Er rÀumte jedoch ein, dass die Untersuchung von kriegsbeschÀdigten Anlagen schwierig sei.

Das Parlament in Teheran hatte zuvor beschlossen, dass die Zusammenarbeit mit der IAEA in Wien vorĂŒbergehend ausgesetzt werden soll, wie der Staatssender IRIB berichtete. Doch dafĂŒr mĂŒssten noch zwei wichtige Gremien zustimmen: der iranische Sicherheitsrat und der WĂ€chterrat. Grossi Ă€ußerte sich nicht explizit zu diesem möglichen Schritt.

Der Iran besitzt einem IAEA-Bericht zufolge unter anderem mehr als 400 Kilogramm Uran mit einem beinahe waffentauglichen Reinheitsgrad von 60 Prozent. Das Uran war bislang in Anreicherungsanlagen in Natans und Fordo hergestellt worden. Nach Angaben von Diplomaten könnten damit einige Atomwaffen hergestellt werden, falls das Material noch weiter auf 90 Prozent angereichert wĂŒrde. Teheran beharrt darauf, keine Atomwaffen bauen zu wollen, doch in vielen LĂ€ndern wuchs zuletzt die Sorge, dass die Islamische Republik immer nĂ€her an die FĂ€higkeit rĂŒckt, Kernwaffen bauen zu können.

@ dpa.de