Was wir wissen - und was nicht
13.06.2025 - 13:22:12(neu: weitere Details)
TEL AVIV/TEHERAN (dpa-AFX) - Israel hat in der Nacht mit einem GroĂangriff auf iranische StĂ€dte und Atomanlagen begonnen. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem "PrĂ€ventivschlag", MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu von einem "erfolgreichem Eröffnungsschlag". Im Iran werden Dutzende Ziele getroffen, es gibt Berichte ĂŒber Explosionen, etwa in Teheran. Was bisher bekannt ist - und was nicht.
Was wir wissen
* Die Angriffe: Kurz vor Tagesanbruch meldeten iranische Staatsmedien mehrere Explosionen rund um die Hauptstadt Teheran. AnschlieĂend bestĂ€tigte Israels Armee Angriffe im Iran. Es sei Irans Atomprogramm angegriffen worden. Es handele sich um "eine prĂ€ventive, prĂ€zise, kombinierte Offensive". Neben dem Atomprogramm sollen auch weitere militĂ€rische Ziele angegriffen worden seien. Teheran und andere StĂ€dte waren im Laufe des Tages immer wieder von Explosionen erschĂŒttert worden. Israels MilitĂ€rsprecher Effie Defrin erklĂ€rte spĂ€ter, mehr als 200 Kampfflugzeuge seien im Einsatz gewesen und mehr als 100 Ziele angegriffen worden.
* Opfer: Detaillierte Informationen gibt es ĂŒber prominente Opfer der Angriffe, ĂŒber andere bislang kaum. Der Kommandeur der mĂ€chtigen Revolutionsgarden, Generalmajor Hussein Salami, sei bei einer Attacke auf das Hauptquartier des Oberkommandos der Revolutionsgarden getötet worden, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim. Die Revolutionsgarden sind Irans Elitestreitmacht. Auch Generalstabschef Mohammed Bagheri ist tot sowie Gholam-Ali Raschid, der Kommandeur des zentralen Hauptquartiers Chatam al-Anbija. Das israelische MilitĂ€r berichtete auĂerdem, den Kommandeur der LuftstreitkrĂ€fte der Revolutionsgarden, Amir Ali Hadschisadeh, zusammen mit fĂŒhrenden Offizieren bei einem Angriff getötet zu haben.
* Getötet wurden auch sechs fĂŒhrende Wissenschaftler, unter ihnen Abdulhamid Minutscher, Professor und Dekan der FakultĂ€t fĂŒr Nukleartechnik, Schahid-Beheshti-UniversitĂ€t, spezialisiert unter anderem auf Reaktorphysik und nukleare Simulationen, Amirhossein Faghihi, Stellvertretender Direktor der iranischen Atomenergieorganisation und Fereydun Abbasi, der frĂŒhere Leiter des iranischen Atomprogramms.
* Orte: Neben den Angriffen in der iranischen Hauptstadt Teheran wurden laut Netanjahu auch Atomanlagen des Landes getroffen - die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) nennt eine der wichtigsten iranischen Atomanlagen: Die Uran-Anreicherungsanlage in Natans sei "unter den Zielen", teilte IAEA-Chef Rafael Grossi mit. Das staatliche Fernsehen im Iran berichtete ĂŒber Rauch an der Atomanlage.
* Israel erklĂ€rte spĂ€ter, es seien essenziell wichtige Anlagen vor Ort zerstört worden, "die fĂŒr den fortlaufenden Betrieb und das weitere Vorantreiben des Nuklearprojekts des iranischen Regimes unerlĂ€sslich sind", hieĂ es in einer Mitteilung des MilitĂ€rs. Eine enge Zusammenarbeit des israelischen MilitĂ€rgeheimdienstes und der Luftwaffe hĂ€tten zu "erheblichen SchĂ€den" an der Anlage gefĂŒhrt. Nach iranischen Angaben wurde auch der Standort des Schwerwasserreaktors Arak angegriffen sowie der Nuklearkomplex Partschin. Informationen zu konkreten SchĂ€den dort gab es zunĂ€chst nicht.
* Dauer der Angriffe: Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu bezeichnete die Angriffe in den frĂŒhen Morgenstunden als "Eröffnungsschlag". Er sagte zudem: "Diese Operation wird so viele Tage andauern, wie es braucht, um diese Bedrohung zu beseitigen." In Israel geht man Medienberichten zufolge davon aus, dass mögliche KĂ€mpfe mit dem Iran sich ĂŒber mindestens zwei Wochen ziehen könnten.
* Beteiligung des Geheimdienstes: Israel hat Berichten zufolge Geheimdienst-Kommandos tief im Inneren des Irans eingesetzt. Der Angriff sei jahrelang vorbereitet worden, schrieben mehrere israelische Medien unter Berufung auf eine Quelle in den SicherheitskrÀften des Landes. Zu diesem Zwecke hÀtten Einheiten des Auslandsgeheimdienstes Mossad bereits im Vorfeld der Angriffe PrÀzisionswaffen, Fahrzeuge und Drohnenbasen in der NÀhe von Raketensilos und Luftabwehrstellungen platziert.
* Iranischer Gegenschlag: Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei droht Israel als Reaktion auf den nĂ€chtlichen GroĂangriff mit Vergeltung. Israel mĂŒsse mit "einer harten Bestrafung" rechnen, wurde der ReligionsfĂŒhrer in einer Mitteilung seines BĂŒros zitiert. Der AuĂenminister des Landes Abbas Araghtschi wertete den Angriff als KriegserklĂ€rung. Nach israelischen Angaben schickte der Iran mehr als 100 Drohnen in Richtung Israel. Das israelische Nachrichtenportal "ynet" meldete, die Drohnen seien abgeschossen worden. Das israelische Heimatschutzkommando teilte mit, es sei nicht mehr nötig, sich in der NĂ€he von SchutzrĂ€umen aufzuhalten.
* Auch das jordanische MilitĂ€r hat mehrere Flugkörper und Drohnen ĂŒber dem Luftraum des Landes abgefangen. Das berichtete die staatliche jordanische Nachrichtenagentur Petra unter Berufung auf MilitĂ€rkreise.
Was wir nicht wissen
* Auswirkungen: Obwohl der Iran mit einer harten Reaktion auf Israels Vorgehen drohte, ist nicht bekannt, welche genauen Folgen die Angriffe auf die gesamte Region haben werden. Die Sorge vor einer groĂen Eskalation im Nahen Osten ist groĂ. Im vergangenen Jahr standen Israel und der Iran bereits mehrfach am Rande eines offenen Kriegs.
* AusmaĂ der SchĂ€den: Irans Behörden meldeten zwar Opfer und SchĂ€den in weiten Landesteilen. Wie viele Menschen - auch Zivilisten- insgesamt durch den GroĂangriff gestorben oder verletzt wordensind, ist bisher allerdings nicht bekannt. Iranische Medien zeigten Bilder zerstörter HĂ€userfassaden in Teheran. In Videos war zu sehen, wie RettungskrĂ€fte unter TrĂŒmmern nach VerschĂŒtteten suchen.
* Weitere Ziele der Angriffe: MilitÀrsprecher Defrin erklÀrte, zwar wie viele Kampfflugzeuge im Einsatz waren und wie viele Ziele angegriffen wurden. Dennoch ist das genaue Ausmaà der Angriffe bisher nicht bekannt.

